Mutterstadt / Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hochspannungsleitung wird ausgebaut

55 Gittermasten wollen die Pfalzwerke ersetzen.
55 Gittermasten wollen die Pfalzwerke ersetzen.

Für eine sichere Stromversorgung möchten die Pfalzwerke das Übertragungsvermögen der Hochspannungsleitung zwischen Mutterstadt und Kerzenheim verdoppeln.

Vom Umspannwerk Mutterstadt und seinem Pendant in Kerzenheim misst die 110-Kilovolt-Freileitung nach Angaben der Pfalzwerke 31,4 Kilometer. Nach mehr als 60 Jahren im Dienst zeigen sich nun Alterserscheinungen: An 55 der 111 Gittermasten, die sie tragen, droht der Stahl zu verspröden. Die betreffenden Exemplare will das Unternehmen deshalb ersetzen. „Die restlichen Maste sind bereits von neuerer Bauweise und müssen nicht mehr ausgetauscht werden“ erklärt Klaus Zimmer, Bereichsleiter Netzmanagement bei der Pfalzwerke Netz AG.

Zugleich plant der Netzbetreiber ihm zufolge, die Übertragungskapazität – das heißt die maximal übertragbare elektrische Leistung – von derzeit rund 200 auf etwa 400 Megavoltampere zu erhöhen. Das lasse sich erreichen, „indem wir den Gesamtquerschnitt der Leiterseile erhöhen“. Die neuen Masten müssten also auch der zusätzlichen statischen Belastung durch die stärkeren Leiterseile, die aus Aluminium und Stahl bestehen, gerecht werden.

Drei Bauabschnitte

Die nötigen Arbeiten an den Masten und Leitungen möchten die Pfalzwerke auf der gesamten Länge im gleichen Zug erledigen. Vorgesehen sind drei Bauabschnitte: von Mutterstadt bis nach Lambsheim (zirka 12,8 Kilometer), von Lambsheim bis nach Grünstadt (etwa neun Kilometer) und von Grünstadt bis nach Kerzenheim (ungefähr 9,6 Kilometer). Für dieses Projekt hat der Konzern rund 15 Millionen Euro veranschlagt. Aufgrund der aktuellen Preisentwicklung seien aber wohl noch deutlich höhere Kosten zu erwarten. Zuschüsse von Bund oder Land gebe es nicht. Stattdessen werde das Vorhaben über das Investitionsprogramm der Pfalzwerke Netz AG finanziert.

Geht es nach dem Unternehmen, sollen die Bauarbeiten 2024 beginnen. Zunächst ist aber ein Planfeststellungsverfahren für den Ersatzneubau erforderlich. Das hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord dieser Tage eingeleitet. Jetzt wird kontrolliert, ob die Erneuerung mit privaten und öffentlichen Belangen – vor allem Wasserrecht, Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Straßenverkehr sowie Bodenschutz – vereinbar ist.

Pläne liegen aus

Außerdem kann sich die Öffentlichkeit daran beteiligen: Bis einschließlich 28. September sind die Planunterlagen auf der SGD-Website einsehbar und liegen bei den betroffenen Kommunen aus: den Städten Ludwigshafen, Frankental und Grünstadt, der Gemeinde Mutterstadt und den Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim, Leiningerland, Eisenberg (Pfalz) und Göllheim. Anregungen und Einwände können bis zum 31. Oktober erhoben werden. Anschließend wird ein Erörterungstermin mit den beteiligten Behörden und den Antragstellern festgelegt.

Das angestrebte höhere Übertragungsvermögen sei den stetig wachsenden Anforderungen geschuldet. „In den vergangenen 60 Jahren ist die benötigte Leistung im gesamten Netzgebiet auf etwa das Vierfache gestiegen, die jährlich übertragene Energie sogar um den Faktor 5,5“, berichtet Zimmer. Die beiden physikalischen Größen Leistung (Kilowatt) und Energie (Kilowattstunden) dürften nicht unter dem Begriff „Strombedarf“ zusammengefasst werden, wenn es um den Netzausbau geht. Denn: „Die zu Spitzenzeiten zu transportierende Leistung ist aufgrund des regional unterschiedlichen Ausbaus der Wind- und Photovoltaik-Anlagen zum Teil deutlich stärker angestiegen als der Stromverbrauch.“

Wobei er zum Stromverbrauch anmerkt, hier komme es auch auf seine räumliche und zeitliche Verteilung an. „Gerade der dezentrale Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativen Energieträgern ist in der Pfalz sehr ungleich verteilt und die Bedeutung der Leitungen zwischen ländlichen und Ballungsräumen steigt“, sagt der Bereichsleiter.

Keine Auswirkung auf Straßenverkehr

Als einen Grund für diesen Anstieg von Leistung und Energie nennt Zimmer das etwa 20 Jahre zurückreichende Bemühen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen auszuweiten. Die drastisch gestiegenen Rohstoffpreise hätten diese Entwicklung stark beschleunigt. Weitere Gründe seien die Mobilitäts- und die Wärmewende. So mache das Ziel des Bundeswirtschaftsministeriums, die installierte Leistung jährlich um 10 Gigawatt Wind und 22 Gigawatt Photovoltaik zu erweitern, den Netzausbau unerlässlich. „Bereits heute liegt die installierte Leistung solcher Anlagen in der Pfalz über der maximalen Netzlast – zeitweise wird mehr Strom erzeugt als verbraucht und deshalb ins Übertragungsnetz abgegeben“, erklärt er. Das passiere typischerweise zur Mittagszeit.

Zurück zu dem Bauvorhaben zwischen Mutterstadt und Kerzenheim: Auf den Straßenverkehr werde sich das Projekt der Pfalzwerke nicht auswirken, allenfalls müssten Landwirte auf einigen Wirtschaftswegen vorübergehend mit Einschränkungen rechnen. „Die werden sich aber jeweils auf etwa drei Stunden beschränken und den Betroffenen vorher bekannt gemacht“, kündigt Zimmer an. Stromausfälle oder -engpässe müssten die Verbraucher auch nicht fürchten. Die Zeitfenster für einzelne Bauabschnitte würden entsprechend geplant und mit Reserven versehen. Falle trotzdem ein Abschnitt in einen Zeitraum hoher Netzbelastung, müssten gegebenenfalls Erzeugungsanlagen ihre Leistung verringern. „Das Verfahren hierzu einschließlich des finanziellen Ausgleichs für die Betreiber ist gesetzlich geregelt“, teilt Zimmer mit.

Für das gesamte Projekt rechnen die Pfalzwerke mit einer Bauzeit von ungefähr zwei Jahren. Das exakte Bauende lasse sich aber nur schwer voraussagen, da es nicht zuletzt von den verschiedenen Maßnahmen zum Umweltschutz und dem Vermeiden von Einschränkungen für Dritte abhänge.

Noch Fragen?

Weitere Informationen zu dem Pfalzwerke-Vorhaben gibt es im Internet unter sgdnord.rlp.de/de/planen-bauen-natur-energie/energie/netzausbau/ in der Rubrik „Laufende Verfahren“.

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