Bobenheim-Roxheim Hat Wormser Bischof Roxheimer Kirchlein geweiht? – 1000. Todestag
Laut zeitgenössischer Literatur ein Hesse von „nicht ganz geringer Abkunft“, nahm Burchard I. bereits in der Mainzer Erzdiözese verantwortliche Aufgaben wahr. So erschien er geeignet, im Jahr 1000 von Kaiser Otto III. zum Bischof von Worms ernannt zu werden. Im ostfränkisch-deutschen Reich hatten weltliche Herrscher damals religiöse Befugnisse.
Für die Bewohner der Orte Roxheim, Bobenheim, Littersheim und Mörsch sowie weiterer Landgemeinden hieß es nun: Ärmel hochkrempeln! Denn eine von Burchards ersten Verwaltungstätigkeiten war es, die 100 Jahre alte „Wormser Mauerbauordnung“ von Bischof Thietlach „wiederzubeleben“. Eine Mindermeinung in der historischen Forschung schreibt diese Ordnung sogar Burchard selbst zu. Sie verpflichtete die Menschen der Wormser Umlanddörfer zur Instandhaltung und notfalls Verteidigung exakt abgegrenzter Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Dafür fanden sie in Gefahrenzeiten mit ihrer beweglichen Habe hinter der Stadtmauer Zuflucht.
Doch auch ohne Krieg herrschten in der Region damals Mord und Totschlag. Einmal, so ist es urkundlich belegt, wurden in einem einzigen Jahr 35 Leute umgebracht. In kürzester Zeit beendete der neue Bischof dieses Treiben durch „polizeiliche“ Maßnahmen. Und er brachte die Rechtsüberlieferungen in schriftliche Form; daran hatten sich jetzt Adelsgeschlechter ebenso zu halten wie Bauernfamilien.
Wohlstand nach damaligem Maßstab bewirkte Burchard durch eine Währungsumstellung. Funde belegen, dass Geld im Bistum Worms jener Tage weiter verbreitet war als anderswo im Reich, selbst auf dem Land. Dabei kannte ganz Europa fast nur Tauschwirtschaft.
Die religiöse Versorgung seiner Gläubigen, auch in den Dörfern, lag diesem Bischof, der nicht nur den Dom erneuern ließ, besonders am Herzen. Folgt man alter Wormser Reliquien-Überlieferung, könnte er zu Beginn seiner Amtszeit auch die Konsekration des Roxheimer Holzkirchleins St. Maria Magdalena höchstselbst vorgenommen haben. Urkundlich erwähnt ist dieses Gotteshaus erstmals 1001.
Im herabgewirtschafteten bischöflichen Eigenkloster Maria Münster setzte Burchard seine Schwester Mathilde als Äbtissin ein, die es gründlich renovierte. Zur Versorgung der Nonnen diente zunächst ein Hof in Littersheim, später der ganze Ort. Von diesem untergegangenen Dorf ist das von Heyl’sche Landgut geblieben, das bis dato Nonnenhof heißt.
Bemerkenswert ist Burchards Schrifttum zur Beichte. So hielt er seine Pfarrer an, in Fällen von Empfängnisverhütung zu differenzieren. Ausschlaggebend sei, ob eine Frau die berechtigte Sorge habe, ein weiteres Kind nicht mehr ernähren zu können. Den nur schwach verbreiteten Hexenaberglauben hingegen kennzeichnete Burchard als arge Sünde. Was hätte der kluge Bischof erst 500 Jahre später gesagt, als im sogenannten Zeitalter des Humanismus die Scheiterhaufen brannten und Katholiken wie Protestanten einander Nachlässigkeit beim Ausrotten der sogenannten Hexen vorwarfen?