Rhein-Pfalz-Kreis Ideen der Kirchengemeinden in der Krise

Angebote online statt im persönlichen Kontakt: ein Auszug der Homepage der Pfarrei.
Angebote online statt im persönlichen Kontakt: ein Auszug der Homepage der Pfarrei.

Die Corona-Krise hat auch in den Kirchengemeinden Kreativität und Dynamik ausgelöst. In der Pfarrei Heiliger Sebastian beispielsweise werden moderne Medien wie Homepage, Newsletter, Übertragungen von Gottesdiensten intensiv genutzt. Durchaus eine Chance für zukünftige Glaubensvermittlung, auch wenn am zweiten oder dritten Maiwochenende – je nachdem wie schnell die vorgegebenen Richtlinien umsetzbar sind – in der Pfarrei wieder Gottesdienste stattfinden werden.

Der Ausfall von Gottesdiensten, Erstkommunion und kirchlichen Feiern habe in der aus den Kirchengemeinden St. Michael/St. Cäcilia Dannstadt-Schauernheim, St. Peter Hochdorf, St. Medardus Mutterstadt und St. Leo Rödersheim-Gronau bestehenden Pfarrei eine Welle von Initiativen ausgelöst, sagt Pfarrer Michael Hergl. Die reichen von der Übertragung von Gottesdiensten über Kommunikation per Newsletter bis zu kreativen Anregungen für Kindergarten- und Kommunionkinderfamilien. „Dabei bringen sich Gemeindemitglieder noch stärker als sonst mit all ihrem Wissen und speziellen Fähigkeiten ein“, freuen sich Hergl und Pfarreiratsvorsitzender Hans Beck. So erhält die Pfarrei vom Mutterstadter Gemeindemitglied Marcel Cebulla professionelle Unterstützung bei der technischen Umsetzung von Gottesdienst-Livestream und Homepage-Gestaltung. Schon auf der ansprechend bunten Startseite www.hl-sebastian.de sind die vielseitigen Angebote der Pfarrei wie Livestream, Newsletter, Angebote für Familien, Hausgottesdienste, aktuelle Informationen auf einen Blick zu finden.

Gruppen und Kreise entwickeln neue Ideen. So halten die Kindertagesstätten der Pfarrei im Newsletter und einer eigenen Sparte auf der Homepage mit Elternbriefen, aber auch geistlichen Anregungen, Spiel-, Bastel- und Malangeboten Kontakt zu ihren Eltern. „Damit möchten wir den Familien signalisieren ,auch Ihr seid Teil der Gemeinde’“, betont Hergl. Mittlerweile erscheint dieser wöchentliche Newsletter zum achten Mal. „Wir hatten über Newsletter schon vor Corona nachgedacht, die Realisierung aber erst in zwei Jahren gesehen“, freut sich Hans Beck über die Beschleunigung. Mittlerweile sei der Newsletter von mehr als 200 Menschen abonniert worden und ist auch über die Homepage abrufbar.

Hausgottesdienste und andere Zukunftsformate

Erfreut hat den Pfarrer die große Resonanz auf die Übertragung von Gottesdiensten aus der Pfarrkirche St. Michael: „Ich habe noch nie so viel Rückmeldung zu Gottesdiensten erhalten“. Die Gemeindemitglieder würden immer wieder hervorheben, wie schön es sei, einen Gottesdienst aus der eigenen Gemeinde mit einer vertrauten Stimme zu hören und zu sehen. So seien 85 Teilnehmer beim Livestream dabei und den Youtube-Link auf der Homepage würden immer mehrere 100 Aufrufer nutzen. Gerade auch die ältere Generation nutze dieses Angebot gerne, hole sich technische Hilfe innerhalb der Familie. „Aber auch wir als Kirchengemeinde bieten dabei Unterstützung an“, sagt Hergl. Auch der Chat während des Gottesdienstes, der direkte Interaktion ermöglicht, erfreue sich einiger Beliebtheit.

Diese Formate möchte man auch nach Ende der Corona-Beschränkungen beibehalten. Über die konkrete Ausgestaltung, wie zum Beispiel die Verzahnung mit dem schriftlichen Sebastianusboten oder Übertragung von Gottesdiensten auch aus einer der anderen vier Kirchen der Pfarrei, sei noch genauer nachzudenken. „Diese Modelle bieten auch Chancen für die Zukunft, denn kommende Seniorengenerationen sind ja schon mit der digitalen Technik vertraut.“ So sieht Pfarrer Hergl denn auch in Hausgottesdiensten, „Homechurching“, eine Form, wie Glauben zukünftig weitergegeben werde. Dies hätte auch die Resonanz auf den „Hausgottesdienst-Button“ auf der Homepage sowie entsprechende Angebote der „Jungen Kirche“ wie „Gottesdienste für die Tasche“ und „Quarantäne Kit“ gezeigt.

„Fahr mal runter“

Auch in anderen Pfarrgemeinden gibt es viele neue Angebote. „Fahr mal runter!“ heißt beispielsweise ein neues Projekt in der katholischen Pfarrei Hl. Antonius von Padua in Maxdorf – ab 15. Mai, immer freitags um 19.30 Uhr auf der Pfarrwiese hinter der katholischen Kirche in Maxdorf. Zum Einstieg ins Wochenende gibt es Impulse zum Nachdenken. Es wird dazu eingeladen, mal wie beim Computer für 20 Minuten runterzufahren und im Freien Gott nahe zu sein, erläutert Pastoralreferentin Stefanie Müller. Wegen der aktuellen Bestimmungen sei eine Anmeldung nötig: bei Stefanie Müller, stefanie.mueller-2@bistum-speyer.de, oder Telefon 0151/ 14879816, mit Namen, Adresse, Telefon und E-Mail-Adresse. Die Daten müssen 21 Tage gespeichert werden. Müller bittet, eine Sitzgelegenheit wie Picknickdecke oder Klappstuhl, und einen Mund-Nase-Schutz mitbringen: „Bei Regen treffen wir uns in der Kirche“.

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