Schifferstadt
Interview: Anja Pohsner über den Kult um James Bond
Frau Pohsner, Ihr Lieblings-James-Bond-Darsteller heißt?
Pierce Brosnan. Ich mochte ihn schon in der Fernsehserie Remington Steele. Er ist tough, hat aber auch Humor. Danach kommt Daniel Craig.
Hm, ich vermisse Sean Connery.
Den habe ich als Nummer drei. Der war mir zu brutal und zu sexistisch. Aber mittlerweile hat sich in den Bond-Filmen ja auch das Bild der Frau deutlich gewandelt.
Ihr Lieblings-Bond-Schurke ist?
Goldfinger, ganz klar.
Der ist aber aus einem Film mit Connery.
Ja. Aber Gert Fröbe, ich bitte Sie. Besser geht’s nicht. Auch bei den Schurken hat sich übrigens in der Bond-Geschichte einiges getan. Da ist immer wieder der Zeitgeist eingeflossen.
Die Frage nach dem Lieblingsschurken haben Sie damit auch beantwortet.
Ja, wobei ich Christoph Waltz als Blofeld unschlagbar finde.
Landen wir beim besten Bond-Girl auch bei Goldfinger?
Unbedingt. Honor Blackman war super. Sie hat damals schon ein sehr fortschrittliches Frauenbild verkörpert. Pussy Galore, die Figur, die sie gespielt hat, war schon im Roman eine sehr starke Frau und führte eine lesbische Kampftruppe an. Und sie war die Vorgängerin von Diana Rigg – sowohl als Bond-Girl als auch als Partnerin von Patrick Macnee in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“, die sich zu einer Agentenparodie entwickelt hat.
Lesen Sie lieber die Romane, oder schauen Sie lieber die Filme?
Puh, das kann ich so kategorisch nicht beantworten. „Casino Royale“ ist teilweise sehr philosophisch. Und man erfährt etwas aus dem Privatleben von Bond. Das passiert in den Filmen ja auch erst seit Daniel Craig, also recht spät.
Wann kamen Sie zum ersten Mal mit James Bond in Berührung?
Das kann ich nicht genau sagen. Ich glaube, das war in den 1980ern und muss dann über die Kinofilme gewesen sein. Mich hat als Musikwissenschaftlerin aber auch schon immer die Musik in den Filmen fasziniert. Ich betrachte die Wirkung der einzelnen Hits. Und als Cineastin haben mich die Vorspänne schon immer begeistert.
Würden Sie mir widersprechen, wenn ich sage, dass die Qualität der Bond-Songs in den letzten Jahren abgenommen hat?
Sie hat nicht abgenommen. Aber die Lieder sind sich zu ähnlich. Ein paar Noten aus dem Anfangsthema müssen eben immer dabei sein. Aber es sind ein paar schöne Songs dabei, die auch nicht einfach nachzusingen sind.
Was macht 007 zum Kult?
Es ist unglaublich, wie weit James Bond mittlerweile reicht. Die Figur hat die Kulturgeschichte mitgeprägt. Immer wieder werden zeitgenössische Themen angepackt, zum Beispiel Raumfahrt. Dann sind da immer wieder seine Spielzeuge, die diversen Waffen, das ist schon faszinierend und greift in so viele Bereiche rein. Man kann irgendwann gar nicht mehr sagen, was Fiktion ist. Und: Jeder hat schon mal was von James Bond gehört. Sei es das Flirten mit Moneypenny, die Kabbeleien mit Q. So ganz kommt keiner an ihm vorbei.
Wie haben sich die Filme über die Jahrzehnte verändert?
Vor allem das Frauenbild hat sich verändert. Judi Dench hat ihn in ihrer Rolle als M ja mal als sexistischen Dinosaurier beschimpft. Dann gibt es immer wieder schlagkräftige Damen, angefangen bei Grace Jones. Es ging vom eher brutalen Connery über den augenzwinkernden Roger Moore und George Lazenby zu Timothy Dalton. Der war vielen zu weinerlich. Dann kamen der schon angesprochene Brosnan und schließlich Daniel Craig, ebenfalls mit mehr Gefühl.
Aber an Brutalität stehen die Craig-Filme den Streifen mit Connery in nichts nach.
Stimmt. Aber der Unterschied ist, dass Craig selbst auch viel abbekommt. Denken Sie nur an die Folterszenen.
Nach dem letzten Film – ist James Bond wirklich tot?
In der Gesellschaft und in der Filmkultur ganz sicher nicht. Und auch filmisch nicht. Die Serie geht mit Sicherheit weiter. Aber der nächste Film dauert noch. 2025/2026 habe ich gehört. Ganz tot ist er auf keinen Fall.
Wer schlüpft dann in die Rolle?
Ich gehe mal davon aus, dass es ein jüngerer Schauspieler ist. Mal ehrlich, James Bond mit Frau und Kind, das hätte ja niemand geglaubt. Es wird spekuliert, dass er aus der Szene um die Marvel-Filme oder aus der Serie „Game of Thrones“ kommt. Aber da weiß ich nicht, ob die Jungs das Format haben, die Rolle auszufüllen. Auch farbige Schauspieler werden immer wieder als Kandidaten genannt. Aber vielleicht kommt ja doch alles ganz anders. Ian Fleming schwebte ja jemand wie David Niven vor, charmant und gut aussehend.
Und eine Jane Bond?
Nein. Das passt gar nicht. Dann kann man auch gleich einen der gängigen Agentenfilme drehen. Eine Frau in der Rolle würde das Ganze auch ad absurdum führen. Ich weiß nicht, ob ich dann ins Kino gehen würde. Das mit der weiblichen Chefin fand ich besser. Da konnte man was draus machen.
Bleibt nur noch eine Frage: Geschüttelt oder gerührt?
(lacht) Ich muss gestehen, ich habe den berühmten Martini noch nie getrunken. Auch deshalb freue ich mich auf die Veranstaltung in Schifferstadt. Da habe ich noch Nachholbedarf.
Zur Sache
Lizenz zum Schmausen
Angekündigt ist der Vortrag von Anja Pohsner (55) als „Abend für James Bond“. Die Musikwissenschaftlerin (Studium in Heidelberg) und Germanistin aus Speyer beschäftigt sich nach eigenen Angaben am 29. September von 17.30 bis 22 Uhr im Salischen Hof in Schifferstadt mit dem berühmtesten Agenten der Filmgeschichte sowie seinem Erfinder Ian Fleming. Angekündigt sind humorige Informationen rund um den 007-Kult, Schmankerl und Kuriositäten rund um Bond, die Filme sowie die Bücher.
Dazu serviert das Team des Salischen Hofs um Chef Karsten Möller Gerichte aus diversen Bond-Filmen. So gibt es als Vorspeise Eier Benedict mit Sauce Hollandaise aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“ mit Roger Moore und Christopher Lee. Als Hauptgang wird Tournedo vom Rind mit grünem Gemüse und Kartoffelbeilage aus „Diamantenfieber“ mit Sean Connery serviert. Als Nachtisch erwartet die Besucher Pflaume Sliwowitz, weiße Schokolade und Goldglitter aus „Liebesgrüße aus Moskau“, ebenfalls mit Sean Connery. Und selbstverständlich darf auch der berühmteste Film-Drink aller Zeiten nicht fehlen. Den Wodka Martini mit Zitronenschale gibt’s als Aperitif – geschüttelt, nicht gerührt. Der Preis pro Person beträgt 57 Euro. Einen Dresscode gibt es nicht. Anmeldungen sind noch möglich bis 22. September bei der Volkshochschule in Schifferstadt, entweder im Internet unter www.vhs-rpk.de oder unter der Telefonnummer 06235 44593 (vormittags). Laut Veranstalter müssen sich mindestens 24 Bond-Fans anmelden.