Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Immer aufs Tempo achten: Verstärkte Polizeikontrollen im Rhein-Pfalz-Kreis

Kennzeichen anvisieren, abdrücken und schon ist die Zahl da. Philipp Kaliba kontrolliert in der Neuhofener Woogstraße die Geschw
Kennzeichen anvisieren, abdrücken und schon ist die Zahl da. Philipp Kaliba kontrolliert in der Neuhofener Woogstraße die Geschwindigkeit mit der Laserpistole. Im besten Fall ist das Auto nicht zu schnell. Foto: Lenz

Zu schnell unterwegs? Nebenbei noch das Handy checken? Keine gute Idee, sagt Polizeihauptkommissar Marc Klenk. Nicht nur, weil es den Autofahrer was kostet. Das Unfallrisiko steigt. Mit ihrer Verkehrssicherheitswoche will die Polizei Schifferstadt Menschen sensibilisieren, langfristig Unfälle reduzieren – und so Leben retten.

Ein kurzes Zeichen von der anderen Straßenseite. Philipp Kaliba beugt sich vor, legt den Zeigefinger auf und visiert an. Er drückt ab. 52 Kilometer pro Stunde. Die Fahrerin eines Kleinwagens ist definitiv zu schnell unterwegs. Seit zwei Jahren gilt in der Neuhofener Woogstraße Tempo 30, erzählt der Polizeikommissar. Eigentlich genug Zeit, sich daran gewöhnt zu haben, findet er. Und doch sind etliche Autofahrer zu schnell unterwegs. „Wir kontrollieren häufiger hier“, sagt Kaliba. „Der Rekord lag mal bei 73 Kilometer pro Stunde. Und das bei relativ feuchter Straße.“

Ganz so schnell war die Dame nicht. Polizeikommissarin Sina Large winkt sie trotzdem mit der Kelle zum nahegelegenen Anwohnerparkplatz in der Rehbachstraße. Abzüglich der Toleranz von drei Stundenkilometern war die Autofahrerin 19 Kilometer pro Stunde zu schnell. 35 Euro kostet sie das. „Viele lernen es nur, wenn es an den Geldbeutel geht“, sagt Uwe Stein, Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt. Leider. Denn überhöhte Geschwindigkeit sei oft der Grund für Unfälle – und die wollen die Polizisten auch mit der Verkehrssicherheitswoche, die seit Montag läuft, gezielt verhindern.

Fünf Unfalltote in diesem Jahr

„Wir hatten in diesem Jahr schon fünf Unfalltote“, berichtet Stein. Fünf zu viel. Eine Radfahrerin starb am Valentinstag bei einem Unfall im Schifferstadter Waldspitzweg. Eine 17-jährige Beifahrerin nach einem Unfall auf der K 13 zwischen Waldsee und Altrip. Ein Pedelec-Fahrer verlor sein Leben auf der L 524 bei Mutterstadt und zwei Motorradfahrer starben auf der L 532 zwischen Schifferstadt und Böhl-Iggelheim.

Ein Blick auf die Statistik der vergangenen fünf Jahre zeigt: Es ist der Spitzenwert. Vier Menschen kamen 2015 im Bereich der Polizeiinspektion Schifferstadt ums Leben, 2017 keiner. „Die Gesamtanzahl der Unfälle hat sich etwas erhöht“, sagt Polizeihauptkommissar Marc Klenk. Von 1928 im Jahr 2014 ist sie 2018 auf 2085 angestiegen. Aktuell verzeichnet die Schifferstadter Polizei 1872 Unfälle für 2019. Klenk rechnet damit, dass sich der Vorjahreswert wieder einstellen wird.

Gefahrenstellen entschärfen

„Positiv ist, dass trotz der Steigerung der Anzahl der Gesamtunfälle die Anzahl der Unfälle mit Verletzten gleich geblieben ist. Es sind meist 240 bis 250“, sagt Klenk. Die Menschen würden überwiegend leicht verletzt. Das kann auch mal nur ein Kratzer sein. „Von schwer verletzt sprechen wir, wenn jemand mindestens 24 Stunden stationär aufgenommen werden muss.“

Bei tödlichen Unfällen oder an Schwerpunktstellen schauen sich die Beamten vor Ort um, erklärt Klenk. „Wir prüfen, ob es individuelles Fehlverhalten war oder ob es eine bauliche Lösung gibt.“ Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Kreisverwaltung, des Landesbetriebs Mobilität und der Verbandsgemeinde Rheinauen sei nach dem tödlichen Unfall auf der K 13 beispielsweise beschlossen worden, das abgefahrene Bankett aufzuschütten. Weitere Aspekte wie eine Verbreiterung der Fahrbahn würden diskutiert.

Mit 69 durch die 30er-Zone

Die Kontrollen, sagt Klenk, seien ein zusätzlicher Schritt. „Unser oberstes Ziel ist es, Unfallfolgen zu reduzieren. Die Verkehrssicherheitswoche trägt ihren Teil dazu bei.“ Vier Mann sind von Montag bis Sonntag im Dienstgebiet unterwegs. Zusätzlich zu den regelmäßigen Laserkontrollen. 63 gab es in diesem Jahr – die Sonderwoche nicht mit eingerechnet. „Wir waren gestern schon in der Woogstraße“, sagt Philipp Kaliba. Der Schnellste war mit 69 Sachen unterwegs. Ein Fahranfänger. Und wohl nicht zum ersten Mal. 160 Euro kostet ihn das Vergehen. Plus zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot. „In der Regel fahren sie aber 40 oder 45, wenn sie zu schnell sind“, sagt Polizeikommissar Nicholas Minikus.

Neuhofen ist an diesem Morgen nicht die erste Station. „Wir waren schon an der Mandelgrabenschule in Mutterstadt“, sagt Anwärter Lukas Aye, der derzeit ein Praktikum in Schifferstadt macht und die Verstöße protokolliert. Später geht es weiter Richtung L 532, dorthin, wo die beiden Motorradfahrer tödlich verunglückt sind. „Dort ist es auch für uns gefährlicher“, sagt Kaliba. Eine Warnweste, wie Sina Large sie trägt, sei da unerlässlich. „Aber wir können das Gerät auch ohne Stativ nutzen und aufs Lenkrad legen.“

Handy am Steuer wird teuer

Neben der Geschwindigkeit werfen die Beamten einen Blick auf Gurt, Kindersicherung und elektronische Geräte. „Es reicht, das Handy in der Hand zu halten, man muss nicht telefonieren“, sagt Klenk. Für Autofahrer macht das 100 Euro und einen Punkt. Radfahrer zahlen 55 Euro. Denn auch sie kontrollieren die Polizisten in dieser Woche. Die Autofahrer fahren diesmal recht angemessen, sagt Kaliba. Vermutlich auch, weil die Laserpistole und die Beamten nicht ganz versteckt stehen. „Wir brauchen die gerade Strecke zum Messen und auch Platz zum Rausziehen.“ Die Dame im Kleinwagen verlässt derweil wieder den Parkplatz. Sina Large kommt grinsend zurück zu ihren Kollegen. „Ich habe auch noch eine gute Tat getan“, sagt sie. Das vierblättrige Kleeblatt, das die Frau im Fahrzeugschein aufbewahrt, sei bei der Kontrolle zu Boden gefallen. „Ich habe es gefunden.“ Vielleicht hilft es in Zukunft nicht nur beim Glück, sondern auch am Gaspedal.

Sina Large winkt die Fahrer raus, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.
Sina Large winkt die Fahrer raus, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Foto: Lenz
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