Rhein-Pfalz Kreis Hälfte der Jungtiere verendet
Bobenheim-Roxheim/Schifferstadt. Im Nest ist es nicht so kuschelig, wie man sprichwörtlich meint. Nässe und Kälte sind dem Storchennachwuchs in diesem Jahr zum Verhängnis geworden. Mit 17 Tieren hat im Vogelpark in Bobenheim-Roxheim nur die Hälfte der Jungen überlebt. Eines wurde zuletzt noch aufgepäppelt. Im Schifferstadter Vogelpark sind nur zwei von fünf Eiern ausgebrütet worden. Den beiden Jungstörchen geht es nun aber prächtig.
Am Ende konnten die Vogelhüter in Bobenheim-Roxheim das Elend nicht mehr mit ansehen und schritten zur Tat. Ein Jungvogel im Vogelpark, der völlig verschmutzt im Horst zu verenden drohte, wurde aus dem Nest geholt und in den vergangenen vier Wochen gepflegt. „Das macht man eigentlich heute nicht mehr, weil sich die Population der Störche inzwischen erholt hat. Früher hätte man jeden Jungvogel zu retten versucht“, erzählt Rainer Berenz vom Vogelpark. Dieses Jahr seien allerdings so viele gestorben, dass man sich nun doch um einen kümmerte. „Er war so lädiert, er hätte das nicht überlebt.“ Seine Eltern fütterten ihn zwar, aber der Schnabel war so voller Schlamm, dass er gesäubert werden musste. Madenbefall wurde rausgewaschen. Dank Eintagsküken und Fischen kam das Tier wieder zu Kräften. Fragt sich, wie ein Horst so verschlammen kann, dass die Kleinen darin umkommen? „Die Störche verbauen alles Mögliche: Plastiktüten, Grasbüschel, an denen noch Erde hängt. Bei starkem Regen kann dann das Wasser nicht ablaufen und sammelt sich im Nest“, erklärt Berenz. Davon weiß auch Peter Tiesler, Vorsitzender des Schifferstadter Vogelparks, zu berichten. Mit einer Leiter kletterte er zum Nest in zwölf Metern Höhe. „Innen war alles verklebt, Stroh und Heu hatten das ganze Wasser aufgesogen“, erzählt Tiesler. Vor allem die ersten vier bis sechs Wochen nach dem Schlüpfen seien für Storchenbabys kritisch, sagt Berenz. Denn da fehle ihnen noch das Federkleid, das sie später vor der Witterung schützt. „Wenn es dann immer wieder regnet, unterkühlen die Tiere.“ Vor allem um die Eisheiligen im Mai herum, wenn nach alter Bauernregel noch einmal der Frost droht, gebe es immer Verluste beim Storchennachwuchs. In Schifferstadt hingegen waren – wohl auch aufgrund der Nässe – nur zwei von fünf Eiern ausgebrütet worden. Andere Faktoren, die die Vögel schwächen können, kommen noch dazu: Parasitenbefall oder Unterernährung, falls die Eltern aufgrund des Wetters wenig geeignetes Futter finden. Im Schifferstadter Vogelpark wurde deshalb dreimal täglich mit Eintagsküken zugefüttert. Trotz der vielen Verluste: Auch Bobenheim-Roxheim kann auf seine „mittlerweile stattliche Storchenpopulation“ stolz sein, meint Berenz. In diesem Jahr besetzten die Vögel 18 Horste in der Gemeinde, wobei immer mehr Nester auch außerhalb des Vogelparks gebaut werden. Mehrere Masten wurden in den vergangenen Jahren extra aufgestellt, um die Tiere wieder anzusiedeln. Weit mehr als 30 der Wandervögel brüten inzwischen in Bobenheim-Roxheim. Ein Paar legt normalerweise zwei bis sieben Eier und zieht seinen Nachwuchs zwei Monate lang im Horst groß. Berenz und Tiesler haben beide beobachtet, dass die Jungtiere auf Nahrungssuche auch schon weitere Wege zurücklegen. Bis es sie letztlich in den Flügeln juckt, und sie zum Überwintern noch weiter nach Süden auf die iberische Halbinsel oder jenseits der Sahara nach Senegal fliegen. Der Jungvogel, der in Bobenheim-Roxheim gerettet wurde, darf mitziehen. „Er will schon raus, das merkt man. Bestimmt fliegt er in den nächsten vier Wochen ab“, sagt Berenz. „Aber er ist noch ein ungeübter Flieger.“ Einen Namen bekam er von seinem Pfleger nicht, aber er wurde wie die anderen 16 überlebenden Jungvögel und die beiden Jungtiere aus Schifferstadt beringt und mit einer Nummer versehen. Die will sich Berenz merken, bevor er das Tier freilässt. Denn wer weiß, wo es im nächsten Jahr wieder auftaucht? Ein anderes aufgepäppeltes Exemplar fand ein neues Sommerdomizil bei Rostock.