Speyerer Umland
Immer mehr Bestattungen in Memoriam-Gärten
Bereits 2019 hat Waldsee einen Memoriam-Garten eröffnet, und auch in Harthausen gibt es seit einigen Jahren Memoriam-Inseln auf dem Friedhof. Das Interesse sei groß, sagt der Erste Beigeordnete Reinhard Burck (Grüne) über den neuen Memoriam-Garten auf dem Dudenhofener Friedhof. Am 8. Oktober habe es schon die erste Beisetzung dort gegeben.
Grundgedanke der Memoriam-Gärten ist, dass der Verstorbene auf einer parkartig angelegten Fläche bestattet wird, um die sich ein Gärtner kümmert. Interessant ist das Modell also vor allem für Familien, in denen sich die Angehörigen nicht um die Grabpflege kümmern können oder wollen. Sie zahlen für die gesamte Nutzungsdauer des Grabs einen Pauschalbetrag für die Pflege. Oft wird deshalb von einem „Rundum-Sorglos-Packet“ für die Hinterbliebenen gesprochen.
Die Ortsgemeinde Dudenhofen stellte der Genossenschaft der Friedhofsgärtner Rheinland-Pfalz eine Fläche von 420 Quadratmeter zum Anlegen eines Memoriam-Gartens zur Verfügung. Projekt-Koordinator war der Schifferstadter Gärtnermeister Claus Litz, der schon in anderen Gemeinden vergleichbare Anlagen angelegt hat. Auch in Dudenhofen gibt es nun einen kleinen Park, mit einer geschwungenen Wegführung innerhalb des Friedhofs. Rund um eine Baumgruppe werden die verschiedenen Grabarten – sowohl Urnen- als auch Erdgräber – angeordnet. Jeder Verstorbene wird auf den Grabmalen mit Namen und Lebensdaten genannt. Die Nutzungsdauer liegt je nach Grabart zwischen 15 und 30 Jahren, die Preise zwischen knapp 2500 und fast 13.000 Euro für die gesamte Zeit. Die Fläche ist mit insektenfreundlichen Stauden, Sträuchern, Bodendeckern und Kräutern bepflanzt. Außerdem werden noch Sitzgelegenheiten geschaffen. Die Gestaltung, Bepflanzung und Grabpflege werden von der Friedhofsgärtnerei Jochen Schumacher aus Römerberg übernommen.
Pfarrer Jens Henning, der den Memoriam-Garten zusammen mit seinem protestantischen Kollegen Volker Glaser und der Gemeindespitze bei einer von Silvia Körner musikalisch umrahmten Feier einweihte, sagt, er sehe den Trend zu Memoriam-Gärten realistisch: Es sei „eben ein Fakt, dass viele Kinder eben weiter weg wohnen und sich somit nicht mehr um die Grabpflege kümmern können oder aber nicht mehr die Zeit finden, das Grab jede Woche zu pflegen. Das ist eben so“, meint er. „Deshalb ist solch eine Möglichkeit des Memoriam-Gartens eine wunderbare Geschichte“, findet Henning.
Tradition verschwindet
Generell habe ein Grab auf dem Friedhof und dessen Pflege nicht mehr den Stellenwert wie früher. „Viele trauern und verarbeiten den Verlust privat. Sie brauchen kein Grab mehr, um zu dem Verstorbenen ,Kontakt’ zu halten“, hat der Pfarrer beobachtet.
Das sei einerseits schade, denn solche Erinnerungsorte helfen seiner Ansicht nach psychologisch, den Verlust zu verarbeiten, und es gehe auch eine Tradition verloren. „Friedhöfe sind auch Zeichen dafür, dass wir unsere Verstorbenen nicht vergessen und sie in unserer Mitte sind“, sagt er. Andererseits seien Aussagen wie jene, dass der Verstorbene nicht im Grab, sondern in den Herzen der Angehörigen und bei Gott sei, ja auch etwas sehr Christliches, findet er. „Immer mehr Menschen brauchen vielleicht diesen Ort nicht mehr.“
Noch weiter entfernt von christlicher Tradition sind die Friedwälder, von denen es auch einen in Dudenhofen gibt. Jens Henning lehnt diese Bestattungsform nicht ab, er sei gerne dort. Der Pfarrer findet aber auch, dass dort die Individualität des Menschen eher verloren gehe, als wenn die Angehörigen auf dem Friedhof vor einem Grab trauern können. „Eben dann auch mit der Möglichkeit, dieses Grab zu schmücken und verzieren mit Blumen und Kerzen und somit irgendwie noch für meine Verstorbenen sorgen zu können“, sagt er.
