Bobenheim-Roxheim
Impfaktion soll Geflüchtete erreichen
Beiratsvorsitzende Andrea Hettmannsperger ist dankbar, dass die Ärztin Vanessa Röger von der Praxis Gabriele Kreuzer die Aktion unkompliziert ermöglicht hat. Denn wer weiß, wann die in Bobenheim-Roxheim in Gemeinschaftsunterkünften lebenden geflüchteten Menschen sich selbst um eine Impfung gekümmert hätten. Hettmannsperger, die auch in führender Rolle im Sozialverein Kunterbunt viel mit Migranten zu tun hat, war aufgefallen, dass kaum einer der Geflüchteten erzählte, er habe sich impfen lassen, obwohl doch seit der Freigabe der Priorisierungsgruppe drei schon viele einen Impfschutz gegen das Coronavirus bekommen können.
Registrierung hat sprachliche Tücken
„So kam die Idee auf, diesen Menschen anzubieten, für sie die Registrierung zu übernehmen“, berichtet Hettmannsperger. Denn das Prozedere für einen Termin im Landesimpfzentrum ist für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen nicht einfach zu bewältigen, und hinkommen muss man ja auch noch. Das spontane Angebot der Praxis Kreuzer lautete dann, alle Impfwilligen aus den Gemeinschaftsunterkünften, auch wenn sie keine Patienten sind, wahlweise mit dem Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson oder Biontech/Pfizer zu impfen.
Also marschierten Andrea Hettmannsperger und ihr Beiratskollege Housen Gauer mit Impfinformationen in sämtlichen Sprachen in die Unterkünfte, machten das Impfangebot der örtlichen Praxis bekannt und beantworteten Fragen. „Manche sagten spontan zu, andere mussten noch überlegen, und es gab natürlich auch einige Absagen“, berichtet die Beiratsvorsitzende. „Es war erschreckend, wie wenig informiert die meisten waren und wie groß die Angst vor der Impfung ist. Es gibt Länder, aus denen niemand zur Impfung bewegt werden konnte.“
Erste Impfungen bereits erfolgt
Vanessa Röger nennt als großen Vorteil den Impfstoff von Johnson & Johnson, denn um den gespritzt zu bekommen, müssen die Migranten nur einmal in die Praxis kommen und nicht zweimal wie etwa bei Astrazeneca oder Biontech. „Viele haben sich deshalb für Johnson & Johnson entschieden“, sagt sie. Bei der Aufklärung der Impflinge hätten die Informationen auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts geholfen, die es dort in allen Sprachen gibt.
Die ersten 25 Impfungen fanden laut Hettmannsperger ab 23. Juni statt, zwölf stünden für diese Woche an. „Wir haben die Hoffnung, dass noch weitere nachziehen.“ Ärztin Röger und ihr Praxisteam seien bereit, auch Geflüchtete außerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte zu impfen, diese würden über den Messengerdienst Whatsapp informiert.