Fussgönnheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich liebe das Jugendhaus“: Wie das Angebot in Fußgönheim läuft

Basteln geht immer, sagt Petra Schwitz.
Basteln geht immer, sagt Petra Schwitz.

Im Jugendhaus in Fußgönheim gibt es in den Ferien Programm für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Doch auch außerhalb der Ferienzeiten ist in der Einrichtung im Bürgerhaus jede Menge los. Für Jugendliche gibt es hier ebenfalls ein Angebot. Dafür sorgt Jugendpflegerin Petra Schwitz, die seit 13 Jahren das Jugendhaus leitet und dabei ihre Beobachtungen macht.

Durch die Pandemie habe sich im Jugendhaus einiges geändert, erzählt Petra Schwitz. Vorher seien die meisten der Besucher zwischen 13 und 16 Jahre alt gewesen. Als das Jugendhaus nach der Corona-Zeit wieder öffnen konnte, sei es „sehr langsam“ wieder angelaufen. Von den Besuchern von früher, komme kaum noch jemand. „Ich habe mit den meisten aber noch Kontakt, treffe mich mit ihnen beispielsweise zum Essen“, erzählt Schwitz. Das sei ihr wichtig, denn viele Kinder und Jugendliche hätten nach der Pandemie psychische Probleme. Die früheren Besucher des Jugendhauses hätten Vertrauen zu ihr.

Donnerstags und freitags ist das Jugendhaus ab 18 Uhr nur für Jugendliche ab 13 Jahren geöffnet. Doch die meisten der Besucher, die ins Jugendhaus kommen, seien zwischen acht und zwölf Jahre alt, auch einige Jüngere seien dabei. „Die Kinder müssen mindestens sechs Jahre alt und in der Schule sein, sonst funktioniert das nicht“, sagt Schwitz. Manchmal würden Eltern versuchen, Kleinkinder bei ihr abzugeben. Schwitz ist sehr hilfsbereit und sehr nett, doch bei Bedarf kann sie sich durchsetzen. Nicht nur gegenüber Eltern, sondern auch gegenüber Kindern und Jugendlichen.

„Hier haben alle sehr viel Freiheit, doch es gibt einige Regeln, die eingehalten werden müssen“, sagt Schwitz. Sie verschweigt nicht, dass es manchmal Probleme gibt. So würden einige albanische, türkische und kurdische Jungs die Regeln nicht einhalten, hätten auch sie erst nicht akzeptiert. Wenn es zu schlimm werde, „dann schicke ich mal einen für eine halbe Stunde nach draußen“, erzählt Schwitz. Das wirke, denn „sie wollen hier sein“, sagt sie. Und wenn gar nichts hilft, dann erteilt sie ein Hausverbot.

Basteln steht hoch im Kurs

„Die Jungs nerven“, sagt die neunjährige Merwan, und ihre Freundin stimmt ihr zu. „Jungs sind Zeitverschwendung“, sind sich die beiden Mädchen einig. Außer den Jungs gefalle ihr alles im Jugendhaus, besonders gern spiele sie Playstation und bastle, sagt Merwan.

Gebastelt werden kann während den Öffnungszeiten des Jugendhauses fast immer, außerdem werden Bastelworkshops angeboten. „Ich versuche, jeden Tag ein Angebot zu machen“, sagt Schwitz. Neben Basteln seien das Workshops wie Kochen, Theater, Hip-Hop. Für einige Sachen müsse man sich anmelden, etwa das Kochen, weil in der Küche nur Platz für höchstens sechs Teilnehmer ist. Die Resonanz sei unterschiedlich, während Hip-Hop sehr beliebt sei, laufe der Theater-Workshop „etwas schleppend“. Basteln in allen Variationen sei immer gefragt, sagt Schwitz. Damit der Kauf von Bastelmaterialien nicht den Etat sprengt, ist sie ständig dabei, Kartons oder Dosen zu sammeln. „Einige Leute im Dorf wissen das und bringen mir Bastelmaterial“, erzählt Schwitz.

Für die neunjährige Lucy ist das Basteln einer der Gründe, warum sie in das Jugendhaus kommt. Außerdem könne sie hier Freunde treffen. „Meine Eltern finden es gut, dass ich hierher gehe“, sagt Lucy. „Ich mag, dass man hier basteln und Freunde treffen kann“, sagt auch die zehnjährige Tessa. Von Freunden habe sie erfahren, dass es das Jugendhaus gibt. „Ich habe es mal ausprobiert, und seitdem liebe ich das Jugendhaus“, erzählt Tessa. Einige Zeit sei sie auch im Hip-Hop-Workshop gewesen. „Das hat Spaß gemacht, doch dafür habe ich keine Zeit mehr“, berichtet Tessa.

Kinder seien „total verplant“

Zeit sei für viele Kinder und Jugendliche ein Problem, denn viele seien „total verplant“, berichtet Schwitz. Das sei auch ein Grund, warum die Anzahl der Besucher sehr unterschiedlich sei. Schwitz ist es am liebsten, wenn viele da sind, auch wenn das mit Trubel verbunden ist. „Mir macht das nichts aus, ich habe gerne Kinder um mich. Das Jugendhaus ist meine Berufung“, sagt sie. Nur die Schreibarbeiten, die die Kreisverwaltung verlange, „liegen mir gar nicht“. Da Schwitz nur eine halbe Stelle hat, hat sie ständig einen Berg an Überstunden.

„Wir lieben Petra“, betonen mehrere Mädchen. Letinia und Marlene, die beide elf Jahre alt sind, sind im Jugendrat des Jugendhauses. „Wenn man im Jugendrat ist, passt man auf, dass es keine Streitereien gibt“, erklären die beiden. „Hier ist alles richtig toll“, lautet ihr Urteil. Auch sie kommen vor allem zum Basteln und um Freunde zu treffen. „Wir feiern aber auch manchmal Partys und Geburtstage und es gibt einen Girls-Abend“, nennt Schwitz einige weitere Programmpunkte. Bei Bedarf biete sie auch Bewerbungstraining und Hausaufgabenbetreuung an.

Mario Göbel war zwischen seinem neunten und 14. Lebensjahr regelmäßiger Besucher im Jugendhaus, inzwischen ist er um einiges älter und wohnt nicht mehr in Fußgönheim. Weil er sich sehr gerne an seine Jugendhaus-Zeit erinnere, komme er gelegentlich zu Besuch. „Hier war man immer willkommen, die Atmosphäre war toll, es sind Kontakte entstanden. Mit Petra konnte man über alles reden. Und ich hatte mehr Freiheiten als zu Hause“, erzählt Göbel.

Viel Arbeit mache das Ferienprogramm, das in den Sommerferien zweimal jeweils für die Dauer von zwei Wochen sowie in den Herbstferien angeboten wird, sagt Schwitz.

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