Rhein-Pfalz Kreis Hürden auf Weg zu selbstständigem Leben
SCHIFFERSTADT/LIMBURGERHOF. Zu enge Türen, zu viele Treppen, zu breite Straßen, zu hohe Regale im Supermarkt, zu klein geschriebene Schilder – es gibt viele Hindernisse für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Deren Belange haben gestern im Mittelpunkt eines Aktionstags im Rhein-Pfalz-Kreis gestanden. Der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch hat sich dafür in Schifferstadt, Limburgerhof und Bobenheim-Roxheim umgesehen.
Ein Fazit des Aktionstags zog Arno Weber, der Behindertenbeauftragte des Rhein-Pfalz-Kreises, bereits am Mittag: Es helfe, Netzwerke zu knüpfen, Kontakte zu pflegen und miteinander zu reden. Selbstbestimmtes Leben, Wohnen und Arbeiten für Menschen mit Behinderungen: Das scheitert nicht selten am Mangel an barrierefreiem, aber auch bezahlbarem Wohnraum. Das wurde in der Diskussion im Wohnhaus der Lebenshilfe in Schifferstadt deutlich, eine der Stationen auf Röschs Tour. „Früher hat man gedacht, man baut eine Rampe und das ist dann barrierefrei“, sagte Landrat Clemens Körner (CDU). Dass dabei viel mehr beachtet werden müsse, allein schon wegen der vielen Arten von Beeinträchtigungen, habe sich erst entwickelt. Das Problem: Barrierefreier Wohnraum ist teuer. Arno Weber sieht hier auch den Kreiswohnungsverband als Ansprechpartner. Dessen Bestand stammt zum großen Teil aus der Nachkriegszeit, diese Wohnungen nachträglich umzubauen sei kostspielig, gab Körner zu. Für sozialen Wohnungsbau gebe es keine Programme mehr. Bei Neubauten würden inzwischen andere Richtlinien in Sachen Barrierefreiheit angelegt. Neue Unterkünfte sind teuer, „wir brauchen jedoch erschwingliche Wohnungen“, sagte Matthias Rösch. Es gebe eine Förderung vom Land. „Ganz wichtig ist, dass Kommunen und Kreise mitmachen“, ergänzte er. Gemeinden könnten beispielsweise über den Bebauungsplan oder durch Verträge mit Investoren festschreiben, dass in Baugebieten ein bestimmter Anteil an bezahlbaren barrierefreien Wohnungen festgeschrieben werde. Wie schwierig es ist, eine solche zu finden, schilderte Ute Germann, die Behindertenbeauftragte der Verbandsgemeine Römerberg-Dudenhofen, aus eigener Erfahrung. Sie sucht seit zehn Jahren eine passende Bleibe. Selbst vorgeblich barrierefreie Räume hätten da ihre Tücken. Und seien zu teuer. „Das Problem ist oft, wer baut und wer vermietet“, ergänzte Gerhard Wissmann, Behindertenbeauftragter in Schifferstadt. In die Planungen sollten die Erfahrungen Betroffener einfließen. Schließlich gebe es viele Facetten des Wohnens für Behinderte, bekräftigte Arno Weber. In der benachbarten Trainingswohngruppe am Waldspitzweg wird beispielsweise selbstständiges Leben geübt, um geistig Behinderte auf ein Leben in der Wohngruppe oder sogar in den eigenen vier Wänden vorzubereiten. Vier Personen leben dort gleichzeitig für ein bis zwei Jahre, sagt Tobias Niedermeier, Leiter des Services „Leben wie ich will, Assistenz nach Maß“ der Lebenshilfe. Rund 30 wurden in den vergangenen elf Jahren auf ein „ganz normales Leben“ vorbereitet. Zu selbstbestimmtem Leben gehört auch, seine Besorgungen weitgehend selbst erledigen zu können. Vor dem Abstecher nach Schifferstadt hatte die Delegation um Rösch den Globus-Markt in Bobenheim-Roxheim besucht. Denn die dortige Marktleitung hat eine Zielvereinbarung für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung abgeschlossen, den Markt entsprechend umgestaltet und Mitarbeiter auf die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung geschult. Ein Beispiel, das Beifall gefunden hat. Am Nachmittag, nach einem gemeinsamen Essen von Gästen und Bewohnern bei der Lebenshilfe, stand ein Besuch bei der Firma Cibek in Limburgerhof auf dem Programm und damit die Frage der technischen Unterstützung von beeinträchtigten Personen. Das Unternehmen im Mühlweg ist Spezialität für Gebäudetechnik und bietet Konzepte und Geräte an, die Älteren oder Behinderten ermöglichen sollen, in den eigenen vier Wänden und selbstständig leben zu können. Zum Abschluss des Aktionstages stand Matthias Rösch im Schifferstadter Rathaus bei einer offenen Bürgersprechstunde als Ansprechpartner zur Verfügung.