Rhein-Pfalz Kreis Interesse am Gewerbegebiet
«Rödersheim-Gronau.» Diese faustdicke Überraschung hat sich Ortsbürgermeister Karl Arnold (parteilos) bis zum Ende der jüngsten Ratssitzung aufgehoben. Erst unter dem Punkt „Unterrichtungen“ teilte er dem Gremium mit, dass es einen Interessenten für das Gewerbegebiet „Östlich der Assenheimer Straße“ gibt und schon ein erstes Gespräch im Rathaus der Verbandsgemeinde in Dannstadt-Schauernheim stattgefunden hat. Dabei habe Thomas Pfirrmann von der gleichnamigen Unternehmensgruppe aus Karlsruhe ihm, Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU), Bauabteilungsleiter Bernd Ziegler und Abwasserwerksleiter Horst Renner seine Vorstellungen erläutert. Die sehen vereinfacht formuliert so aus: Pfirrmann möchte das komplette, drei Hektar große Gewerbegebiet von der Ortsgemeinde erwerben und erschließen, um hinterher die dortigen Bauplätze zu verkaufen. „Über die nötigen Geräte und die Ausstattung für die Erschließung verfügt er“, sagte Arnold auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Dafür arbeite der Investor mit der Strabag AG/Köln zusammen, einem Straßenbauunternehmen. Der Kommune würde beim Verkauf der Baugrundstücke aber ein Mitspracherecht eingeräumt, betonte der Ortsbürgermeister. Eine Einigung mit dem Interessenten böte für Rödersheim-Gronau manchen Vorteil. Die hoch verschuldete Ortsgemeinde hat nämlich viel in das geplante Gewerbegebiet investiert und zahlt aufgrund laufender Kosten immer weiter, ohne dafür auf der anderen Seite in absehbarer Zeit etwas einzunehmen. Das würde sich erst mit dem Verkauf von Gewerbeflächen ändern. Doch der Weg dahin gestaltete sich bislang wegen der schlechten Finanzlage schwierig. Komplett erschließen darf die Ortsgemeinde das Areal zum Beispiel nicht. Das hat ihr die Kommunalaufsicht verboten. Und selbst einer Teilerschließung wird die Aufsichtsbehörde in Ludwigshafen nur zustimmen, wenn ein Kaufvertrag mit einem Bauherrn vorliegt. Das ist zuletzt im Fall einer anderen Interessentin an den Kosten für die Auffüllung eines Grundstücks gescheitert. Auch dieses Auffüllen würde die Unternehmensgruppe Pfirrmann selbst und auf eigene Kosten übernehmen. Die Unternehmensgruppe geht davon aus, dass der Verkauf der Bauplätze und der Erlös aus dem Bodenmanagement mehr Geld abwirft, als der Kauf und die Erschließung des Gewerbegebiets kosten. Damit wäre Rödersheim-Gronau eine andauernde finanzielle Belastung los, würde einen Teil der Investitionen zurückerhalten und müsste sich nicht mehr um die Vermarktung kümmern. Doch zunächst einmal möchte die Kommune sich Referenzen über ähnliche Vorhaben in anderen Städten und Gemeinden vorlegen lassen. „Außerdem müsste das alles auch mit den übergeordneten Behörden besprochen werden, es wäre über den Verkaufspreis zu verhandeln und vieles mehr. Da gibt es noch vieles zu klären“, sagt Arnold. Deswegen soll parallel zu den Verhandlungen mit dem Interessenten die Planung für die Teilerschließung mit einem Antrag an die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt vorangetrieben werden. „Allein das wird voraussichtlich ein halbes Jahr dauern“, schätzt er. Unabhängig davon hat Pfirrmann Arnold zufolge bereits das Gelände der ehemaligen Wäscherei Hörner im Ortsteil Rödersheim vom Insolvenzverwalter erworben. In Abstimmung mit der Kreisverwaltung in Ludwigshafen und der SGD in Neustadt solle das Areal nun zunächst auf Altlasten untersucht und gegebenenfalls entgiftet werden. Die vorhandenen Gebäude wolle der neue Besitzer abreißen und durch Wohnhäuser mit zwölf bis 14 Wohnungen ersetzen. Dafür müsse vorher selbstverständlich ein Vorhaben- und Erschließungsplan erstellt werden, sagte der Ortsbürgermeister.