Rhein-Pfalz Kreis Haus der Wahlverwandtschaften
Hochbetagt aus dem eigenen Haus raus zu müssen, weil es nicht mehr geht – „das ist ganz schlimm“, sagt Ruth Weber-Schädler aus Bobenheim-Roxheim. Das wollen sie und ihr Mann Arno Weber nicht erleben, deshalb haben sie schon mit Anfang 60 einen neuen Weg beschritten: Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen im barrierefreien Umfeld war ihr Ziel. Ende Oktober ziehen sie um nach Landau, weil sich ihr Projekt in Bobenheim-Roxheim nicht verwirklichen ließ.
Ruth Weber-Schädler erzählt es ohne Groll. Um in den 2012 im Baugebiet Im Sand geplanten zweigeschossigen Bauten auch das Obergeschoss barrierefrei machen zu können, mussten Dachschrägen vermieden werden. Das wäre möglich gewesen, wenn die Traufhöhe um 40 Zentimeter höher hätte sein dürfen als erlaubt. Aber gegen eine Änderung des Bebauungsplans hatten Anwohner protestiert (wir berichteten mehrfach). „Wir hätten gern in Bobenheim-Roxheim gebaut, haben hier Freizeitmöglichkeiten und Natur und leben schon 40 Jahre hier“, sagt die pensionierte Lehrerin. Über 60 Interessenten hätten sich damals gemeldet, sogar aus der Mainzer Gegend. „Einige Bobenheim-Roxheimer haben dann ihre Häuser so gut es geht barrierefrei umgebaut, andere haben sich nach einer neuen Wohnung umgeschaut“, weiß Ruth Weber-Schädler. Das Ehepaar gab seine Idee vom Altersruhesitz jedoch nicht auf, sondern schaute sich nach Grundstücken um und nach für die Idee offenen Kommunen. In Landau passte alles am besten zusammen: Flächen im landeseigenen ehemaligen Garnisonsgelände gab es zu vernünftigen Preisen, und der Wohnpark am Ebenberg, der an das Gartenschaugelände grenzt, ist nur rund zehn Fußminuten von der Innenstadt entfernt. Zudem hatten sich dort bereits andere Baugemeinschaften mit unterschiedlichen Wohnvisionen gefunden: Die einen planten Wohnhöfe für junge Familien, die anderen generationenübergreifend, wieder andere mit energetischen oder künstlerischen Schwerpunkten, nennt Ruth Weber-Schädler Beispiele. In Landau hat das Ehepaar „zu 95 bis 98 Prozent“ das Projekt gefunden, das ihren Vorstellungen entsprach. Neun Parteien im Alter zwischen 39 und 78 Jahren haben gemeinsam gebaut, um Kosten zu sparen, und sind Eigentümer ihres konkreten Grundstücksanteils und ihrer Wohnung. „Und es passt“, sagt die Bobenheim-Roxheimerin über die Menschen, die sich schon in der Planungsphase zusammenraufen mussten, um das eine oder andere Problem zu lösen. Umgesetzt haben die Ideen die beiden Architekten Peter Fern und Esther Karcher. Ähnlich wie für Bobenheim-Roxheim vorgesehen, besteht der Wohnkomplex aus zwei jeweils zweigeschossigen Häusern plus Penthouse, insgesamt sind es also jeweils vier Ebenen. Verbunden sind beide Gebäude durch den Aufgangsturm mit Treppen und Aufzug. Große Balkone, die bepflanzt werden, sollen die Wohnbereiche zum Aufgangsturm hin abschirmen. Eine Tiefgarage sowie Stellplätze sind vorhanden, geheizt wird mit Fernwärme. Auf jeder Ebene eines Gebäudes ist eine Wohnung, die Grundfläche von 125 Quadratmetern ist von Stockwerk zu Stockwerk individuell unterteilt. In einem Fall teilen sich zwei Frauen ein Stockwerk mit zwei Wohnungen. „Wie in einem freistehenden Haus hat man alle vier Himmelsrichtungen“, schwärmt Weber-Schädler. Außerdem: große bodengleiche Dusche, Waschbecken zum Unterfahren für den Rollstuhl, kippbare Spiegel, breitere Türen, Fenstergriffe und Küchenelemente, die man auch vom Rollstuhl aus bedienen kann. „Das alles im bestehenden eigenen Haus zu realisieren, rechnet sich nicht“, sagt Weber-Schädler. Die Kosten für ihr neues Heim vergleicht sie mit denen für ein Fertighaus. Gemeinsam müsse die Baugruppe nun eine Hausordnung ausarbeiten und Dienste wie Rasenmähen extern vergeben, damit es wegen etwaiger Unzuverlässigkeit der Bewohner nicht zum Streit kommt. Und man müsse auch schauen, wie man Rücklagen schafft für den Fall, dass Reparaturen anstehen. Ruth Weber-Schädler und ihr Mann freuen sich auf den Umzug: „Man hat Rückzugsmöglichkeiten wie im eigenen Haus, aber auch die Möglichkeit, mit anderen etwas gemeinsam zu tun.“