Rhein-Pfalz Kreis „Ich war so hysterisch, die mussten mich wegtragen “

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Mutterstadt. Zwei Feuerwehrleute bringen eine heulende und wehklagende junge Frau weg. Sie saß auf einem Anhänger mit Erntehelfern, der in einen schweren Unfall in der Mutterstadter Fohlenweide verwickelt wurde. Eigentlich hätte die Frau einen Oscar verdient, denn sie ist Statistin bei einer Großschadensübung der Feuerwehren und Rettungskräfte aus Mutterstadt, Limburgerhof und dem Kreis gewesen.

„Ich hab sogar richtig angefangen zu heulen“, sagt Simone Kalinke und lacht wieder. Die „Regieanweisung“ für sie lautete: Panik! Nicht schwer verletzt, aber völlig aufgelöst sollte sie mit weiteren „Erntehelfern“ auf einem Anhänger bleiben und sich weigern, diesen zu verlassen. Die Retter mussten sie beruhigen und ihr gut zureden. „Ich war so hysterisch, dass sie mich dann getragen haben“, erzählt sie. Eigentlich ist sie Lehrerin am Maxdorfer Lise-Meitner-Gymnasium und dort für den Sanitätsdienst zuständig. Wer ist schwerer, wer leichter verletzt? Wer steht unter Schock und braucht Betreuung? Dies zu erfassen, war Ziel der Übung. Die Feuerwehrleute sollten vor allem Verletzte bergen, die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) des Katastrophenschutzes die weitere Versorgung übernehmen. Auf der Kreuzung Fohlenweide/Am Floßbach sieht es schlimm aus: Ein silberner BMW Coupé hat einem Traktor mit einem Anhänger voller Erntehelfer die Vorfahrt genommen. Der Traktor wollte nach links ausweichen und erwischte dabei mit seiner vorgehängte Fräse ein entgegenkommendes Auto. Der BMW krachte unter den Hänger. In den beiden PKW waren Verletzte eingeklemmt. So das Szenario. Fünf Minuten nach der Alarmierung treffen die Feuerwehren ein. Die Einsatzleiter teilt ein: Limburgerhof nimmt den einen Wagen, Mutterstadt den anderen, den Anhänger nehmen Kräfte aus beiden Wehren in Angriff. Die Sanitäter bauen ein Zelt auf und richten einen Verletzten-Sammelplatz ein. Um an den Traktorfahrer heranzukommen, bauen Wehrleute eine Rettungsplattform auf. „Die hat inzwischen jede Wehr. Gebraucht wird die bei Unfällen mit Lkw, weil deren Führerhäuser so hoch liegen, dass man nur schlecht ran kommt“, erklärt Thomas Streun, Wehrleiter in Limburgerhof. Der BMW ist eine Herausforderung. Während einer der beiden Insassen schnell geborgen wird, ist der andere regelrecht verkeilt. Weil es ein Zweitürer ist, reicht es nicht, das Dach abzuschneiden, auch die Seite muss geöffnet werden. „Durch den Seitenaufprallschutz aus Stahlstangen ist schwer durchzukommen“, sagt Streun. Beide Wehren haben ihre hydraulischen Scheren und Spreizer dabei. „Erst wird ein Zugang geöffnet, dann untersucht ein Arzt den Eingeklemmten, um festzustellen, ob und wie er bewegt werden kann, erst dann wird das Fahrzeug geöffnet und der Verletzte herausgeholt“, erklärt Stephan Groß, Übungsleiter des Roten Kreuzes. Um 14.40 Uhr ist der zweite Verletzte aus dem BMW. „Eine sportliche Zeit“, meint Sven Doppler, der als Übungsleiter der Mutterstadter Feuerwehr den Ablauf beobachtet. Üblich seien rund 60 Minuten. Bei der Abschlussrunde mit allen Beteiligten lobt er das Übungsszenario. Es gebe ja sehr viele Anhänger mit Erntehelfern, aber bisher sei noch kein Unfall damit geübt worden. Auch Sven Wilhelmi, Übungsleiter der Limburgerhofer Feuerwehr, ist zufrieden. „Es gibt geringen Optimierungsbedarf – aber dafür üben wir ja“, so sein Fazit. Die beiden Wehren waren mit je drei Fahrzeugen der technischen Rettung und insgesamt 30 Wehrleuten vor Ort. Die SEG – bestehend aus Maltesern und Rotem Kreuz – rückte mit drei Einheiten an, das sind zwölf Einsatzkräfte und ein Notarzt. |ghx

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