Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Hausarztpraxis muss Patienten ablehnen

Hausärztemangel ist inzwischen ein großes Problem.
Hausärztemangel ist inzwischen ein großes Problem.

Neue Patienten aus anderen Gemeinden nimmt die Altriper Hausarztpraxis schon jetzt nicht mehr auf. Wird nicht erweitert, gilt das bald auch für Altriper.

Mit diesem Appell hat sich Dr. Lutz Huser, einer der Inhaber, an den Ortsgemeinderat gewandt. Huser hat die ehemalige Praxis Dr. Walter in der Speyerer Straße 2018 mit den Kollegen Ulrike und Marcel Eppinger übernommen. Das Inhaber-Trio beschäftigt zudem eine angestellte Ärztin, Verena Senzig. Gemeinsam versorgen sie nach seinen Angaben im Quartal 4000 bis 4500 Patienten, monatlich zwischen 1300 und 1500. Diese kämen zwischen ein- und zehnmal pro Quartal. „Die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte liegt also wesentlich höher, und auch das Pflegeheim in Altrip wird ärztlich fast ausschließlich von uns betreut“, hob er hervor.

Die Patienten stammten überwiegend aus Altrip, aber auch aus Nachbargemeinden wie Waldsee, Neuhofen und dem Ludwigshafener Stadtteil Rheingönheim. Aus Kapazitätsgründen könne die auch baulich vor über 50 Jahren als Einzelpraxis konzipierte Einrichtung keine neuen Patienten von außerhalb mehr aufnehmen. Erschwerend komme hinzu, dass die Arzt-Patienten-Kontakte immer komplexer würden durch Palliativ- und geriatrische Patienten. „Deshalb können wir in Zukunft wahrscheinlich auch nicht in vollem Umfang neue Patienten aufnehmen, obwohl sie aus Altrip kommen oder hierher zugezogen sind“, erklärte Huser. „Wir haben uns die ganze Zeit durchgeschlagen, aber wir sind definitiv schon über eine Grenze. Es geht nicht mehr.“ Vor diesem Hintergrund sei es umso wichtiger, die Hausarztpraxis ausbauen zu können.

Praxis-Inhaber wollen mieten, nicht bauen

Das gehe aber nur mit größeren und moderneren Räumlichkeiten. Dafür seien ein ausreichend großes Grundstück sowie ein Investor erforderlich, der ein entsprechendes Bauvorhaben umsetzt. „Die Hausarztpraxis würde dann als Mieter einziehen, selbstverständlich mit einer ausreichend langen Mietdauer“, beschrieb Huser die Vorstellungen des Inhaber-Teams. „Denn selber investieren möchten wir nicht“, sagte er.

Familie Eppinger und er seien offen für Vorschläge und wollten mit der Kommune eine Lösung finden. Huser erinnerte die Politiker daran, dass der Trend zu medizinischen Versorgungszentren und großen Ärztehäusern gehe. Bei diesem Modell seien rollatorfahrende oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten jedoch nicht angemessen berücksichtigt. „Denn wie sollen die zu einem solchen Zentrum kommen, dass zehn bis 15 Kilometer außerhalb des Orts liegt?“, fragte er. Klappe der Umzug in größere Räumlichkeiten, sei das Praxis-Team überzeugt, die medizinische Versorgung in Altrip entgegen dem Trend auch weiterhin vor Ort gewährleisten zu können. „Das würde es uns ermöglichen, zusätzliches Personal anzustellen“, nannte er als einen wichtigen Grund. Auf die bisherigen, gescheiterten Ärztehaus-Projekte wollte Huser auch aus Rücksicht auf das lange Programm des Rats nicht mehr eingehen, sondern sich auf die Zukunftschancen konzentrieren.

Bisherigen Pläne gescheitert

Zur Erinnerung: Zunächst wollte ein Investor an der Ecke Park-/Schillerstraße ein Gebäude mit Räumen für medizinische Bedarfe und Wohnungen errichten. Nach einer Normenkontrollklage hatte das Oberverwaltungsgericht den Bebauungsplan hierfür aber wegen Formfehlern aufgehoben, woraufhin der Investor das Interesse verlor. Ein zweiter Investor baut derzeit auf dem Gelände des früheren Einkaufsmarkts in der Goethestraße Wohnhäuser. In denen sollten sich ursprünglich die örtlichen Ärzte ansiedeln, die sich mit ihm aber nicht einig wurden.

Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos) wollte Husers Präsentation zunächst so stehenlassen und nichtöffentlich weitere Gespräche führen. Auf Nachfrage des Arztes, wann er damit rechnen könne („Kurz vor der Rente möchte ich das nicht mehr machen“), antwortete Mansky, das werde wohl innerhalb der nächsten vier Wochen geschehen.

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