Rhein-Pfalz Kreis Heiße Dusche für Sorgenkinder

Das Schulklima habe sich spürbar verbessert, seit die Sozialarbeiterin vor Ort ist, hat der Lambsheimer Schulleiter beobachtet.
Das Schulklima habe sich spürbar verbessert, seit die Sozialarbeiterin vor Ort ist, hat der Lambsheimer Schulleiter beobachtet. Hier spielt Corinna Weyer mit einer Klasse das Knotenspiel.

Corinna Weyer ist für Sorgenkinder und Kindersorgen im Einsatz: Erstmals hat die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim eine Schulsozialarbeiterin eingestellt, die die Grundschulen unterstützt. Seit dem 11. September pendelt Weyer zwischen den Lambsheimer, Beindersheimer, Heßheimer und Großniedesheimer Grundschulen, in denen zusammengerechnet 36 Schulklassen unterrichtet werden. So zufrieden sind Pädagogen und Eltern mit ihrer Arbeit, dass sie das vorerst auf ein Jahr befristete Pilotprojekt dauerhaft installieren möchten. „Die Chemie stimmt“, sagt sichtlich zufrieden Schulleiter Peter Bisson, in dessen Lambsheimer Karl-Wendel-Schule die 40-jährige Schulsozialarbeiterin wöchentlich einen Schultag präsent ist. Einen zweiten Tag arbeitet Weyer in der Beindersheimer Albrecht-Dürer-Schule. An den Schulen ohne Ganztagsbetreuung in Heßheim und Großniedesheim schaut Weyer jeweils an einem halben Schultag pro Woche vorbei. Bislang haben sich um die Schulmediation in Lambsheim die ehrenamtlichen Helfer der „Seniorpartner in School“ gekümmert – Senioren, die nach 80 Stunden Ausbildung stundenweise den Schülern dabei helfen, Konflikte zu lösen. Mit der Sozialarbeiterin hingegen steht den Lehrern eine erfahrene Fachkraft zur Seite: Die gebürtige Grünstadterin hat an der Fachhochschule Ludwigshafen das Diplomstudium der Sozialpädagogik abgeschlossen. Seitdem hat sie fünf Jahre im Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) gearbeitet. In dem gemeinnützigen Dienstleistungsunternehmen für Hilfsangebote war sie unter anderem in der Erziehungs- und Integrationshilfe tätig, erklärt Weyer, die selbst in der Verbandsgemeinde mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt. Die Resultate ihrer sozialpädagogischen Arbeit seien naturgemäß nicht in Zahlen zu fassen, resümiert der Lambsheimer Schulleiter nach drei Monaten. „Aber das Schulklima hat sich seit ihrem Arbeitsbeginn spürbar verbessert.“ Als neutrales Bindeglied schließe sie eine Lücke zwischen Schule, Schülern und Eltern. Die Einsatzgebiete sind komplex: „Es gibt immer wieder Kinder, die im Alltag auffallen“, umschreibt Weyer bewusst wertfrei die Schüler, welche im Ruf stehen, Störenfriede und Problemfälle zu sein. Hier tritt sie zum Beispiel als Vermittlerin in Gesprächen zwischen den Betroffenen, ihren Eltern und Lehrern auf und kann bei Bedarf Kontakte zu Beratungsstellen und Ärzten aufbauen. Neben der Hilfestellung in solchen Einzelfällen hat Weyer die jeweiligen Klassen im Blick, in denen Schüler durch Aggressivität oder Lernschwierigkeiten auffällig werden. „Ich versuche herauszufinden, wie das Gruppengefüge funktioniert, wie es dem Kind in seiner Klasse geht“, erklärt sie. Durch soziales Training in der Gruppe könnten Verhaltensänderungen eingeübt und Konflikte vermindert oder sogar vermieden werden. Als bei den Schülern beliebte Übung nennt Weyer die „heiße Dusche“, die auf positiver Verstärkung basiert: „Dabei steht jeweils ein Schüler im Mittelpunkt, dem die Mitschüler Komplimente machen. Das hilft, eigene Stärken zu entdecken und sich besser kennenzulernen.“ Denn nur derjenige käme gut in Gruppen zurecht, der sich selber gut kenne. Weyers Bilanz nach knapp vier Monaten Schulsozialarbeit in der Verbandsgemeinde? „Es macht mir Spaß und Freude. Die Arbeit ist konfliktreich, führt nicht immer in die gewünschte Richtung, aber oft.“ Dass sie dabei zwischen vier Arbeitsstellen pendeln muss, sieht sie persönlich nicht als nachteilig an. „Es sind ja kurze Wege.“ Aus fachlicher Sicht sieht das anders aus. „Zur jetzigen Situation stellt sich die Eintageregelung an den Schulen in der Schulsozialarbeit als Herausforderung dar. Um präventiv arbeiten zu können, muss eine Präsenz vor Ort sein“, heißt es in Weyers Bericht, den sie am 17. Januar dem Sozialausschuss der Verbandsgemeinde vorlegen wird. Im Klartext heißt das: Optimal wäre es, hätte jede Grundschule ihren eigenen Schulsozialarbeiter. Realistisch ist eher, dass aus dem Pilotprojekt für die vier Grundschulen ein dauerhaftes Angebot entsteht. Bislang ist Weyer beim ZAB angestellt, das die Fachkraft für ein Jahr der Verbandsgemeinde zur Verfügung gestellt hat. Da ihre Arbeit von den Lehrern, Eltern und Schülern so gut angenommen wird, ist Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) zuversichtlich, dass die Verbandsgemeinde den Vertrag übernimmt, verlängert – und ihn vielleicht in eine unbefristete Stelle umwandelt, sagt er auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Kontakt Über folgende E-Mail-Adresse können Schüler und Eltern Kontakt mit der Schulsozialarbeiterin Corinna Weyer aufnehmen: schulsozialarbeit@lambsheim-hessheim.de. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

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