Rhein-Pfalz Kreis Hinreißend

Souverän, emotional, gekonnt: Nicolas Heizmann am Klavier.
Souverän, emotional, gekonnt: Nicolas Heizmann am Klavier.

«Schifferstadt.» „Glück gehabt!“, könnte man dem Schifferstadter Lions Club sagen. Es war nämlich ein glücklicher Zufall, der zur Entdeckung des Pianisten Nicolas Heizmann führte. Bei der Lions-Club-Matinee im Alten Rathaus hat der junge Mann sein außerordentliches Können gezeigt. Das Publikum war völlig zurecht hingerissen.

Nicolas Heizmann saß im Zug. Im Gepäck: eine Geige. Sein Zweitinstrument. Alexander Willand hat ihn dort getroffen – und ist mit dem jungen Mann ins Gespräch gekommen. Willand ist für die Schifferstadter Lions eine Art Talentscout. Er findet junge Künstler, denen der Club eine Plattform bietet. So viel zur Vorgeschichte. Zwei Chopin-Etüden und zwei Nocturnes, Debussys „Clair de lune“, Brahms Intermezzo Opus 118/2 und, krönender Abschluss: Robert Schumanns Carnaval Opus 9 – das ist ein Programm, das sich sehen und hören lassen kann. Und Nicolas Heizmann aus Speyer erfüllte am Sonntag im Alten Rathaus nicht nur die Erwartungen, er übertraf sie. Insgesamt ist an diesem Vormittag aufgefallen, dass Heizmann bei allen Stücken eine besondere Atmosphäre vermittelt – auch bei den Etüden, die ja eigentlich von Chopin als Stücke mit dem Schwerpunkt auf spieltechnischen Problemen angelegt wurden. Heizmann spielte auch hier mit großer Musikalität und einem sehr wirkungsvollen Einsatz großer Dynamik. Exemplarisch sei hier eine Stelle in der cis-Moll Etüde (Opus 10, Nr. 11) genannt, wo die linke Hand schlagartig einen Lauf setzt, der geradezu explodiert, doch dann der Pianist das sofort wieder abfängt und leise und gefühlvoll fortfährt. Nocturnes sind „Nachtstücke“, die verschiedene Stimmungen widerspiegeln können. Während manche Komponisten sich romantischen Naturbetrachtungen widmen, sind Chopins Stücke eher ein Erforschen seiner eigenen Gefühle zu später Stunde. Die b-Moll Nocturne (Opus 9, Nr. 1) klang innig und voll innerer Spannung, die folgende Fis-Dur Nocturne (Opus 15, Nr. 2) wirkte ruhig und entspannend. „Clair de lune“ (Mondlicht) von Claude Debussy wendet dagegen eher den Blick nach außen. Auch hier gelang es Heizmann, den Zuhörern die romantische Atmosphäre einer Mondnacht zu vermitteln. Johannes Brahms Intermezzo Opus 118, Nr. 2, A-Dur, ist recht bekannt, hier klang das Stück intensiv und berührend, ohne dabei ins Süßliche abzugleiten. Bis dahin waren die Zuhörer schon sichtlich beeindruckt. Das Programm war auch eine gelungene Mischung aus anspruchsvollen Stücken, die aber in Heizmanns Interpretation trotzdem atmosphärisch und emotional packend wirkten. Vollends begeistert waren die Zuhörer dann vom Carnaval. Schumann hat unter diesem Titel einen Zyklus von 22 Charakterstücken geschrieben. Die sind nicht einfach. Tatsächlich waren Schumann und seine Frau Clara davon überzeugt, die Stücke seien zu schwer zu spielen, um sie einem breiten Publikum anzubieten. Es sind raffinierte Spielereien mit Notenkombinationen, rhythmisch und harmonisch sehr komplex. Heizmann spielte das Ganze kontrastreich, farbenfroh und hervorragend artikuliert. 2002 wurde er in Speyer geboren und hat schon mehrere Landes- und Bundespreise bei Jugend musiziert gewonnen. Und man wird sicher in naher Zukunft noch mehr von ihm hören.

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