Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Immer unterwegs: So lebt es sich in einer Zirkusfamilie

Artistik gehört beim Zirkus Baruk dazu: hier Jessica beim Seiltanz.
Artistik gehört beim Zirkus Baruk dazu: hier Jessica beim Seiltanz.

Der Familienzirkus Baruk gastiert noch bis Sonntag in Bobenheim-Roxheim. Die Betreiber haben der RHEINPFALZ einen Einblick in eine Welt gewährt, die fasziniert, aber den meisten wohl fremd bleiben wird.

Viele kennen Zirkus von einem Besuch in der Kindheit. Erinnerungen an Artisten, den Geruch von Sägespänen und Popcorn sind meist noch lebhaft. Dazu erklang fröhliche Musik, und es traten Tiere sowie Künstler in glitzernden Kostümen auf. Die Spannung, bevor der Vorhang endlich aufging, stieg spürbar an.

So ergeht es auch einer Zuschauerin, die mit ihrem Enkel bei einer Vorstellung des Circus Baruk in der Loge Platz genommen hat: „Das letzte Mal war ich im Zirkus, als dein Vater so klein war wie du jetzt.“ Die Zuschauerin kann an ihre Erinnerung anknüpfen: Denn der Baruk bietet bewusst den klassischen Familienzirkus mit Clownerie, Jonglage, Artistik, Seiltanz, Tieren und wunderschönen glitzernden Kostümen sowie Musik.

Besuch von Artistenschule und Gesangsausbildung

Es ist ein Familienbetrieb in der achten Generation. Das heißt, beide Elternteile stammen aus Zirkusfamilien, reisen mit ihren Kindern, die ihrerseits zum Teil bereits verheiratet und selbst Eltern sind. Das Wissen, das man braucht, um ein Programm zu bestreiten, wird von Generation zu Generation weitergegeben. Da es eine lebendige Tradition ist, werden zudem zeitgenössische Elemente aufgenommen, und man tauscht sich mit anderen aus, die im gleichen Metier tätig sind. Zudem hat die heutige Generation andere Bildungschancen: Zwei der „Kinder“ besuchten zusätzlich die Artistenschule in Berlin, ein Sohn möchte der Artistik eine Gesangskarriere anfügen, er bildet sich bei internationalen Coaches weiter. Zu den Enkeln kommt der „Schulwagen“, damit eine kontinuierliche Schulbildung gewährleistet ist, was für Reisende ohne diese Möglichkeit schwierig ist.

Dennoch spielen die Tradition und die Weitergabe des Wissens weiterhin eine wichtige Rolle: Manuela Baruk erzählt, dass sie selbst Seiltänzerin gewesen sei, mit Mitte dreißig aufgehört habe, wobei dann aber bereits ihre Tochter Jessica mit zwölf so weit war, selbst auftreten zu können. Das habe sie mit Stolz erfüllt. Früh trainiert auch schon die vierjährige Lou-Jaine für ihren Auftritt: Sie hat ein eigenes Pony. Beim diesjährigen Weihnachtszirkus in Kaiserslautern möchte sie eine eigene Nummer vorführen. Man sieht den Glanz in ihren Augen, Motivation und Ehrgeiz.

Lebensphilosophie spiegelt sich in Gedichtzeilen

Manuela Baruk betont: „Wir machen nicht Zirkus, um zu leben, sondern leben für den Zirkus. Wo unser Zelt steht, ist unser Zuhause.“ Sie könne sich kein anderes Leben vorstellen. Dann zitiert sie ein Gedicht: „Wenn ein Orgellied von fern erklingt, kann uns nichts mehr halten. Uns geht’s grad wie den Alten: Wir reisen von Ort zu Ort, unser Heim ist hier und morgen dort.“

Corona sei für die ganze Familie deshalb schwierig gewesen. Der Applaus bei Auftritten und das Lachen der Kinder habe gefehlt, und vor allem seien sie noch nie so lange an einem Ort gewesen. Allerdings habe das Nomadenleben auch seine Schattenseiten, weil man bei jedem Wetter draußen sei, auch wenn es nass und kalt ist. Wer neu und ohne das zu kennen in die Zirkuswelt einsteige, gebe deshalb schnell auf.

Was viele zudem nicht sehen: Das Zirkusleben besteht nicht nur aus der Show, dem Auf- und Abbau der Zelte und dem Training, sondern auch aus Werbung, Organisation, Instandhaltung, Haushalt, Plätze suchen. Das werde immer schwieriger, sagt Manuela Baruk. Festplätze, die einem Zirkus zur Verfügung stehen, gebe es immer weniger. Außerdem achte ihre Familie darauf, dass der Veranstaltungsort ausreichend groß ist, um den Tieren große Offenställe bauen zu können, was natürlich mit Kosten verbunden sei.

Zirkus als Teil des deutschen Kulturerbes

Zirkus in seinen unterschiedlichen Formen gehört seit 2023 laut Unesco zum „Immateriellen Kulturerbe in Deutschland“, und zwar als eine Form der Darstellenden Kunst. Die Darbietungen seien das „Ergebnis eines kreativen Prozesses“ der Elemente anderer Kunstbereiche wie Theater, Tanz, Musik, Sport und Technik verbinde sowie spezielle Fähigkeiten und Equipment benötige. Im Laufe seiner 250-jährigen Geschichte habe sich der Zirkus stets gewandelt.

Termin

Der Circus Baruk gastiert bis 11. August in Bobenheim-Roxheim südlich der Einkaufsmärkte (Globus) an der Landstraße nach Frankenthal. Die letzten Vorstellungen sind am Freitag und Samstag um 17 Uhr sowie am Sonntag um 11 Uhr. Die Nummer des Kartentelefons lautet 0160 99070590.

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