Bobenheim-Roxheim
Im Porträt: Priester Markus Hary übernimmt die Pfarrei Heiliger Petrus
Wer ist denn dieser Saarländer, der sich im Dezember aus Homburg in eine Auszeit verabschiedet und nun die Leitung der Petrus-Pfarrei mit ihren sieben Gemeinden und Sitz in Roxheim übernommen hat? Das werden sich viele der über 6000 Katholiken im nördlichen Zipfel des Rhein-Pfalz-Kreises fragen. Wer sich in eine der seit Kurzem wieder erlaubten Messen getraut hat, wird einen ersten Eindruck bekommen haben. Aber wann Markus Hary öffentlich ins Amt eingeführt wird oder er ein Pfarrgremium einberufen kann, steht wegen der Pandemie in den Sternen.
„Es werden viele E-Mails geschickt, viele Telefonkonferenzen veranstaltet“, sagt Hary. Deshalb hat er noch keinen richtigen Eindruck von seiner neuen Wirkungsstätte im Team mit Pfarrer Michael Baldauf, Gemeindereferentin Sabrina Lingenfelder-Faber und den Pfarrsekretärinnen. Macht nichts. So bleibt im Gespräch mit der RHEINPFALZ mehr Zeit für die Geschichte seines bisherigen Lebens.
Fairer Kaffee und Ernesto Cardenal
Das begann 1963 in St. Ingbert in einem tief katholischen Elternhaus. Harys Kindheit und Jugend war vom Mitmachen in der Gemeinde geprägt, vor allem als Messdiener und Mitglied des Kinder- und Jugendverbands Katholische junge Gemeinde (KJG). In beiden Gruppen übernahm er Verantwortung und lernte, geistliche Texte vorzutragen und zu verfassen. An diese Zeit und den guten Einfluss des damaligen jungen Pfarrers denkt er gern zurück. „Wir hatten so viele Freiheiten, durften so viel ausprobieren“, schwärmt der 56-Jährige, und sein verschmitztes Lachen lässt ahnen, dass manche „Experimente“ grenzwertig gewesen sein müssen.
Harys Jugend, das war die Zeit, als man politisch sensibilisiert war, die Schriften des Priesters und Sozialisten Ernesto Cardenal las und „den ersten fair gehandelten Kaffee auf eigene Gefahr trank“, wie Hary sagt. Sein Abitur machte er in Speyer, und im dortigen Konvikt ließ er sich an den Priesterberuf heranführen. „Trotzdem habe ich nach dem Abi überlegt, etwas ganz anderes zu studieren. Aber die Liebe zu Gott war einfach zu groß.“
Es folgten bis 1990 sechs Studienjahre – hauptsächlich in München und zum kleinen Teil in Trier. Zwei völlig unterschiedliche Welten seien das gewesen. Am Herzoglichen Georgianum in München schätzte er den Austausch mit ausländischen Priestern, die zur Promotion dorthin gekommen waren. Die berichteten von ganz anderen, teils gefährlichen und unkonventionellen Berufsumständen in ihren Heimatländern.
Religion trifft auf Lebenswirklichkeit
Den Praxisteil des Studiums verbrachte der junge Theologe in Speyer und den größten Teil seiner Kaplanszeit, nachdem er im Sommer 1992 zum Priester geweiht worden war, in einem sozialen Brennpunkt in Neustadt. Dort habe er unter anderem gelernt, dass ein Pfarrer in bestimmten liturgischen Situationen auch mal sein Buch zuklappen muss. Abstriche gemacht hat er auch in der damaligen Hauptschule, wo er Religionsunterricht gab und sehr schnell gemerkt habe, dass „die hohe Theologie“ so gar nichts mit der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen zu tun hatte.
Von 1996 bis 2011 wirkte Markus Hary als Pfarrer in Dudenhofen („Das war eine richtig schöne Zeit“) und teils auch als Diözesanjugendseelsorger der KJG. Von dort ging’s wieder in die saarländische Heimatregion nach Homburg und nun zurück in die Pfalz, die er lieben gelernt hatte. „Das hat gepasst, das war ein Wink Gottes“, fasst er den Entschluss zum Neustart in Bobenheim-Roxheim zusammen.
Kirche hat das Vertrauen verloren
Der 56-Jährige wirkt alles andere als dogmatisch oder abgehoben. „Katholisch sein bedeutet, das wir alle unsere Besonderheiten haben, und damit dürfen wir dankbar leben“, ist ein Satz, der klingt, als hätte er ihn schon oft gesagt. Nicht schmunzeln kann er dagegen, wenn die Sprache auf die großen Streitthemen und Missstände in der katholischen Kirche kommt. „Das Diakonat der Frau, das aus der Urkirche bekannt ist, wäre überfällig“, meint Hary. In der Lehrmeinung habe es doch immer mal Bewegung gegeben. Was den vielfachen Missbrauch durch katholische Geistliche betrifft, sagt er: „Da hat die Kirche zu Recht das Vertrauen verloren.“
Er selbst habe schon einige persönliche Kreuzwege erlebt, sagt Hary, aber er kenne auch den Genuss als Geschenk Gottes. Womit das Thema Freizeit angesprochen wäre. Die verbringt der Pfarrer gern mit Kochen und Essen („leider meist viel zu spät am Abend“). Was er überhaupt nicht mag, werden ihm seine neuen Schäfchen hoffentlich verzeihen: Fußball.