Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Wie man es endlich schafft, mehr Sport zu treiben

Für Anfänger empfiehlt Coach Michael Stiller Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht.
Für Anfänger empfiehlt Coach Michael Stiller Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht.

Im neuen Jahr wollen viele mehr Sport machen. Wie der Einstieg gelingt und man langfristig dranbleibt, verrät Personal Trainer Michael Stiller, ein gebürtiger Bobenheim-Roxheimer, im Interview mit Lea Knies.

Herr Stiller, wie kann man den inneren Schweinehund beim Sport als Anfänger überwinden?
Da muss man sich selbst austricksen. Die klassischen Tipps: die gepackte Sporttasche schon im Auto haben, mit einem Freund anfangen oder einen Personal Trainer anheuern. Wenn man sich jemand anderem verpflichtet hat, dann ist die Hürde für eine Absage schon ein bisschen größer als der Schweinehund. Man sollte also die Umstände so gestalten, dass man keine andere Wahl hat als es zu machen.

Was sind typische Anfängerfehler?
Der größte Fehler ist der schnelle Start. Heißt: Ich habe zu schnell zu viel gewollt und mir zu wenige Gedanken gemacht. Da verbrät man oft viel Energie und Motivation für Sachen, die vielleicht gar nicht so viel helfen. Meistens hält man das nur vier bis acht Wochen durch. Damit das nicht passiert, kann man in einem Plan genau aufschreiben, was man will, wo man hinwill und was realistisch ist. Das ist kein Sprint. Die meisten Leute denken, man steckt ein paar Wochen oder Monate Arbeit rein, nimmt ab, und muss dann das Gewicht „nur noch“ halten. Dabei sollte man sich eher zwölf Monate vornehmen. Dafür reicht schon eine Stunde in der Woche. Ich würde Krafttraining empfehlen. Wenn man fit werden will, ist Sport aber lange nicht alles. Das sind vielleicht 20 Prozent. Den Rest macht vor allem die Ernährung, mentale Verfassung, psychische Gesundheit, Schlafqualität aber auch die Magen-Darm-Gesundheit aus. Kurz gesagt: Man braucht einen Plan oder Strategie, um in allen relevanten Bereichen kleine, aber konstante Schritte zu unternehmen. Dann darf man auch etwas mehr Gas geben.

Wie bleibt man nach den ersten Erfolgen auch langfristig dran?
Kleine Ziele setzen und auch dann weiter machen, wenn man krank, müde oder gestresst ist. Das ist besonders in der dunklen Jahreszeit eine Herausforderung. Bei niemandem ist das Jahr jeden Tag gleich gut. Der Sport ist dann oft das erste, was hinten runterfällt. Wenn man aber im schlimmsten Fall nur alle zehn Tage eine ordentliche Trainingseinheit einlegt, dann kann man in Phasen mit wenig Zeit viel erhalten oder trotzdem Fortschritte machen. Lieber ist man erst mal ein halbes Jahr mit einer Einheit pro Woche dabei, etabliert diese Routine in einem stressigen Alltag und baut die Zeit dann aus, als direkt in die Vollen zu gehen. Nachher kann man immer noch mehr machen.

Man sollte auch eine Leiter der Schwierigkeit beachten. Mit Schwimmen, Walken oder Fahrradfahren kann man beispielsweise gut starten. Beim Krafttraining sollte man erst mal mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten und von da aus schauen, wie man das Training langsam schwieriger machen kann. Wenn’s darum geht, die richtige Trainings- oder Sportart für sich zu finden, hilft nur ausprobieren. Vielleicht etwas, was man in der Kindheit gemacht hat oder schon immer mal machen wollte. Freizeitsport wie regelmäßiges Radfahren ist besser als gar nichts. Am besten wäre natürlich beides, Sport und Training.

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