Neuhofen / VG Rheinauen
Helfer im Testzentrum berichten von Erlebnissen
Wenn Bürger montags und mittwochs in Neuhofen die Möglichkeit haben, einen Nachweis zu bekommen, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind oder nicht, ist Helmut Göllinger, Ehrenvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Neuhofen, sechs bis sieben Stunden inklusive Vor- und Nachbereitung im Einsatz. Der 73-Jährige leitet mit Hilfe von Sabrina Hisgen sowie Frank Markgraf, Tobias Stuhlfauth und Peter Haneder von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) das kommunale Testzentrum. Die Nachfrage ist groß: „Wir sind mit 70 Bürgern gestartet. Als die Friseure öffneten, waren 167 Menschen da und nun haben wir zwischen 100 und 150 Besucher“, sagt Göllinger. Wer getestet wurde, bekommt eine Bescheinigung über das Ergebnis, die je nach Inzidenz vor Ort für den Besuch von Geschäften oder eben Friseuren notwendig ist. Göllinger und seinem Kollegen Frank Markgraf macht die Arbeit im Team Spaß. „Jeder weiß, was er machen soll“, lobt Markgraf die Helfer, die die Bürger am Eingang empfangen, Fieber messen, die Daten aufnehmen und testen.
Fingerspitzengefühl gefragt
In der Verbandsgemeinde Rheinauen wurden in den drei kommunalen Testzentren in Altrip, Neuhofen und Waldsee bislang rund 4800 Menschen per Schnelltest auf das Coronavirus getestet. Darunter waren sieben positive Fälle, die später bei einem Arzt mittels genauerem PCR-Test bestätigt wurden. Von den Infizierten waren drei in Neuhofen. „Man braucht Fingerspitzengefühl, wenn man dem positiv Getesteten das Ergebnis mitteilt, denn die Menschen rechnen nicht damit und sind tief betroffen“, sagt der 62-jährige Frank Markgraf, der seit fast 30 Jahren bei der DLRG tätig ist und als Leiter Einsatz schon viele Krisensituationen erlebt und dadurch entsprechende Erfahrung gesammelt hat.
Den Menschen die Situation zu erklären, gehört zur täglichen Arbeit der Ehrenamtlichen im Schnelltestzentrum. Anfangs habe es wegen falscher Informationen viele Vorbehalte gegen die Tests gegeben. „Zum Beispiel, dass das Stäbchen bis ins Gehirn gesteckt wird“, sagt Markgraf und ergänzt, dass dann erklärt wurde, dass das Stäbchen nur in den vorderen Naseninnenbereich eingeführt werde. Geduld und Fingerspitzengefühl waren auch beim Testtag in der Rehbachschule sowie an den zwei Sondertesttagen für die fünf örtlichen Kindertagesstätten gefragt, als von rund 250 Kita-Kindern etwa 140 freiwillig auf das Virus getestet wurden. „Tränen und Angst waren mit Süßigkeiten, die wir bereithielten, vergessen“, sagt Helmut Göllinger.
Von den Bürgern, darunter auch einige „Stammkunden“ des Testzentrums, gibt es viel Lob für die Ehrenamtlichen. Für Neuhofen seien 54 Helfer gemeldet worden, die zum Schutz eine Corona-Impfung erhielten. Nun seien davon zirka 40 Helfer durchweg abwechselnd im Testzentrum im Einsatz. „Auf Drängen der Bürger haben wir eine Spendenkasse aufgestellt“, freut sich Helmut Göllinger über den Zuspruch. Bisher seien ein paar Euro zusammengekommen und Frank Markgraf scherzt: „Davon fliegen wir dann nach der Pandemie alle nach Mallorca.“
Die Ehrenamtlichen der DLRG und des DRK sind nicht nur im Testzentrum im Einsatz, sondern helfen auch im Schifferstadter Impfzentrum als Sanitäter mit. Zudem beginnt für die DLRG ab Christi Himmelfahrt wieder der Einsatz an den Badeseen Schlicht und Steinerne Brücke.
Ins Schwitzen gekommen
Dass das alles überhaupt möglich ist, liegt auch daran, dass passive Mitglieder zur Unterstützung bereit sind. Bei der DLRG ist das zum Beispiel Birgit Meintschel. „Ich bin schon so viele Jahre passiv dabei und jetzt muss ich auch mal was machen“, begründet die 54-Jährige ihr Engagement im Testzentrum, das ihr sichtlich Freude bereitet. „Ich kann schon immer mit Leuten, das macht mir Spaß“, sagt sie. Für ihre Schwester Sabine Hoffmann, die sich bei der DLRG unter anderem um den Schwimmunterricht kümmert, stehen die regelmäßigen Einsätze im Testzentrum außer Frage: „Es war eine klare Sache zu helfen. Ich kann das mit meinem Hauptberuf bei der Post gut vereinbaren“, sagt die 53-Jährige, die am Montag erstmals unter ihrem Schutzanzug aufgrund der warmen Temperaturen eine kurze Hose trug. „Man kommt schon ins Schwitzen“, sagt sie. Wenn Hoffmann ihren Einsatz abends beendet hat, geht sie mit ihrem Mann spazieren „und danach geht’s auf die Couch“, sagt die Ehrenamtliche und lacht. Helmut Göllinger beendet den Tag im Testzentrum immer mit einem Ritual: „Ich schicke alle nach Hause, mache eine Bestandsaufnahme und führe die Statistik“, sagt das jahrzehntelange DRK-Mitglied, dem an der Zusammenarbeit im Team besonders gefällt, dass „einfach gearbeitet wird und keine großen Worte gemacht werden“.
Öffnungszeiten
- Altrip: Bürgerhaus freitags, 16 bis 19 Uhr, und samstags, 15 bis 18 Uhr.
- Neuhofen: Bürgerhaus montags und mittwochs, 16 bis 19 Uhr – auch am Pfingstmontag geöffnet.
- Waldsee: Sommerfesthalle dienstags & donnerstags, 16 bis 19 Uhr – auch an Christi Himmelfahrt.
- Otterstadt: Dort gibt’s kein kommunales Testzentrum, dafür bietet die Zahnarztpraxis Milassin-Jung montags bis freitags, 7 bis 9 sowie 17 bis 18 Uhr, und samstags, 8 bis 10 Uhr, kostenlose Schnelltests an.