Schifferstadt
In die Röhre schieben: Immer das passende Kraut
„In meinem früheren Leben muss ich mal Kräuterhexe gewesen sein“, sagt Petra Faber lachend. Schon als Kind war sie begeistert von den Schätzen der Natur, die die Tante ihr auf den Spaziergängen durch den Pfälzerwald zeigte und erklärte. Lange Zeit schlummerte dieses Wissen ihr ihr, bis Petra Faber vor einigen Jahren wieder buchstäblich auf den Geschmack gekommen ist. Die Corona-Pandemie hat ihrer Experimentierfreude mit Pflanzen aber noch einmal einen Schubs gegeben.
Die Schifferstadterin erinnert sich noch gut an vergangenes Jahr, an die Zeit der Hamsterkäufe. Ihre Tochter wollte im Supermarkt eine Dose Tomaten kaufen, aber die Regale waren leer gefegt. „Meine Tochter war schockiert, aber ich habe mir gedacht: Ich werde diesen Sommer nicht verhungern, ich weiß wo Pflanzen wachsen.“ Und welche Pflanzen gut schmecken. Denn die 52-Jährige blättert gerne in Büchern über Kräuter oder recherchiert im Internet. Immer wieder landet das, was andere gerne als Unkraut bezeichnen, bei ihr in der Küche, oder etwas vornehmer ausgedrückt: die Natur hat Einzug gehalten in der Küche.
Man kann so gut damit experimentieren
Allerdings ist Kochen nicht wirklich eine von Petra Fabers großen Leidenschaften, Experimentieren dafür umso mehr. Das komme von ihrem Beruf als Chemietechnikerin in der Forschung, erklärt sie. Und Pflanzen schmecken nicht nur gut, mit ihnen kann man auch gut experimentieren. Etwa vor Ostern, wenn das Eierfärben ansteht. Da hält Mutter Natur ja auch einiges bereit: Kurkuma oder Rotkraut etwa.
Zurück zu den Leckereien aus der Natur: Eines ihrer Lieblingskräuter wächst gerade in einer Ecke in ihrem Garten. Vor einigen Jahren hat Petra Faber da eine Bärlauchpflanze gesetzt, und die scheint sich wohlzufühlen. Kleingeschnitten mit Butter und etwas Salz zerdrückt, landen die Blätter derzeit allabendlich auf dem Brot. Auch Bärlauchpesto oder -spätzle gibt es im Moment. Die Gänseblümchen und das Schaumkraut auf dem längst in eine Blumenwiese verwandelten Rasen landen im Salat oder auf dem Butterbrot. Aus Brennnesseln kocht sie Spinat. Im Herbst erntet sie die winzigen Samen, die sie übers Müsli streut.
Hollerküchle sind das absolute Lieblingsrezept
Bis Petra Fabers absolute Lieblingspflanze blüht, dauert es noch ein paar Wochen. „Dieser wunderbare Duft“, schwärmt sie, „einen blühenden Holunderstrauch rieche ich schon aus 50 Metern Entfernung.“ Holunder habe sie schon immer gerne gehabt. Sie kann sich noch erinnern, wie sie als kleines Mädchen aus den Blütendolden Röcke für Puppen gebastelt hat. Heute kocht sie Gelee daraus, das es immer sonntags zum Frühstück gibt, oder bereitet Holunderblütensirup zu, der an heißen Tagen gemischt mit kaltem Mineralwasser herrlich erfrischt. Ihr absolutes Lieblingsrezept sind aber Hollerküchle, in Teig ausgebackene Holunderblüten mit Puderzucker bestreut.
Nur mit den reifen Holunderbeeren im Herbst steht Petra Faber ein bisschen auf Kriegsfuß. Zum einen mag sie den Geschmack nicht sonderlich, zum anderen steht vor dem Haus ihrer Eltern ein Holunderbusch und die herabfallenden Beeren auf ihrem darunter geparkten weißen Auto waren kein Vergnügen. Denn im Gegensatz zu den Eiern war es nicht geplant, das Auto zu färben. Doch Petra Faber hat sich schon vorgenommen, im Herbst die Holunderbeeren zu sammeln und zu trocknen und damit nächstes Jahr vielleicht wirklich mal einen Eierfärbeversuch zu machen.
