Rhein-Pfalz Kreis Helfer in den Startlöchern
Iris Strache ist die Ruhe selbst – obwohl sie nicht weiß, wann genau wie viele Personen aus welchen Ländern ab Mitte Oktober der Gemeinde Bobenheim-Roxheim zugewiesen werden. Dass die 70 Plätze im Pfalzring ausgeschöpft werden, ist klar, aber ob das nach und nach oder auf einmal passiert, das muss sie auf sich zukommen lassen. Die 52-jährige Verwaltungsangestellte fühlt sich gut vorbereitet auf ihre neue Aufgabe als Heimleiterin. Und sie ist zuversichtlich, dass die Integration der Neuankömmlinge gelingen wird. „Wir haben hier optimale Bedingungen“, sagt sie und führt uns durch das noch leere Haus, das noch vor wenigen Jahren ein Altersheim war. Gleich am Eingang hinter dem Empfangstresen liegt Straches Büro mit Blick auf den Gemeinschaftsraum mit Küche, wo Körbe voll Kochgeschirr stehen. Alles gebrauchte Sachen, die Bürger gespendet haben. Ehrenamtliche haben außerdem 70 Gedecke mit Essgeschirr und Trinkgefäßen in Tüten gepackt und in den 34 Zimmern verteilt. Sie haben Gardinen gewaschen, schadhafte Wandstellen gestrichen und Duschvorhänge in den Nasszellen angebracht. Alexander Bode, der bei der Gemeinde ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, hilft den Gemeindearbeitern beim Zusammenschrauben der Stockbetten. Die meisten Zimmer werden mit zwei Personen belegt. „Es gibt allgemein einen Lieferengpass für Betten und Matratzen“, berichtet Iris Strache und ist froh, dass sie alle Möbel beisammen hat. Bezahlt werden die vom Rhein-Pfalz-Kreis, der das Gebäude gemietet hat. „Im Erdgeschoss bringen wir alleinstehende Männer unter, im ersten Stock Ehepaare und Familien“, erläutert die Hausleiterin. Ideal sei es, dass jedes Zimmer eine Kochgelegenheit habe. Das Geschirr muss allerdings in einem Gemeinschaftsraum gespült werden. Waschmaschinen stehen im Keller. Iris Strache lächelt beim Blick auf die drei verschiedenfarbigen Mülleimer, die in jedem Zimmer stehen und deren Bedeutung und Gebrauch auf Handzetteln auf Deutsch, Englisch und Arabisch erklärt werden. Mülltrennung, das weiß sie, ist für die Flüchtlinge ungewohnt, aber daran müssten sie sich alle sofort gewöhnen. Woher weiß die Mutter von sechs Kindern, die zuletzt in der Bobenheim-Roxheimer Bauabteilung tätig war, wie es in solch einer Einrichtung laufen muss? „Ich bin seit zwei Jahren ehrenamtlich in Frankenthal in der Flüchtlingshilfe aktiv“, sagt sie, „und habe einige Fortbildungen besucht, zum Beispiel über Asylrecht und interkulturelle Kompetenzen. Als das Thema in Bobenheim-Roxheim dringend wurde, habe ich den Bürgermeister gefragt, ob er mich an der Stelle gebrauchen kann.“ Handreichungen von oben (Land oder Bund) zum Betrieb eines Flüchtlingsheims gebe es nicht, sagt Strache. „Aber ,learning by doing’ ist ohnehin das Beste. So etwas kann man sich nicht in Kursen aneignen.“ Unterstützt werde sie ganz wesentlich von den Ehrenamtlichen, die sich um die rund 50 schon in der Gemeinde wohnenden Flüchtlinge kümmern. Es gebe noch mehr Menschen, die helfen wollen, „und die können wir bald gut gebrauchen“. Iris Strache nennt es „den Ehrenamtsschatz“: den Sozialverein Kunterbunt, der unter anderem im Gebäude eine Kleiderkammer betreibt, das Café International im protestantischen Gemeindehaus und all die Leute, die Deutschkurse leiten oder gemeinschaftsfördernde Aktivitäten anbieten wollen. Die Asylbewerber in allen Lebenslagen zu betüteln, hält die 52-Jährige nicht für sinnvoll. „Sich in einem fremden Land zurechtzufinden, heißt auch, sich selbst zu bemühen“, sagt sie. Hilfe zur Selbsthilfe sollte das Betreuungsziel sein. Straches Wunsch ist es außerdem, dass sich die Bewohner am laufenden Betrieb des Hauses beteiligen und beispielsweise unter sich einen Putzdienst organisieren oder auch mal Hausmeisterarbeiten übernehmen. Ein bisschen Unterstützung wird es auch vom Caritasverband geben, der einmal die Woche im Pfalzring eine Beratung in Fragen des Asylverfahrens anbietet. Im Erste-Hilfe-Raum könnten wöchentliche Sprechstunden des Gesundheitsamts stattfinden, meint Strache. Ganz viel Unterstützung leiste die Gemeindeverwaltung selbst, sagt sie. „Da ist viel Engagement im Spiel, und das Thema tangiert alle Fachbereiche.“ Dass angesichts des anhaltend starken Zustroms von Flüchtlingen nach Deutschland die Bobenheim-Roxheimer Sammelunterkunft weit mehr Menschen aufnehmen muss als derzeit vorgesehen, hält Strache für unwahrscheinlich, „denn der Vermieter hat die Belegung auf 70 Personen begrenzt“. Wie schon bei der Anwohnerversammlung Mitte September erläutert wurde, strebt die Gemeinde an, Asylbewerber nicht länger als ein Jahr im Pfalzring zu belassen, sondern sie in richtige Wohnungen zu vermitteln und die frei gewordenen Plätze wieder mit Neuankömmlingen aufzufüllen. Termin Das nächste „Café International“ findet am Montag, 12. Oktober, von 17 bis 19 Uhr im protestantischen Martin-Luther-Gemeindehaus statt. Bürger haben dann die Möglichkeit, mit in Bobenheim-Roxheim wohnenden Asylbewerbern ins Gespräch zu kommen. Essensspenden für das Büfett sind willkommen. (wek)