Rhein-Pfalz Kreis Heile Welt in der Psychiatrie

91-83328085.jpg

Limburgerhof/Fussgönheim. Verrückter geht es nicht: Die Geschichte einer Irrenanstalt und ihrer Insassen hat der Internationale Mitarbeiterclub (IMC) der BASF am Wochenende in Limburgerhof und Fußgönheim auf die Bühne gebracht. Die Zuschauer zeigten sich begeistert von dem Stück „Neurosigen Zeiten“, das am 20. und 21. Mai nochmal aufgeführt wird.

Der IMC tritt seit 40 Jahren in der Region auf. Nun feierte die Gruppe mit ihrem 65. Stück, einer Boulevardkomödie der Theaterautorin Winnie Abel, ihr Jubiläum. Das erfahrene Ensemble setzte das Stück „Neurosige Zeiten“, das reich an doppeldeutigen Dialogen und an komischen Einfällen ist, in bewährter Weise um und erntete dafür Riesenapplaus des Publikums. Anna Sawatzky schlüpfte in die Rolle von Agnes Adolon, die vom Besuch ihrer Mutter völlig überrumpelt wird. Denn ihre Mutter kennt weder ihren wahren Wohnort – die offene Wohngruppe der Psychiatrie Ludwigshafen – noch den Grund für diesen Wohnsitz, nämlich dass sie der Sexsucht verfallen ist. Mit Hilfe ihrer sympathischen, wenn auch etwas neurotischen Mitbewohner gaukelt Agnes ihrer Mutter (Barbara Lenz) eine heile Welt vor. Was nicht ganz einfach ist, denn Cécile Adolon, Ehefrau eines Besitzers eines angesehenen Berliner Hotels, wundert sich und gibt ihrer Tochter den Ratschlag, sich doch eine bessere Wohngegend auszusuchen. Das Publikum bei der Premiere im Limburgerhofer Kultursaal verfolgte gespannt die temporeiche Inszenierung und wurde bestens vom gekonnten Spiel des Ensembles unterhalten. Das Stück lebte durch die verrückten, aber harmlosen Insassen der Wohngruppe, die mit ihren Schrullen humorvoll und liebenswert von den Akteuren dargestellt wurden. Die Figur des Charly, der unter einer Soziophobie also Angst vor Menschen leidet, erwies sich als Publikumsliebling, was Petra Kollmann zu verdanken war, die die Figur mit viel Einsatz von Gestik und Mimik spielte. Schließlich wurde nicht nur Charly geheilt, sondern auch Marianne (Beate Bushnell), die als Stalkerin aus Liebe zu einem Volksmusikstar in der Psychiatrie landete. Eben dieser Star, Hardi Hammer, tauchte ebenfalls überraschend auf und hatte einen nicht unwesentlichen Anteil am glücklichen Ausgang des Stücks. „Es war wieder Spitze“, meinte Zuschauerin Gerda Schmitt. Die Schifferstadterin kommt immer wieder gerne zu den Aufführungen des IMC, wie sie nach der Premiere erzählte. „Die ganze Bühne lebt – alle Schauspieler sind in Bewegung“, lobte sie, hatte aber auch einen Kritikpunkt: Ab und an seien Dialoge leider nur schwer zu verstehen gewesen. „Die Zuschauer waren großartig“, sagte Regisseur Joachim Seega. Er habe nach dem Stück viele positive Rückmeldungen bekommen. „Alle waren restlos begeistert.“ Auch sein Team sei zufrieden, das Stück habe ihnen Spaß gemacht, berichtete Seega. Die Auswahl sei auf „Neurosige Zeiten“ gefallen, da es relativ viele Rollen biete: „Wir hatten eine hohe Resonanz – beim Jubiläumsstück wollten viele Leute mitspielen.“ Man müsse übrigens kein Mitarbeiter der BASF sein, um beim Theaterclub des IMC mitzumachen. Die Gruppe sei offen für alle. (mmö) Termine Weitere Aufführungstermine sind am Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, im Bürgersaal Nord in Ludwigshafen, Hemshofstraße 46a, sowie am Samstag, 21. Mai, 20 Uhr, im Gemeinschaftshaus Ruchheim, Schlossstraße 1.

x