Rhein-Pfalz-Kreis: RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: „Alle hoffen auf Ruhe und Ordnung“

Besuch aus Burkina Faso im Jahr 2018 im Waldkindergarten der Stadt Schifferstadt. Clarissa Kantiono erzählt von Burkina Faso und
Besuch aus Burkina Faso im Jahr 2018 im Waldkindergarten der Stadt Schifferstadt. Clarissa Kantiono erzählt von Burkina Faso und singt Lieder ihrer Heimat für die Kinder der Kita am Wald.

Der Freundeskreis Burkina Faso hat engen Kontakt zum Hilfezentrum Oasis im afrikanischen Koudougou. Dort gab es einen Militärputsch. Gereon Hoffmann spricht darüber mit dem Vorsitzenden Gerhart Schackert aus Schifferstadt.

Herr Schackert, wo ist das Hilfezentrum angesiedelt? Gab es in der Region auch terroristische Anschläge?
Das Centre Oasis befindet sich in Koudougou, der drittgrößten Stadt in Burkina Faso mit 180.000 Einwohnern. Die Region Zentral/West ist bisher von Terror-Anschlägen verschont geblieben. Die Gefahrenlage ist nach dem Militärputsch am 23. Januar unverändert. Es ist ruhig, wenngleich die Menschen durch die instabile Lage im Land verunsichert sind. Die meisten Anschläge fanden im Norden des Landes an der Grenze zu Mali statt, dort sind zahlreiche Dörfer verlassen. Letztes Jahr hat Clarisse Flüchtlinge aus diesen Regionen aufgenommen. Seit Beginn der Terrorattacken hat sich das gefährdete Gebiet allerdings vergrößert.

Wie viele Menschen halten sich dort auf?
Im Centre wohnen momentan 47 Menschen. Es sind zehn alte Menschen und einige Frauen mit kleinen Kindern und Waisenkinder plus sechs Personen, die dort arbeiten. Es gibt sechs kleine Häuser für alte Menschen, die aus ihren Dörfern verstoßen wurden. Es gibt in Burkina Faso kein staatliches Sozialsystem, daher müssen private Initiativen hier einspringen. Genauso ist es für Mütter mit ihren unterernährten Babys. Auch sie finden im Centre Oasis Hilfe in einer „Aufpäppelstation“, genannt ,Cren’: Hier leben die Frauen mit ihren Babys, bis sie wieder in ihre Dörfer zurückkehren können.

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Wie ist die Versorgungslage – hat sich durch den Putsch etwas geändert?
Die Versorgungslage war schon vor dem Putsch sehr angespannt, weil es große Ernteausfälle durch zu wenig Regen gab. Der Klimawandel macht sich hier schon seit Jahren stark bemerkbar.

Werden die Hilfseinrichtungen geschützt?
Das Centre Oasis wird regelmäßig von der Polizei besucht, um festzustellen, ob alles in Ordnung ist. Die Einrichtungen sind von einer hohen Mauer umgeben und mögliche Eindringlinge können nicht so leicht auf das Gelände kommen. Es gibt auch einen Nachtwächter.

Wie ist dort die Stimmung? Laut Medienberichten wird der Putsch von Teilen der Bevölkerung als notwendig angesehen.
Die Stimmung hat sich nach einer Woche beruhigt. Koudougou war nicht direkt vom Putsch betroffen. Der fand überwiegend in der Hauptstadt Ouagadougou und Umgebung, insbesondere in den Kasernen, statt. Die Bevölkerung und auch die Soldaten waren besorgt wegen der zunehmenden Terrorangriffe und unzufrieden mit dem erneut gewählten Präsidenten, da sich die Sicherheitslage nicht, wie versprochen, gebessert hat. Auf der anderen Seite ist vielen Menschen bewusst, dass der Präsident demokratisch gewählt wurde, und Burkina Faso ist sehr stolz auf diese Demokratie. Die Putschisten haben eine Rückkehr zur Demokratie versprochen und alle hoffen, dass schnell wieder Ordnung und Ruhe einkehrt.

Wie steht es um die Sicherheitslage – vor dem Putsch und jetzt aktuell?
Momentan gibt es noch keine feststellbaren Änderungen und es bleibt zu hoffen, dass dieses derzeitige Machtvakuum nicht für neue Anschläge sorgen wird.

Ist das Projekt Centre Oasis christlich geprägt? Könnte das ein Ziel für islamistische Extremisten sein?
Clarisse und ihr italienischer Mann Enzo, der Gründer und Betreiber des Sozialzentrums Centre Oasis, haben einen christlichen Hintergrund. Die Arbeit des Centre ist nicht an Religionen gebunden. Alle Hilfsangebote stehen für alle Menschen offen. Generell ist das Miteinander der Religionen und Ethnien in Burkina Faso friedlich und von Toleranz geprägt. Religiöse Feste werden gemeinsam gefeiert und feindliche Angriffe innerhalb des Landes gab es bisher nicht. Die Terrorangriffe werden vom Ausland ins Land gebracht.

Woran mangelt es derzeit – und langfristig?
Da Burkina Faso in der Vergangenheit stark unter Dürre und Missernten litt, ist die prekäre Versorgungslage immer wieder das Hauptthema. Es mangelt dort vor allem an Nahrungsmitteln, Wasser und an medizinischer Versorgung. Bildungsmäßig ist das Land am Aufholen, aber auch hier ist noch viel zu tun. Und wir versuchen, das zu unterstützen.

Was können wir von hier aus tun, um zu helfen?
Die Arbeit des Centre Oasis und des Freundeskreises Burkina Faso Schifferstadt ist auf Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe angelegt. So wird die Schule noch immer mit Ausstattung gefördert. Hier helfen auch Patenschaften, 80 Prozent der Patenkinder des Freundeskreises sind Schulkinder. Der Aufbau einer Geburtsstation soll langfristig Frauen Zugang zu medizinischer Hilfe vor, während und nach der Geburt geben und Möglichkeiten der Familienplanung aufzeigen. Auch bei Naturalspenden wird darauf geachtet, dass notleidende Dörfer mit Saatgut, Mangobaumpflanzen, Ziegen und Hühnern sich ihre eigene Existenz sichern können und langfristig unabhängig werden. Jede finanzielle Unterstützung aus Deutschland wird für Projekte eingesetzt, die den notleidenden Menschen nicht nur Soforthilfe geben, sondern auf Langfristigkeit ausgelegt sind.

Zur Sache: Das Land und seine Helfer

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es liegt in Westafrika am Rand der Sahelzone. Das Land war französische Kolonie und wurde 1960 unabhängig. Bis dahin hieß es Obervolta. Das Land hat rund 20 Millionen Einwohner, drei Viertel sind Analphabeten. Dürre führt immer wieder zu Hungersnöten. Am 23. Januar 2022 putschte das Militär und stürzte den wiedergewählten Präsidenten Roch Marc Kaboré. Er hatte für seine Wiederwahl versprochen, stärker islamistische Terroristen zu bekämpfen, die immer öfter aus Nachbarländern wie Mali eindringen und Anschläge verüben. Das ist ihm nicht gelungen.

2005 waren Jugendliche aus Burkina Faso zum Weltjugendtag in Köln unterwegs und machten in Schifferstadt Station. So entstanden persönliche Kontakte. Clarisse Kantiono hat mit ihrem Mann Enzo das Hilfezentrum aufgebaut, das der Freundeskreis Burkina Faso unterstützt. Der Freundeskreis hat laut Schackert bundesweit rund 500 Unterstützer, der Großteil in Schifferstadt und im Rhein-Pfalz-Kreis. Seit 2010 gibt es über 200 Patenschaften für Kinder, aber auch alte Frauen, die mit Nahrung und Medikamenten versorgt werden. Aktuell helfe der Verein, eine Geburtsstation aufzubauen und zwei Hebammen auszubilden. Fünf Trinkwasserbrunnen wurden gebaut. Clarissa Kantiono hat Schifferstadt mehrfach besucht und berichtet über die Lage und den Einsatz der Spenden. Informationen gibt es unter www.burkinafasoreise.wordpress.com. Oder bei Gerhard Schackert (Telefon 0160 96250806, E-Mail: info@msc-new-energy.com). Spendenkonto: Kirchenstiftung Hl. Edith Stein, Verwendungszweck: Burkina Faso, IBAN: DE95 5455 0010 0190 0821 15.

Gerhard Schackert
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