Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Grundschulleben: Alle Kinder sollen am Ende schwimmen können

Anja Blum lässt auf dem Spiel- und Sportgelände in Lambsheim einen Delfin steigen. Was bedeuten soll, dass die Karl-Wendel-Schul
Anja Blum lässt auf dem Spiel- und Sportgelände in Lambsheim einen Delfin steigen. Was bedeuten soll, dass die Karl-Wendel-Schule großen Wert auf Schwimmunterricht legt.

Grundschulleben (5): Das Kollegium sei hoch motiviert, neue Ideen auszuprobieren, sagt Anja Blum, und das glaubt man nur zu gern, wenn sie die Lambsheimer Karl-Wendel-Schule beschreibt. Seit über acht Monaten führt sie wegen des Fehlens von Rektor Peter Bisson die Ganztagsschule und sprüht förmlich vor Begeisterung.

Eigentlich kann man es sich denken beim Überblick über das große Schulgelände mit DFB-Minispielfeld und einer Vielzahl an Geräten und Installationen: Die Lambsheimer Grundschule, neben der Rheinschule in Bobenheim-Roxheim die größte im Frankenthaler Umland, legt viel Wert auf Sport, Spiel und Bewegung. Die drei Wörter kommen auch im Titel eines Zertifikats vor, das die Karl-Wendel-Schule (KWS) im Jahr 2022 vom Land bekommen hat. Konrektorin Anja Blum zählt auf, was zur sportlichen Grundschule in einem Dorf mit mehreren, teils großen Sportvereinen und einem Hallenbad am Ortsrand dazugehört.

Da seien zum einen die „bewegten Pausen“ auf dem großen Schulhof mit Möglichkeiten zum Klettern, Balancieren, Tischtennis- und Basketballspielen. „Der Förderverein der Schule hat jeder Klasse eine große Kiste mit Bewegungsspielen spendiert“, die bei den Kids hoch im Kurs steht“, berichtet Anja Blum. Es gebe in den Klassenstufen 3 und 4 durchgängig Schwimmunterricht, was in Rheinland-Pfalz sehr selten sei, sagt Blum und bringt den Lambsheimer Weiher ins Spiel: „Wir möchten kein Kind aus der Grundschule entlassen, das nicht schwimmen kann. Das gelingt fast immer.“

Bundesjugendspiele, Sportabzeichen und Aktionstage, etwa im Handball, Basketball, Ropeskipping, sind sozusagen Standard, und besonders stolz ist Blum auf die regelmäßige Teilnahme der KWS-Kinder an den Sportfesten des Rhein-Pfalz-Kreises. Die gibt es unter anderem in Leichtathletik, Schwimmen, Fußball. AG-Angebote macht die Schule den Mädchen und Jungen auch im Hockey, Klettern, Tanzen und Karate.

Werkraum wird zum „Makerspace“

Schwerpunkt Schulsport, das heißt nicht, dass andere Lernfelder außerhalb des Unterrichts im engeren Sinn ignoriert werden. Es gebe auch musisch-künstlerische Arbeitsgemeinschaften, „und fürs kommende Schuljahr ist der Umbau des Werkraums zum ,Makerspace’ geplant“. Blum nennt Stichworte aus der modernen Pädagogensprache: MINT-Didaktik, Engineering Education und „make.code.create“, ein Förderprogramm des Bildungsministeriums. Um es kurz zu machen: Es geht ums Programmieren und ums Experimentieren mit Digitaltechnologien wie Plotten und 3D-Druck.

Die in der Regel vierzügige Grundschule in der Neustadter Straße erwartet Ende August 90 Erstklässler, damit wird sich laut Blum die Gesamtzahl der Karl-Wendel-Schüler bei rund 300 bewegen. Mit Wissen versorgt werden sie von 18 Lehrerinnen und Lehrern, hinzu kommen eine Referendarin, eine pädagogische Fachkraft, ein Pfarrer und der ebenfalls unterrichtende Rektor, sofern er an die Schule zurückkehrt. Über ihr Kollegium, den Schulelternbeirat und den Förderverein spricht die stellvertretende Schulleiterin, die in Lambsheim wohnt, in den höchsten Tönen. Eine „heile Welt“ sei das hier, in der alle „echt Spaß zusammen haben“.

Die 49-jährige Mutter dreier Kinder ist seit mehr als 13 Jahren an der KWS und war vorher sechs Jahre lang an Brennpunktschulen in Mannheim und Ludwigshafen. „Wir haben es echt gut hier in Lambsheim“, sagt sie. Das bekommt sie offenbar von den Kollegen gespiegelt. Als die Schulküche, ein Überbleibsel aus der Zeit der KWS als Hauptschule, an einem Freitagnachmittag ausgeräumt und neu bestückt werden sollte, seien alle 20 Lehrkräfte dabei gewesen, „damit hatte ich nicht gerechnet“, so Blum.

Mittagessen läuft jetzt anders

Unterstützt wird das Kollegium durch die Schulsozialarbeiterin, einen ehrenamtlichen Schulmediator, drei bis vier PES-Kräfte und zwei junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr. Und neben dem Hausmeister gehören auch die von der Verbandsgemeinde angestellten Kräfte in der Betreuenden Grundschule zum KWS-Kosmos. Montags bis freitags können die sogenannten Halbtagskinder vor und nach dem Unterricht (bis 14 Uhr) noch in der Schule bleiben und in der Mensa der Ganztagskinder mitessen.

Mittelpunkt der Grundschule: die Mensa. Hier finden aber auch Blutspendetermine und der Neujahrsempfang der Gemeinde statt.
Mittelpunkt der Grundschule: die Mensa. Hier finden aber auch Blutspendetermine und der Neujahrsempfang der Gemeinde statt.

Apropos Mensa: Auch hier kann Anja Blum Neues berichten: „Wir haben kürzlich das Konzept geändert: Statt für ihr Essen anzustehen und sich einen Essensplatz zu suchen, gibt es jetzt feste Sitzplätze, und das Essen wird in Schüsseln für den jeweiligen Tisch geholt.“ Damit fühlten sich alle wohler, meint die Konrektorin, und der Job des „Küchenchefs“, der an seinem Tisch fürs Essenholen und Saubermachen zuständig ist, sei ziemlich begehrt.

Umgebaut oder saniert wird in diesen großen Ferien an der Lambsheimer Grundschule vonseiten des Schulträgers nichts, nur die dort untergebrachte Bücherei der Ortsgemeinde wird erweitert. Und zwei unabhängig voneinander aufgetretene Wasserschäden haben das Raumkonzept durcheinandergebracht: Zwei Kindergartengruppen mussten in der Schule untergebracht werden, und zwei Klassenräume stehen bis zum Abschluss der Reparaturen nicht zur Verfügung. Aber ansonsten ist Anja Blum zufolge die Welt in Ordnung. Wie sehr sie ihren Job und die Führungsaufgabe mag, bringt sie so zum Ausdruck: „Jeden Morgen freue ich mich auf einen neuen Schultag. Langweilig war es hier noch nie, jeder Schultag gleicht einer neuen Wundertüte.“

Die Serie

Es sind Sommerferien, doch das heißt nicht, dass Lehrer sechs Wochen lang die Füße hochlegen oder durch die Welt reisen können. Wenn es um die Bildungschancen von Kindern geht, gibt es immer was zu tun und zu bedenken. In der Serie „Grundschulleben“ blicken wir mit Rektorinnen und Rektoren im Frankenthaler Umland voraus auf das Schuljahr 2024/25.

x