Rhein-Pfalz Kreis In die Luft gejagt
«Dannstadt-Schauernheim.»Das sieht ziemlich heavy aus“, sagt Thomas Gleßner. Der Pressesprecher der VR-Bank Rhein-Neckar kennt das Ausmaß der Geldautomaten-Sprengung in der Dannstadter Hauptstraße nur von Bildern. „Es muss eine ordentliche Sprengkraft gewesen sein. Der Schaden am Gebäude scheint erheblich zu sein.“ Im Inneren der Filiale ist nicht nur der Geldautomat im Vorraum zerstört. Die Scheibe einer Zwischentür ist geborsten. Im Geschäftsraum habe es die Computer von den Schreibtischen geschmissen, erzählt Gleßner. Die Filiale bleibe vorerst geschlossen. Kunden müssen auf umliegende Ortschaften ausweichen. Gegen 1.45 Uhr wurde der Geldautomat der VR-Bank in die Luft gejagt. Verletzt wurde niemand. Drei Männer zwischen 40 und 56 Jahren haben den Vorfall mitbekommen, berichtet Hannah Michel von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Daher weiß die Polizei, dass die bislang unbekannten Täter mit einem hochmotorisierten, anthrazitfarbenen Mercedes-Benz-Kombi geflohen sind. Wohin, ist bislang unklar. Die Fahndung läuft und Beamte der Kriminalpolizei werten Spuren aus. Die VR-Bank ist im Rhein-Pfalz-Kreis nicht zum ersten Mal betroffen. Ende Dezember 2017 hat es in der Filiale in der Speyerer Straße in Limburgerhof geknallt. Vermutlich fehlte es den Tätern an Geschick. Denn der Geldautomat fing Feuer, die erhoffte Beute verbrannte. Der Schaden: gut 20.000 Euro. Bereits zwei Jahre vorher war die Filiale in Neuhofen Ziel einer Sprengerbande. Auch dort gingen die Täter leer aus. Anders sah das im Oktober 2017 in Mutterstadt bei der Sparda-Bank aus. Dort erbeuteten Automatensprenger einen sechsstelligen Geldbetrag. Beschädigt wurde damals nicht nur der Automat, sondern der komplette Vorraum der Filiale im Pfalzring. Kriminelle versuchen immer häufiger durch Automatensprengungen an Geld zu kommen. Dannstadt ist der neunte Fall in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz – darunter drei in der Südpfalz. 2018 waren es laut Landeskriminalamt 26. „Die Taten werden hauptsächlich von gut organisierten und professionell agierenden Gruppen aus dem Ausland begangen“, heißt es aus Mainz. „Jedoch konnten auch schon Nachahmungstäter festgestellt werden.“ Wer in Dannstadt am Werk war – noch unklar. Die Ermittlungen werden für Rheinland-Pfalz in der Regel zentral beim Polizeipräsidium Mainz geführt, die landesweite Lagearbeit und die Analyse des Phänomens erfolgt durch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Und das kann für 2018 vier Ermittlungserfolge verzeichnen. Darunter einen Coup im August. Eine niederländische Spezialeinheit konnte vier Männer zwischen 25 und 31 Jahren festnehmen, die unter anderem für Sprengungen in Rheinland-Pfalz verantwortlich sein sollen. Sie sollen einer großen Kriminellengruppe aus den Niederlanden angehören. Im April 2018 konnte das LKA Baden-Württemberg in Kirchheimbolanden (Donnersbergkreis) fünf Männer zwischen 32 und 41 Jahren festnehmen – vier davon, als sie versuchten, in eine Bankfiliale einzudringen. Sie gehörten einer polnischen Verbrechergruppe an. Noch sind im Dannstadter Fall viele Fragen offen: Wie genau sind die Täter vorgegangen? War wirklich wieder Gas im Spiel? Denn meist arbeiten die Sprenger mit einem speziellen Gasgemisch, um die Automaten zu öffnen. Es wird über eine kleine Lücke in die Maschine geleitet. Eigentlich eine diffizile Sache. Denn die Menge an Gas muss stimmen, damit überhaupt etwas passiert und nicht gleich ein ganzes Haus in die Luft fliegt. Haben die Täter in Dannstadt also unsauber gearbeitet? Denn beschädigt wurde ja mehr als nur der Automat. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz konnte das gestern noch nicht beantworten. Auch die Schadenshöhe muss ein Sachverständiger noch schätzen, teilt die Polizei auf Nachfrage mit. Und die Beute, ja, die gibt es, so viel ist sicher. Nur wie hoch die ist, da hält sich die Polizei noch bedeckt.