Rhein-Pfalz Kreis Jeden Dienstag kommen 20 Familien
In der Kleiderkammer auf dem Gelände des ehemaligen Freibads in Lambsheim herrscht an diesem Nachmittag ein reger Betrieb. Kinder wuseln um Frauen herum, ein kleiner Junge begutachtet ausgiebig ein Gesellschaftsspiel, eine Gruppe von Männern verfolgt aus einer Ecke des Raums heraus das Geschehen. Unterdessen wird im Nebenraum ein Kind betreut, das sich beim Spielen draußen verletzt hat. „Ungefähr 20 Familien mit jeweils zwei bis vier Mitgliedern kommen jeden Dienstag hierher“, berichtet Annette Hambsch, die beim Projekt „Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe Lambsheim-Heßheim“ die Federführung hat. Meist warteten die Asylbewerber schon vor der Tür, wenn die Türen geöffnet werden, hat sie beobachtet. Annette Hambsch betreut seit dreieinhalb Jahren die Kleiderausgabestelle in der Waldstraße. Diese steht allen Bedürftigen im Umkreis von Lambsheim offen, nicht nur Flüchtlingen. Angefangen habe alles in einem privaten Carport, erzählt Hambsch, bis es dort zu eng geworden sei und man die ehemalige Freibad-Cafeteria von der Gemeinde Lambsheim zur Verfügung gestellt bekommen habe. Die Regale sind voll mit Kleidungsstücken, Schuhen, Schulsachen, und Spielzeug. Auch die Kleider auf den Ständern hängen dicht an dicht. In zwei weiteren Räumen gibt es Bettwäsche und Essgeschirr. Es riecht leicht muffig. „Das kommt von dem undichten Dach“, sagt Hambsch mit einem Blick nach oben. Das soll allerdings bald der Vergangenheit angehören. „Im Herbst ziehen wir in das ehemalige Betriebsgebäude der Kläranlage um“. Zuvor müsse dort aber noch umgebaut und gestrichen werden, die Flüchtlinge sollen mithelfen. Am neuen Standort wird es einen Raum mehr geben, deshalb überlegt der Ehrenamtskreis, ob das Kleidungsangebot für Männer und Frauen aufgeteilt wird. Denn viele Frauen probierten aus Scham nichts vor Ort an. Das würde sich in nach Geschlechtern getrennten Räumen vielleicht ändern. In der Fahrradwerkstatt nebenan wird emsig gearbeitet. Ein Mädchen schiebt stolz ihr „neues“ Fahrrad herum und zeigt es den Frauen in der Kleiderkammer. Die freuen sich mit ihr. „Fahrräder werden ganz viele benötigt, damit die Menschen mobil sein können“, sagt Hambsch. Auch Helfer zum Reparieren der Räder würden händeringend gesucht. In den neuen Räumen werde man eine größere Werkstatt haben sowie Platz für einen Parcours, auf dem eventuell Fahrkurse stattfinden können. Acht bis zehn Ehrenamtliche arbeiten regelmäßig in drei Schichten in der Kleiderkammer, die nur einen kleinen Teil der Flüchtlingshilfe in der Verbandsgemeinde darstellt. In Lambsheim, wo aufgrund der Ortsgröße die meisten Asylsuchenden untergebracht sind, gibt es ein Begrüßungsteam, Personen- und Objektbetreuer sowie Leute, die sich um Sportmöglichkeiten für die aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen kümmert, um freien Internetzugang und um Sprachkurse. Eine weitere kleine Gruppe ist dafür zuständig, die Nachbarschaft von Flüchtlingswohnungen über die Neuankömmlinge zu informieren, um Ängste abzubauen. Auch gibt es ein Lager für die Erstausstattung von Wohnungen, und freitags werden Lebensmittel aus der Frankenthaler Tafel gegen einen Obolus von zwei Euro an die Migranten ausgegeben. Dieses Angebot betreut Silvia Jander. 25 bis 30 Mitarbeiter leisten auf unterschiedliche Weise in Lambsheim Hilfe. Während der harte Kern aus 15 Betreuern besteht, reagieren die meisten anderen auf Zuruf. „Wir sind ein sehr harmonisches und eingespieltes Team“, sagt Annette Hambsch. Die persönliche Betreuung stellt die intensivste Arbeit in der Flüchtlingshilfe dar, und gerade in diesem Bereich gibt es die wenigsten Freiwilligen. Betreuerin Margit Stadler ist daher quasi rund um die Uhr aktiv. „Wenn nachts ein Baby kommt, muss ich zur Stelle sein. Ich war auch schon mit im Kreißsaal“, erzählt die Koordinatorin des Lambsheimer Initiativkreises lachend. Sie begrüßt die Neuankömmlinge persönlich, bringt sie in ihre Unterkünfte und informiert sie über die Angebote in der Gemeinde. Neben der Begleitung bei Behördengängen kümmert sie sich um Schulanmeldungen und alles, was dazugehört: Schulbücher, Essensgeld, Lehrergespräche. Firmen in Lambsheim fragt sie nach Praktikumsmöglichkeiten für die Asylbewerber, und sie führt eine Liste über deren Fähigkeiten. Immer wieder müsse sie diese an bestimmte Dinge erinnern. Beispielsweise daran, dass sie alle vier Wochen ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen müssen, bis sie als Flüchtlinge anerkannt sind. „Das heißt aber noch lange nicht, dass die Menschen danach keine Hilfe mehr benötigen.“ Rund 130 Flüchtlinge leben in Lambsheim, hauptsächlich Syrer und einige Afghanen. „Wir betreuen alle, ob anerkannt oder nicht“, sagt Stadler. „Allerdings haben wir mittlerweile angefangen, ein Fahrtenbuch zu führen, denn durch die vielen Fahrten entstehen doch einige Kosten.“ Auch in den Ortsgemeinden Beindersheim, Großniedesheim und Heuchelheim bestehen Ehrenamtskreise. Alle örtlichen Koordinatoren und Vertreter der Verwaltung tauschen sich einmal im Monat aus. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, sagt Stadler, zum Beispiel wenn es darum geht, Sprachkurse zu bilden.