Rhein-Pfalz Kreis Heute noch Rasen, morgen schon Häuser?

Für das Sportplatzgelände des TuS Dirmstein soll ein Bebauungsplan erstellt werden. Das haben die Mitglieder des Gemeinderats am Mittwochabend beschlossen. Das TuS-Gelände soll in Richtung Gewerbegebiet Rottgasse verlegt werden (wir berichteten). Laut Bürgermeister Bernd Eberle (FWG) könnten auf dem aktuellen Sportplatz bereits im nächsten Jahr Häuser entstehen.
Vorgesehen sind auf dem aktuellen Sportplatzgelände des TuS Doppel- oder Einzelhäuser auf unterschiedlicher Grundstücksgröße mit einer Firsthöhe von maximal neuneinhalb Metern. Die Dachform und Ausrichtung möchte man bewusst nicht vorschreiben, um den Bauherren bezüglich Fotovoltaikanlagen alle Gestaltungsmöglichkeiten einzuräumen. Sechseinhalb Meter breite Ringstraßen soll es geben. Die einzelnen Grundstücke sollen eine Tiefe von rund 25 Metern haben. Pro Einheit sind zwei Stellplätze für Autos vorgesehen. Darüber hinaus sieht der Planungsentwurf vor, dass das jetzige TuS-Vereinsheim vorerst noch erhalten bleibt. Einstimmig segnete der Gemeinderat den vom Planungsbüro Braun vorgeschlagenen Entwurf für das Neubaugebiet „Alter Sportplatz“ ab. Im derzeitigen Raumordnungsplan ist das Gebiet als Siedlungsfreifläche ausgewiesen, die vor allem der Erholung und sportlichen Betätigung gewidmet ist. Aus diesem Grund muss der Gemeinderat für beide Bauvorhaben zunächst ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren anstreben. Nach Angaben von Bürgermeister Eberle hat der Regionalverband Rhein-Neckar diesbezüglich Mitspracherecht. Das Sportgelände des TuS soll in Richtung Südosten wandern. Nach den Vorgaben des TuS-Vorstands erstellte das Planungsbüro Braun einen Entwurf mit einem in Ost-West-Richtung ausgerichteten Großfeld, einem Kleinfeld, einer am südöstlichen Grundstücksrand gelegenen Option für ein neues Vereinsheim sowie einer Fläche für gut 60 Parkplätze. Den Entwurf sehen sowohl der Gemeinderat als auch Planer Matthias Braun in mehreren Punkten kritisch: Das Großfeld weicht von der Nord-Süd-Ausrichtung ab, die einen optimalen Lichteinfall garantiert, das Vereinsheim und die Parkplätze liegen zu weit weg von der Ortsbebauung, der Abstand zwischen dem Kunstrasengroßfeld und dem angrenzenden Acker beträgt stellenweise nur einen Meter. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit der Planung von Sportplätzen, beispielsweise der Anlage in Obersülzen, stellt das Planungsbüro den Sinn des Kleinfelds in Frage. Bei einem Verzicht könnte man den Abstand des Ackers zum Großfeld wesentlich großzügiger planen, wodurch sich auch der Pflegeaufwand für den Kunstrasen reduziere. „Bei einem zu geringen Abstand zum Acker fliegt einfach immer Samen oder Erde auf den Kunstrasen“, weiß Braun aus Erfahrung. Um zum einen das Vereinsheim und die Parkplätze näher an die Ortsbebauung zu rücken und zum anderen eine auch aus seiner Sicht sinnvolle Ost-West-Ausrichtung des Großfelds zu gewährleisten, präsentierte Braun dem Rat drei Planungsvarianten mit Groß- und Kleinfeld. Ratsmitglied Hans Ziehner (FWG) erkundigte sich nach der Meinung des TuS-Vorstands zu den Planvorschlägen. Zu seinem eigenen Bedauern habe er diese vor der Sitzung nicht einholen können, da über das Bauvorhaben nur in einer nicht öffentlichen Sitzung des Bauausschusses diskutiert worden sei, so Braun. Für das notwendige Zielabweichungsverfahren habe es jedoch keinen Einfluss, wo genau die Spielfelder platziert seien. Die Vorstellungen des TuS könnten jederzeit berücksichtigt werden. Dieser Meinung schlossen sich die Gemeinderatsmitglieder einstimmig an. Sie beantragten mit der geänderten Planvariante, die ein Vereinsheim mehr in der Mitte des Geländes vorsieht, das Zielabweichungsverfahren. FWG-Vorsitzender Theo Halama bedauerte in diesem Zusammenhang, dass kein TuS-Vertreter zu der öffentlichen Gemeinderatssitzung erschienen ist. Bernd Eberle sagte gestern auf Nachfrage der RHEINPFALZ, dass es immer wieder Gespräche mit dem TuS-Vorstand gegeben habe. Jetzt müsse man noch mal intensiver über die genauen Pläne reden. Dass der Sportplatz verlegt wird, werde nicht in Frage gestellt; vielmehr müsse die Aufteilung des neuen Gebiets diskutiert werden, beispielsweise, wo genau das neue Clubhaus hinkommen soll. Laut Bürgermeister soll dies in der Sitzung des Bauausschusses Anfang Oktober geschehen. Wenn alles so kommt, wie man es sich vorstellt, könnten laut Eberle bereits im nächsten Jahr erste Häuser auf dem aktuellen Sportplatz entstehen. Wie berichtet, hatte der TuS-Vorstand bei einer Mitgliederversammlung Ende April die Eckdaten für die Verlagerung des Sportplatzes vorgestellt. Der Naturrasenplatz ist abgewirtschaftet, das Vereinsheim ist in die Jahre gekommen. „Das Geld für eine umfassende Sanierung des alten Geländes haben wir nicht“, sagte TuS-Vorsitzender Hans-Peter Fuhr. Aus diesem Grund soll mithilfe eines Investors und des Landes ein neues Gelände errichtet werden. (evg/kjp)