Rhein-Pfalz Kreis Innenstadt lebenswert erhalten

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Schifferstadt. Jetzt wird’s ernst. Zwar hat der neue Ausschuss Projekt Soziale Stadt noch nichts entschieden, historisch ist die erste Begehung und Sitzung aber schon gewesen. Das Fachbüro Rittmannsperger stellte am Freitag erstmals das Integrierte Handlungskonzept (IHK) für das Städtebauförderprogramm Soziale Stadt vor. Es beschreibt, was in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten mit Fördergeldern erreicht werden kann. Immer mit dem Ziel, die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern.

Die meisten Schifferstadter sind stolz auf ihre Stadt. Doch: „Das geht besser“, um Ulrike Hesse zu zitieren. Die Architektin hat beim Büro Rittmannsperger die Federführung für das Projekt und führte die Ausschussmitglieder an die neuralgischen Punkte ihrer Stadt. Jener Satz fiel auf dem Bahnhofsvorplatz. Und dass der – gelinde gesagt – nicht Schifferstadts Schokoladenseite ist, musste sie dem Gremium nicht erst glaubhaft machen. Ein über 40 Jahre alter Betonklotz, davor Asphalt und ein paar Bäume – kein repräsentatives Entree für die einzige Stadt im Rhein-Pfalz-Kreis. Hesse sah dennoch Potenzial. Ein schönerer Bahnhofsvorplatz war auch der Wunsch vieler Bürger bei den Workshops im Vorfeld. Doch die Architektin bremste Euphorie: „Dieses Projekt würde eines der langwierigsten werden, denn Besitzer und damit Verhandlungspartner ist die Deutsche Bahn.“ Und die denke in größeren Zeitdimensionen. Aus diesem Grund empfahl sie, so schnell wie möglich bei dem Unternehmen einen Sanierungswunsch vorzutragen. Was noch so alles verbesserungswürdig ist, zeigte Hesse auch am Bolzplatz an den Bleichwiesen und in der Alleestraße – zwei Bereiche, die der Rehbach durchfließt. Der desolate Sportplatz mit verloren wirkenden Spielgeräten ist einer der wenigen im dicht besiedelten Gebiet nahe der Innenstadt, darum wäre laut Hesse eine Sanierung sehr wichtig. Im Zusammenspiel mit einer etwaigen Renaturierung und Aufwertung der Ufer des Rehbachs könnte der Bereich als Erholungsraum genutzt werden. Gleiches gilt für die Alleestraße. Die Architektin ließ ein Bild herumgehen, dass den Uferbereich der wieder zutage geförderten Isenach in Bad Dürkheim zeigt: ein Fußweg, Bänke und Grün direkt am Bächlein. Der Vergleich: In der Alleestraße ist das Wasser in einem Betonkanal eingelassen, das Ufer unzugänglich. Hesses Vision: Eine grüne Verbindung von der Alleestraße am Rehbach entlang bis zu den Bleichwiesen und dann Richtung Innenstadt. Überhaupt fehlen im Innenstadtbereich grüne Oasen. Eine könnte die Wiese am „Weißen Kreuz“ sein, ein weiterer Anlaufpunkt des Ausschusses. „Vorsicht Tretminen!“, warnte die Architektin. Mehr musste sie nicht sagen, denn die recht großzügige Grünfläche ist wohl Schifferstadts größtes innerstädtisches Hundeklo. Potenzial – ein Wort, das am Nachmittag oft fiel – hat auch der Stadtfriedhof, der ab 2020 nicht mehr als solcher genutzt wird. Potenzial, weil dieser die größte Grünfläche in der Innenstadt ist. Das war dem Gremium nicht neu, aber Hesse „träumte“ schon ein bisschen weiter und sprach von einem Stadtpark mit kleinen Veranstaltungsflächen. Alles ist möglich. Doch vor der Praxis kommt die Theorie, denn zurück im Ratssaal versuchten sich Hesse und ihr Kollege Michael Meyer an einer Kurzfassung des über 200 Seiten starken IHK. Analysen, Zahlen, Diagramme, Schlagworte auf bunten Balken waren auf der Leinwand zu sehen. Aufschlussreich waren die Analysen – etwa der Bevölkerungsstruktur und des Lebensraums im Fördergebiet, das wesentlich die Innenstadt umfasst. Demnach gibt es im Fördergebiet einen in den vergangenen Jahren stetig angestiegenen, hohen Ausländeranteil von 23 Prozent. In der gesamten Stadt beträgt er 13,3 Prozent. Hinzu kommt, dass mehr Schifferstadter (33,9 Prozent) keinen Berufsabschluss haben als im Kreisdurchschnitt (26,7 Prozent). Das Leben im Fördergebiet ist geprägt durch viel Verkehr, wenig Grün, dichte Bebauung und leerstehende Geschäfte. Zieht man dann noch hinzu, dass die Bevölkerung immer älter wird, ergeben sich viele Aufgaben für die Kommunen, damit der Innenstadtbereich lebenswert bleibt, stellte Hesse klar. Um die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen, empfiehlt das Konzept viele Projekte. Alle zusammen würden 16,29 Millionen Euro kosten, bis zu 75 Prozent könnten mit Fördermitteln finanziert werden. Die Gelegenheit sei günstig, denn „noch nie wurden Investitionen in die Soziale Stadt so gefördert“, meinte Hesse. In dieser Sitzung sollte aber noch keine Entscheidung fallen, erklärte Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne). Hesse stellte klar, dass es zwar ein Konzept sei, aber keine konkrete Planung. Auch sei es nach einem Beschluss nicht in Stein gemeißelt, „es kann fortgeschrieben werden“, sagte sie. Nur sollten neue Ideen ins IHK passen. Zum Beispiel müsse auch die empfohlene soziale Begegnungsstätte nicht zwingend bedeuten, dass diese im ehemaligen Ochsen entsteht. Die Ausschussmitglieder sollen nun in ihren Fraktionen beraten. In der nächsten Sitzung am 8. März – also nach dem Bürgerentscheid über die Ochse-Sanierung – soll ein Beschlussvorschlag für den Stadtrat verfasst werden.

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