Rhein-Pfalz Kreis Interview: „Es fehlte für Mutterstadt noch ein Lied fürs Herz“

Das neue „Mutterstadt Lied“ ist quasi eine Gemeinschaftsproduktion des Mutterstadter Urgesteins und Beigeordneten des Rhein-Pfalz-Kreises, Konrad Heller, seiner Tochter Angelika Grothe, pädagogische Fachkraft bei der Kreismusikschule, und des freischaffenden Komponisten Uli Führe. Wir sprachen mit Konrad Heller (76) und Angelika Grothe (52) über die Idee und die „Geburt“ des musikalischen Geschenks zum Ortsjubiläum. Frau Grothe, wer hatte die zündende Idee, Mutterstadt ein eigenes Lied zu schenken? Grothe: Ich hatte die Idee bei einem Treffen der Chorleiter und Vorstände der musiktreibenden Vereine in Mutterstadt im Vorfeld der 1250-Jahr-Feier in die Runde geworfen. Das stieß auf offene Ohren. Und ich wusste von Anfang an, dass mein Vater den Text schreiben könnte. Er schreibt seit Jahrzehnten Büttenreden und dichtet gern. Und er ist Mutterstadter durch und durch. Es gibt doch bereits Lieder über Mutterstadt? Grothe: Ja, das stimmt, die werden aber eher an Fasnacht gesungen. Es fehlte noch ein ernsthafteres Lied, das auch in geselliger Runde gesungen werden kann. Heller: Ein Lied fürs Herz, eben. Viele Orte haben ja so ein Heimatlied. Mutterstadt brauchte unbedingt noch so eines. Herr Heller, Sie dichten gern: für die Fasnacht, aber auch für Familienfeste. Nun bittet Sie ihre Tochter um einen ernsthaften Text für Ihren Heimatort. Eine große Verantwortung, oder? Heller: Ja, aber auch eine große Ehre. Und es war wirklich etwas anderes als das, was ich sonst dichte. Zwei Nächte habe ich an der Rohfassung des Textes geschrieben. Was war die Schwierigkeit? Heller: Der Text sollte zum einen zeitlos sein, aber auch die Geschichte und die heutige Zeit widerspiegeln. Darum habe ich zum Beispiel in der zweiten Strophe das Thema Flüchtlinge aufgenommen. Die Vorfahren vieler Mutterstadter waren selbst Flüchtlinge, die hier ihre neue Heimat gefunden haben. Es gibt in Mutterstadt sogar prominente Beispiele. Und, Frau Grothe, waren Sie mit der Arbeit Ihres Vaters zufrieden? Grothe: Ja, sehr. Ihn um den Text zu bitten, war die richtige Entscheidung. Heller: Meine Tochter und meine Frau waren meine ersten Kritikerinnen, aber der Text hat ihnen gefallen. Es wurden noch in Absprache mit den Chor- und Vereinsvertretern ein paar kleine Änderungen vorgenommen. Aber es fehlte noch die Melodie. Grothe: Genau. Auch hier hatte ich einen Wunschkandidaten: Uli Führe. Der 60-Jährige ist freischaffender Komponist, lebt im Breisgau und gibt Seminare für Musikpädagogen. Auf einem solchen habe ich ihn kennen und schätzen gelernt. Er hat einen ganz eigenen, frischen Stil. Ich fragte ihn, und er sagte zu. Recht schnell bekamen wir dann die Noten. Und, hat die Melodie sofort gefallen? Heller: Beim ersten Hören hat es mir nicht sofort zugesagt. Aber ich glaube, da hatte ich einen schlechten Tag. Denn jetzt bin ich begeistert. Grothe: Mir hat die Komposition von Anfang an gefallen. Sie ist modern, aber auch nicht zu modern. Ich bin mir sicher, das gefällt Jung und Alt. Hat das ganze Unternehmen außer Zeit auch Geld gekostet? Heller: Ja, aber, wie gesagt, das ist ein Geschenk. | Interview: Doreen Reber