Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Immer auf der Hut – Wie sich ein Altriper Tankstellen-Betreiber gegen Betrüger wehrt

Markus Hofacker ist die Freude anzusehen. Er geht Telefonbetrügern nicht auf den Leim.
Markus Hofacker ist die Freude anzusehen. Er geht Telefonbetrügern nicht auf den Leim.

Markus Hofacker betreibt die Aral-Tankstelle in Altrip. Er hat einen Telefonbetrüger selbst veräppelt, denn dessen Masche kennt er schon lange. Damit andere Tankstellenbesitzer nicht auf derartige Betrugsversuche hereinfallen, erzählt er, wie die Sache abläuft.

Den Betrügern geht es um Gutschein-Codes. Also um Codes für beispielsweise Bezahldienste wie Google Play oder Paysafe – aber auch um Telefonkartenguthaben. Viele Tankstellen habe Geräte, mit denen Codes für solche Guthaben generiert werden können, an diese Codes möchten die Betrüger herankommen. „Es sind immer drei Anrufe“, hat Markus Hofacker beobachtet. Er betreibt die Aral-Tankstelle in Altrip und weiß, wie die Masche der Betrüger funktioniert.

In der Regel rufen die Betrüger dann an, wenn nicht viel los ist, in den Abendstunden oder am Wochenende, wenn Aushilfen an der Kasse sitzen. Sie geben sich als Mitarbeiter eines IT-Service-Unternehmens aus, erklären, dass sie ab morgen länger im Urlaub sind und heute noch routinemäßig das Gerät überprüfen möchten. „Sie fragen, ob der Geschäftsführer da ist und wenn man ja sagt, legen sie auf“, erklärt Hofacker.

Sie wollen seriös klingen

Weil er weiß, dass es die vermeintlichen IT-Experten immer wieder bei ihm probieren, hat er sich beim nächsten Betrugsversuch am Telefon als Mitarbeiter gemeldet und erklärt, der Chef sei leider nicht da. Daraufhin wird er nach dem Namen und der Handynummer seines Chefs gefragt. Hofacker nennt einen fiktiven Namen und eine erfundene Nummer. Fünf Minuten später der nächste Anruf des IT-Service-Mitarbeiters. Er habe mit dem Chef gesprochen und es sei ok, dass das Gerät überprüft wird. Um besonders seriös zu klingen, ermahnt der Betrüger Hofacker noch, dass der eigentlich nicht so einfach die Handynummer des Chefs herausgeben dürfe. Außerdem bekommt er eine Nummer genannt. Nur wenn der Service-Mitarbeiter, der demnächst anrufen werde, diese Nummer auch nennen kann, sei er der richtige. Es gebe ja so viele Betrüger. Hofacker stellt sich dumm, gibt sich zerknirscht.

Wenig später klingelt das Telefon zum dritten Mal. Nun ist die vermeintliche Service-Mitarbeiterin in der Leitung und die Abzocke kann beginnen. Hofacker solle doch bitte mal den Code für Google-Play-Guthaben von 100 Euro ausdrucken und vorlesen. Der liest einen fiktiven Code vor, nachdem er sich in der Vergangenheit schlau gemacht hat, wie diese Codes aussehen müssen. Die Service-Mitarbeiterin ist irritiert, denn der Code funktioniert nicht. Ein Komplize hat im Hintergrund wohl versucht, ihn einzulösen. Sie bittet um Wiederholung.

Die Betrügerin ist stinksauer

Natürlich klappt es auch beim zweiten Mal nicht. Das könne nicht sein, sagt die Anruferin. Doch, entgegnet Hofacker, diese neuen Codes gibt es erst seit zwei Tagen. Nun soll Hofacker einen Paysafe-Code für 100 Euro nennen. Er nennt wieder einen. Die Dame wird ungehalten: Das könne nicht sein, diese Codes beginnen alle mit einer Null, erklärt sie noch und fragt, was er da gerade mache. Darauf Hofacker: „Ich habe Sie verarscht, so wie Sie mich. Und jetzt sind Sie auf meinem Youtube-Kanal.“ Darauf sagt die Anruferin stinksauer: „Du bist so dumm, Alter.“

Hofacker lacht sich ins Fäustchen und freut sich schon auf den nächsten Anrufer mit dieser Masche, zumal er gar kein solches Gerät zum Erzeugen dieser Codes besitzt. Doch dann wird er ernst: „Die machen das so professionell, dass Aushilfen da wirklich drauf reinfallen. Ich kenne Kollegen, denen das passiert ist.“

Häufig aus dem Ausland

Tatsächlich kommt dieser Betrugsversuch immer wieder vor, bestätigt Kai Giertzsch, Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt. Diese sogenannten Call-Center-Betrügereien kämen häufig aus dem Ausland. In anderen Fällen sind es fingierte Anrufe, beispielsweise von Versicherungsvertretern, Sparkassenmitarbeitern oder Onlinehändlern. Er rät dringend, keine persönlichen Daten, Kontonummern und erst recht keine Pins herauszugeben oder jemanden aus der Ferne Zugriff auf seinen Computer zu gestatten. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass oft die vermeintliche Nummer des Anrufers angezeigt wird. Diese Nummern seien falsch. Am besten lege man sofort auf. Wenn die Telefonnummer eines Anrufers angezeigt werde, solle man sie notieren.

Meldet man diese Vorfälle der Polizei, wird Strafanzeige erstattet. Doch aufgeklärt werden solche betrügerischen Anrufe in der Regel nicht, bedauert Giertzsch. Auf jeden Fall schnellstmöglich bei der Polizei melden sollen sich Menschen, die aufgefordert werden, Geld oder Wertsachen zu übergeben. „Nicht auf die Übergabe eingehen, nie Geld holen“, mahnt Giertzsch, denn selbst wenn man meint, sich dabei geschickt anzustellen, könne das gründlich schiefgehen.

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