Rhein-Pfalz Kreis „Grundwasser als Wärmequelle noch weitgehend ungenutzt“
«Lambsheim/Hessheim.» Rosemarie Lindhorst bemüht sich seit Mitte Juli im Auftrag der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim um den Schutz des Klimas. Die Bandbreite ihrer Aufgaben ist groß, doch in der Energieeinsparung sieht sie das große Ziel am effizientesten verfolgt. Derzeit versucht sie, Landwirte und Winzer davon zu überzeugen.
Rosemarie Lindhorst ist nach dem vorzeitigen Weggang von Ulf Gutermann und Ralf Monecke die dritte Fachkraft für Klimaschutz in der Verbandsgemeindeverwaltung. Als „Überzeugungstäterin“ lässt sie sich die schlechte Rahmenbedingung, eine bis Ende Januar befristete 0,6-Stelle, nicht anmerken. Sie jammert nicht. Sie redet schnell und ist fix im Thema. In dem kleinen Büro in Heßheim lodert ihr Feuer für den Klimaschutz. „Ich will umsetzen, egal wie groß die Projekte sind“, sagt sie. Knackpunkte und Probleme müssten offen angesprochen werden, betont sie mit Nachdruck, bevor ihr überhaupt die erste Frage gestellt wird. „Regionaler Klimaschutz ist Wirtschaftsförderung“, sagt Rosemarie Lindhorst. Und das beschränkt sie nicht nur auf Aufträge von Kommunen und Privatleuten an lokale Betriebe. Sondern weil sich Investitionen auszahlten, würden Finanzmittel in der Region frei, so meint sie das. An die erste Stelle ihrer Bemühungen stellt sie das Ziel der Energieeffizienz und der Energieeinsparung. Lindhorst weiß, dass die persönlichen Kontakte wichtig sind. Das kostet Zeit. Briefe schreiben bringe nicht viel. Eines ihrer konkreten Projekte in der Verbandsgemeinde widmet sie gerade den Landwirten und Winzern. Zu ihnen hat sie die „Energiekarawane“ der rheinland-pfälzischen Energieagentur geschickt. Ein kostenloser Energiecheck soll den Betrieben Sparpotenziale aufzeigen. „Da bin ich schon auf offene Ohren gestoßen“, sagt die Klimaschutzmanagerin. Doch es gelte, das Vertrauen zu gewinnen, damit der Einblick in die Betriebe gewährt werde. Vorzeigeprojekte sollen her. Die Mundpropaganda sei dann die beste Werbung, ist sich Lindhorst sicher. Fünf bis zehn Prozent Energieeinsparung seien immer möglich, ohne dass groß investiert werden müsse. Ein Grund, warum die Agrarwissenschaftlerin, die ihr Alter nicht verraten will, heute auf lokaler Ebene tätig ist, liegt darin, dass sie nicht nur Papiere entwickeln, sondern umsetzen will. Ihr Leitspruch frei nach Johann Soder, dem Geschäftsführer von SEW Eurodrive, eines Unternehmens für Antriebstechnik, lautet: Man kann oft auf Kongresse gehen und Informationen sammeln. Irgendwann muss es an die Umsetzung, in den Muskel, gehen. Das war bei einem ihrer früheren Jobs, bei der Energieagentur in Sachsen-Anhalt, für sie anders. Dass sie als Einzelkämpferin wenig erreichen kann, sei ihr klar. Sie müsse andere mitnehmen und Netzwerke sowie insbesondere Vorzeigeprojekte schaffen. Sie will dazu animieren, sich zu engagieren. Die Zusammenarbeit müsse über die VG-Grenzen hinausgehen, meint Lindhorst. Im Verbandsgemeinderat sieht sie Kompetenz für das Thema und Unterstützung für ihr Anliegen. Handwerksbetriebe könnten ihrer Ansicht nach noch mehr mitziehen. Viele Förderprogramme seien kompliziert anzusprechen, sodass schnell der Überblick verloren gehe, vielleicht auch das Interesse schwinde und damit interessante Projekte nicht umgesetzt würden. „Klimaschutz muss sich auszahlen, gewinnbringend sein“, so ihre Überzeugung. Viel Potenzial sieht sie in den Gebäuden. 29 Prozent der Treibhausgase werde durch den Gebäudebestand verursacht. Deshalb sei die energetische Sanierung ein gutes Feld für den Klimaschutz. Regelmäßig die Dichtungsgummis an den Fenstern wechseln oder die Pumpe der Heizung austauschen: Aus der Klimaschutzmanager sprudelt geradezu heraus, wie sie sich für die Haushalte schnell umsetzbare kleinere Handlungsmöglichkeiten vorstellt. In etwas größerer Dimension ist ihre Überzeugung: „Dezentrale Energiegewinnung muss die Zukunft sein.“ Die Windräder habe jeder vor Augen. Diese würden in Zukunft weniger, dafür leistungsstärker. Viele Fotovoltaikanlagen gebe es inzwischen im VG-Gebiet, und sehr effektiv sei das Deponiegas. Weitgehend ungenutzt sei dagegen die Wärmegewinnung aus dem Grundwasser und der Luft. „Mit dem Wasser sitzt man hier auf einer Goldader, was die Wärmegewinnung angeht“, sagt Lindhorst. Bei Erdwärme müsse genau untersucht werden, wie dieses Potenzial genutzt werden könne. Ganz klar ist für sie: „Profiteure des Klimaschutzes sind alle Bürger.“ Deshalb sei der Klimaschutz im allerbesten Sinne eine verbandsgemeinschaftliche Aufgabe.