Ludwigshafen / Gerolsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Landfrauenvereine in der heutigen Zeit

Bastelkurs im Corona-Jahr: Mit Online-Angeboten haben die Landfrauen versucht, ihre Mitglieder bei der Stange zu halten.
Bastelkurs im Corona-Jahr: Mit Online-Angeboten haben die Landfrauen versucht, ihre Mitglieder bei der Stange zu halten.

Der Landfrauen-Kreisverband Vorderpfalz feiert am Samstag, 23. Oktober, sein 70-jähriges Bestehen. Wir haben mit der Vorsitzenden Rose Reber (60) aus Ruchheim über den Ursprung und die Zukunft des Verbands gesprochen.

Frau Reber, was genau gibt es eigentlich zu feiern, wenn sich die vorderpfälzischen Landfrauen im Gerolsheimer Dorfgemeinschaftshaus treffen?
Wir feiern die 70-jährige Erfolgsgeschichte „Frauen für Frauen im ländlichen Raum“. Es ist eine über 100 Jahre alte Idee, die immer noch aktuell ist. Der damalige Grundgedanke war, dass sich Frauen durch den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse selbst Einkommensquellen erschließen und somit unabhängiger werden. Die Themen der Vorträge haben sich gewandelt. Ging es früher zum Beispiel um die Nutzung von Tiefkühlgeräten, so sind die Themen heute etwa vegane Küche, naturnahes Gärtnern oder das Fermentieren von Gemüse. Wir denken an die moderne Frau beziehungsweise Mutter, die im Berufsleben steht. Deshalb hat sich unser Spektrum an Kursen vergrößert, etwa um die Themenfelder Ernährung, Umwelt, Finanzen. Es werden Kräuterwanderungen, Betriebsbesichtigungen, Seminare über die Zukunft des Ehrenamts und medizinische Vorträge veranstaltet. Aber natürlich ist der Erhalt ländlicher Traditionen und Brauchtumsveranstaltungen ebenfalls wichtig für uns.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es für die Landfrauen schwierig geworden, das Kursangebot aufrecht zu erhalten. Veranstaltungsräume in Schulen und Gemeindehäusern waren lange geschlossen. Hat das den Landfrauenvereinen geschadet?
Corona hat für uns alle neue Herausforderungen gebracht. Wir Landfrauen suchen das Miteinander jetzt auf neuen Wegen und haben den Sprung in die digitale Welt geschafft. Webex und Zoom sind keine Fremdwörter mehr. Kinder und Enkel haben unseren älteren Mitgliedern bei der Teilnahme an Online-Kursen geholfen. Zum Beispiel gab es einen Mitmachkurs, in dem wir aus alten Büchern, Zeitungen und Magazinen Dekoartikel, Karten und Geschenktüten hergestellt haben. Ein Kochkurs als Webinar ist allerdings etwas anderes, als einer Dozentin live zuzuschauen und Kostenproben gereicht zu bekommen. Man darf nicht vergessen, dass die Mitgliedschaft bei den Landfrauen auch etwas mit Geselligkeit und Freundschaft zu tun hat.

Ihrem Kreisverband gehören 39 Ortsvereine mit insgesamt 3640 Mitgliedern an, das klingt gut. Es gibt aber in den Vereinen auch das Problem, Nachfolger in der Vorstandsarbeit zu finden. Welche Tipps können Sie den Ortsvorständen geben?
Zunächst einmal: Landfrauenvereine wird es weiterhin geben, denn es wird immer Frauen geben, die sich für die gesellschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum einsetzen. Aber wahrscheinlich wird sich unsere Vereinsstruktur ändern. Möglich wäre, dass sich Ortsvereine zusammenschließen, ihre Angebote und Kompetenzen bündeln. Für gute, exklusive Vorträge fahren die Landfrauen gerne mal in den Nachbarort, und Fahrgemeinschaften liegen ohnehin im Trend. Junge Landfrauen gestalten heute die Homepage, sind auf Facebook und Instagram aktiv und übernehmen die Pressearbeit. Kochen und Backen sind heute kein Muss für den Vereinsbeitritt mehr. Landfrauen bieten Ernährungskurse für Kinder und Jugendliche an und zeigen zum Beispiel in Jugendhäusern, wie man Smoothies macht. Und für Schulabschlussklassen werden in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Kurse zum Start in die Berufswelt veranstaltet.

Rose Reber
Rose Reber
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