Rhein-Pfalz Kreis Im Takt der Dieselmotoren

Dannstadt-Schauernheim. „Kult-kult-kult“, so hört es sich an, wenn ein alter Ein-Zylinder-Traktor vorfährt – und „Kult“ unter Traktorfreunden ist auch das Oldtimer-Treffen in Dannstadt auf dem Fußballplatz. Über 250 alte Ackergefährte kamen aus nah und fern, um sich sich zu zeigen. „Einfahrt nur ohne Feinstaub-Plakette“, hieß es auf einem Schild. Klar, für echte Traktor-Fans duften die Dieselwolken besser als jedes Parfüm.
Ein „Glühkopf“ ist nicht das, was ein Traktor-Fan nach diversen Schorlen bekommt – es ist eine Besonderheit der ganz alten Dieselmotoren. Was bei heutigen Dieselmotoren elektrisch und in einer Sekunde erledigt ist, war damals eine aufwendige Sache. „Hier wurde die Lötlampe unter den Glühkopf gestellt“, sagt Rainer Becker, der mit Gerhard Gruber die Oldtimertreffen alle zwei Jahre organisiert. Becker zeigt an einem alten Lanz-Traktor die „Nase“, die mit offener Flamme vorgeheizt werden muss. Doch es geht noch weiter: Ist der Glühkopf heiß, muss der Traktorfreund das Lenkrad abmontieren, auf die Kurbelwelle setzen und mit Muskelkraft bewegen. Bei sagenhaften zehn Litern Hubraum in einem einzelnen Zylinder ist das eine echte Aufgabe. Ist der Motor dann angesprungen, kann man das Auf und Ab des Zylinders sogar mitzählen, so niedrig ist die Drehzahl. Tatsächlich passierte das am Sonntag mit dem „Lanz-Konzert“, also Traktor der Marke Lanz plus Blasorchester. Das „kult-kult-kult“ wurde mit einem Mikrofon verstärkt, die Blaskapelle spielte dazu. Und das sei gar nicht so einfach, wie Becker schmunzelnd erklärte. Der Traktormotor läuft nämlich nicht so gleichmäßig wie ein Uhrwerk, sondern eher wie ein Schlagzeuger, der auch schon ein paar Schorle intus hat. „Die Musiker müssen genau hinhören und mitziehen“, sagte Becker. Zu sehen sind in Dannstadt Klassiker und seltene Exemplare. So einer ist der Orentstein & Koppel, Baujahr 1951, den Becker sein Eigen nennt. Das Berliner Unternehmen habe nur 600 Stück gebaut, heute erhalten seien nur noch etwa 60 Exemplare. Zu sehen gibt es auch das Fendt Dieselross. Die ersten Traktoren dieser Baureihe wurden ab 1930 verkauft. Der Name deutet darauf, dass der Diesel-Traktor den Ackergaul ersetzen sollte. Spätere Modelle hatten dann schon stolze 26 Pferdestärken. Im Gegensatz dazu wirkt der Deutz-Fahr 7250 TTV Agrotron wie das Fahrzeug von Darth Vader aus Krieg der Sterne. Ein sechs Zylinder Vierventiler Turbodiesel mit 260 PS aus sechs Litern Hubraum. Das Ganze in Schwarz. Und mit GPS hat der Fahrer tatsächlich Verbindung zum Weltraum. Dieses moderne Monstrum gehört zu den aktuellen Modellen, die Landwirte aus dem Ort den Oldtimerfreunden zur Verfügung stellen. Geschätzte 0,02 PS haben die Tretmobile für Kinder, die damit auf einem eigenen Parcours herumfahren dürfen. Neben den Schleppern und Traktoren zeigen die Oldtimerfreunde auch alte Landmaschinen. Dazu gehören Dreschmaschinen, wie sie früher von Hof zu Hof zogen, Heuwender und frühe Mähmaschinen. Die Oldtimer kommen aus der Pfalz und Rheinhessen. Manche der Traktorfahrer haben einen fast ebenso alten Wohnwagen an ihr Gefährt gehängt und campieren auf der Wiese hinter dem Sportplatz. Willkommen sind auch Oldtimerfreunde, die mit alten Autos und Motorrädern ankommen. Alle Gäste mit Fahrzeug bekommen eine Teilnahmeurkunde und ein Weinpräsent, sagt Becker. Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst, den Pfarrerin Elke Pfeiffer hielt. Während am Samstag das Wetter regnerisch und windig war, vertrieb am Sonntag die Sonne die Wolken.