Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Hühner in der Mutterstadter Gesamtschule

Isabel (links, hockend), Dominik (2.v.l.) und Philipp sehen bei den Hühnern nach dem Rechten.
Isabel (links, hockend), Dominik (2.v.l.) und Philipp sehen bei den Hühnern nach dem Rechten. Foto: sud

Theorie und Praxis können bekanntlich weit auseinanderliegen. Das gilt oft bei Schulthemen. Dass es auch anders geht, beweist die Integrierte Gesamtschule (IGS) Mutterstadt. Die Schüler beherbergten im Schulgarten zwei Wochen lang ganz besonderer Gäste. Und die sorgten für Überraschungen und olfaktorische Erkenntnisse.

Mutterstadt. Für die Ökologiekurse der achten Klassen stehen Landwirtschaft und Tierhaltung auf dem Lehrplan. Eines der Nutztiere, die dabei besprochen werden, ist das Huhn. Und um mehr über dessen Haltung, Bedürfnisse und Verhalten zu erfahren, mussten die Schüler in den vergangenen Wochen lediglich über den Schulhof gehen. Denn im Schulgarten wohnten zeitweise drei Hühner, die sich die IGS beim Sonnenhof in Hochdorf-Assenheim ausgeliehen hat. Finanziell ermöglicht hat das der Freundeskreis der IGS.

Statt im Klassenzimmer in Bücher zu schauen, gingen die Schüler immer mal wieder zum kleinen Gehege, dass mittels Steckzäunen und Netzen errichtet worden war. Eine der beliebtesten Aufgaben: nachsehen, ob die drei Hennen Eier gelegt haben. Sechstklässler Dominik etwa konnte sich freuen, als er an der Reihe war. Er entdeckte gleich zwei Eier in mobilen „Stall“. Für viele Schüler sei es eine wertvolle Erfahrung gewesen, mitzuerleben, was Hühner zum Leben benötigen und wo die Eier herkommen, berichtete Ökologie-Lehrerin Lisa Braun. „Die Eier gibt’s im Supermarkt“, umschrieb sie die bis dahin häufig vorherrschende Vorstellung. Ihr Kollege Stefan Johann, dessen Zehntklässler ebenfalls Dienste bei den Hühnern übernahmen, ergänzte: „Meine Schüler waren tatsächlich enttäuscht, wie wenig Eier die Hühner legen.“ Und viele hätten keine Vorstellung davon gehabt, wie es im Stall vor dem Saubermachen rieche.

„An Anfang waren sie schüchtern“

Doch es gab auch echte Experten unter den Schülern. „Ich habe selber Hühner“, verriet Emilie aus der Klasse 8c. Der 13-Jährigen hat das Projekt sehr gut gefallen. „Es macht mehr Spaß, als nur im Theoretischen zu arbeiten“, sagte die Schülerin. Auch Jonas aus der 8d hatte den Eindruck, dass sich die meisten seiner Mitschüler über die Hühner in der Schule gefreut haben. Er selbst fand es spannend, die Tiere hautnah zu erleben. „Am Anfang waren sie ein bisschen schüchtern“, schilderte er seine Beobachtungen. „Aber dann haben sie teilweise auch versucht, Schuhe und Stifte anzupicken.“

Die Dienste waren gleichmäßig auf die verschiedenen Jahrgänge verteilt. „Wir haben saubergemacht, die Eier aus dem Stall geholt und den Hühnern Futter und Wasser gegeben“, erklärte Zehntklässler Quentin. Abends musste der kleine Stall verschlossen werden, und auch am Wochenende musste sich jemand um die Tiere kümmern. Schüler, Lehrer, Eltern und der Hausmeister haben mitgeholfen, damit es den Hühnern an nichts fehlte. „Ich fand es toll, weil es ein richtiges Gemeinschaftsprojekt war“, erzählte Lisa Braun begeistert.

Manchen Schülern sind die Hühner so ans Herz gewachsen, dass sie ihnen sogar Namen gegeben haben. Bei den Achtklässlern etwa hießen die tierischen Gäste Ute, Schabi und Horst. Ob es Henne Horst etwas ausgemacht hat, dass sie mit diesem eindeutig männlichen Namen gerufen wurde, weiß keiner so genau. Deutlich zu beobachten war hingegen, welches Huhn im Gehege die Hosen anhatte. „Wir haben die Hackordnung getestet“, berichtete Lisa Braun. Und bei der Verteilung von leckeren Würmern habe das Huhn mit den dunklen Federn eindeutig den Schnabel vorn gehabt.

Es schmeckte nicht so sehr nach Ei

Auch die Eier hat Lisa Braun mit ihren Schülern genauer unter die Lupe genommen. Bei einer Blindverkostung konnten die Eier aus dem Schulgarten vor allem beim Geruch und Aussehen punkten. „Der Geschmackstest ist nicht ganz eindeutig ausgefallen“, berichtete die Lehrerin. Den Schülern zufolge habe das Gartenei „nicht so sehr nach Ei“ geschmeckt. Ihre Erklärung: „Industrieeier schmecken aufgrund des speziellen Futters oft intensiver, und der Geschmack ist den Schülern auch eher bekannt.“

Nach dem Hühner-Projekt könnte sich Emilie gut vorstellen, dass auch einmal Schafe, Ziegen oder Hasen im Schulgarten einziehen. Schulleiter Jens Pellkofer gab zwar zu bedenken, dass man solche Tiere nicht dauerhaft anschaffen könne, meinte aber auch: „Für Ideen sind wir offen.“ Schließlich sei es ein Ziel der IGS, die Schüler an das Thema Natur heranzuführen und Leben in die Schule zu bringen.

Hühner mieten

Hühnern wird eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Wer diese Erfahrung selbst einmal machen möchte, kann sich beim Sonnenhof in Hochdorf-Assenheim einfach für eine oder mehrere Wochen Hühner ausleihen. Unter dem Namen „Hühner auf Reisen“ vermieten Rita und Jürgen Bergtholdt seit diesem Jahr ihre Tiere – an Privatpersonen, Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime. Ein kleiner Stall, Steckzäune, Netze, Einstreu, Futter und Tränke werden mitgeliefert.Rund 15 Quadratmeter Fläche sowie ein nicht befestigter, trockener Boden sind die Voraussetzung, um das Federvieh mieten zu können. Für 110 Euro darf man drei Hühner eine Woche lang beherbergen und sich an ihrem Anblick erfreuen. Je länger man die Hühner mietet, umso günstiger werden die weiteren Wochen. Von Dezember bis Februar haben die Miethühner allerdings erst einmal Winterpause.

Weitere Infos im Netz unter www.huehner-auf-reisen.de oder per Telefon bei Rita Bergtholdt unter 0160/93878618.

Das geviertelte Ei ist von den gemieteten Hühnern, das halbierte rechts ist gekauft.
Das geviertelte Ei ist von den gemieteten Hühnern, das halbierte rechts ist gekauft. Foto: braun, frei
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