Rhein-Pfalz Kreis
Hochdorf-Assenheim: Biologin Christiane Brell über naturnahes Gärtnern
Auf Einladung des Kulturvereins Hochdorf-Assenheim hält Biologin Christiane Brell am Freitag einen Vortrag über naturnahes Gärtnern. Im RHEINPFALZ-Interview gibt sie Tipps auf was Bienen fliegen. Sie sagt aber auch, was ihrer Meinung nach gar nicht geht – weil es Natur und Klima nichts bringt.
Frau Brell, über 300 Besucher 2019 in Otterstadt bei der Vorstellung des neuen Fachbuchs „Die Wildbienen Deutschlands“ des gebürtigen Pfälzers Paul Westrich. Volle Säle in Böhl-Iggelheim und Limburgerhof bei Ihren Vorträgen: Wie erklären Sie sich das?
Das Interesse der Bürger am Thema wird immer größer. Die Menschen sind alarmiert: Die Vögel sind weg. Und es gibt viel weniger Insekten. Immer mehr beziehe ich bei meinen Vorträgen jetzt auch das Klima mit ein. Indem ich Geschichten mit persönlichen Erlebnissen miteinfließen lasse, wird der Vortrag für die Leute spannend. Ein Beispiel: Eine in München in einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus wohnende Frau hat ihren Balkon mit 80 Pflanzenarten in Töpfen naturnah gestaltet. Jeden Monat blüht dort etwas. Inzwischen haben sich über 100 Tierarten, vor allem Wildbienen, aber auch Distelfink und Mauereidechse, bei ihr eingestellt.
Was können Gartenbesitzer für die Natur tun?
Für eine Fläche, die nur von außen betrachtet, aber nicht betreten werden soll, empfiehlt sich die Anlage einer Blumenwiese von zehn bis 15 Quadratmetern. Bei größeren Anlagen kann es ein Blumenrasen mit trittverträglicheren Arten sein. Für einzelne Beete sind Wildstaudenpflanzungen ratsam.
Was raten Sie Balkongärtnern?
Töpfe und Kübel mit heimischen Arten bestücken, die übers Jahr zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Mit Frühlingsfingerkraut und Zwiebelpflanzen – wie Weinbergstulpe und Traubenhyazinthe – kann man früh im Jahr Insekten ein Blütenangebot machen. Reseda kann speziell für die Reseda-Maskenbiene gepflanzt werden. Über verschiedene Glockenblumenarten freuen sich zahlreiche Wildbienenarten.
Und was geht gar nicht?
Chinaschilf, Mittelmeerzypressen und asiatische Glanzmispeln. Wie zuweilen zu sehen, stehen diese Pflanzen in den Grünanlagen mancher Kreisgemeinden – also fast nur exotische Gewächse. Das ist weder etwas für Insekten noch für Vögel. Insekten sind relativ stark an heimische Pflanzen gebunden.
Was ist von Schottergärten, die auch von Kreiskommunen angelegt wurden, zu halten?
Das ist nicht verständlich und in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens nicht mehr zeitgemäß. Das wärmespeichernde Gestein verschärft das Innenklima der Dörfer. Es bietet keine Lebensräume für Tiere. Statt lebender Igel gibt es mancherorts witzigerweise Porzellanigel zu sehen, die Gemeinden auf solchen Plätzen platzieren. Die Klimabilanz ist zudem wegen der verwendeten Plastikfolien und Steine negativ. Hinzu kommen energieaufwendiger Bruch und Transport der Steine aus Übersee. Es fehlt der Bezug zum Ort und zur dörflichen Kultur. Sie sind pflegeintensiv, teuer in Anlage und Unterhalt. Quecken allerdings finden diese Flächen toll ...
Schottergärten haben sich also als sehr pflegeintensiv herausgestellt und kosten auch richtig viel Geld. Wie sieht es dagegen mit naturnahen Grünanlagen aus?
Anlage und Pflege sind viel billiger. Aus Fördertöpfen wie der „Aktion Grün“ des Landes Rheinland-Pfalz oder dem „Masterplan Stadtnatur“ des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ können Kommunen dafür sogar Gelder bekommen.
Die Gemeinde Hochdorf-Assenheim tut sich schwer mit der Begrünung ihres Autobahnkreisels. Ihr Ratschlag?
Immerhin wachsen da Disteln drauf; wichtig für Distelfinken und -falter. Im Grunde hilft nur Bodenaustausch mit Entfernung des Wurzelhorizonts. Dann Auftrag eines kleinkörnigen Kalk- oder Silikatbodens, Samenmischungen heimischer Wildblumen aussäen und/oder Wildstauden auspflanzen. Einzelne kleinbleibende heimische Wildgehölze oder einen Baum mitberücksichtigen. Farbliche Aspekte durch gelb und blau oder rot und weiß blühende Pflanzen schaffen. Es muss nicht kunterbunt blühen. Wegwarte, Wilde Möhre und Natternkopf: Es gibt genügend heimische Pflanzen, die gegen Streusalz resistent sind.
Bauhöfe klagen über oft über knappe Personalkapazität bei immer mehr zu betreuenden Grünanlagen. Wie steht es mit naturnahen Flächen aus?
Sie müssen höchstens einmal im Jahr gemäht und eventuell gegossen werden. Wegen der geringeren Arbeit müssten Bauhöfe vor Begeisterung in die Hände klatschen, wenn sie solche Grünanlagen hätten. Voraussetzung ist allerdings ein Training der Mitarbeiter für den Umgang damit. Wertvolle Impulse bieten da die Naturtage, die im Februar in der Stadthalle Heidelberg stattfinden.
Termin
Vortrag „Naturnahes und bienenfreundliches Gärtnern“ am Freitag, 24. Januar, 19 Uhr, katholisches Pfarrheim Hochdorf.
Zur Person
Christiane Brell ist Diplom-Biologin, Wildbienenbotschafterin des Projekts „Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen“ und seit 2011 Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen, der 2018 den 1. Umweltpreis des Rhein-Pfalz-Kreises erhielt. Für die naturnahe Begrünung einer öffentlicher Grünanlage ihres Ortes gewannen Brell und der Verein im gleichen Jahr den 2. Platz im Bundeswettbewerb „Deutschland summt!“. Zusammen mit ihrer Familie lebt die gebürtige Heidelbergerin in Dudenhofen, wo sie das „Büro für innovative Umweltplanung“ (biu) mit den Bereichen Landschaftsplanung, Gewässerökologie, Umweltbildung und -studien, Planung und Beratung naturnahes Grün führt.