Rhein-Pfalz Kreis „Große Bühne, große Show“
«Lambsheim.»Fast 500 Leute haben am Mittwochabend in der Beachbar am Lambsheimer Nachtweideweiher den Einzug der kroatischen Fußballnationalmannschaft ins WM-Finale gefeiert, sagt Srecko Marusic. Der Betreiber der Beachbar stammt aus Kroatien und erzählt im Interview, was seine Gäste am Sonntag beim Endspiel erwartet und warum Kroatien jetzt Weltmeister wird.
Danke. Oh, eine schwierige Frage. Sehr lange. Es waren fast nur Deutsche da, und die sind alle ausgeflippt. Fast schlimmer als die Kroaten. (lacht) Es waren vielleicht 50 Kroaten da, wenn man meine Familie und mich dazuzählt. Wie viele Leute waren denn an der Beachbar? Ich schätze mal fast 500 Leute. Das ist echt erstaunlich. Bei den Spielen von Frankreich und Belgien im Viertelfinale waren nie mehr als 30, 40 da. Aber die Deutschen mögen offenbar die Kroaten. Warum ist das so? Wir sind ein kleines Land, gerade mal vier Millionen Einwohner. Dadurch sind wir immer irgendwie der Außenseiter. Nach dem Ausscheiden der Deutschen haben sich die Leute einen neuen Liebling gesucht. Und das ist Kroatien. Und ich habe immer noch die Chance auf den fünften Stern als Weltmeister. Das ist der Vorteil der doppelten Staatsbürgerschaft. (lacht) Hand aufs Herz: Haben Sie nach dem frühen Rückstand im Halbfinale gegen England noch ans Finale geglaubt? Ja! Ich bin in Kroatien aufgewachsen. Ich weiß, dass wir gegen die Großen immer große Spiele abliefern. Große Bühne, große Show. Und mittlerweile sind so viele kroatische Spieler bei Topklubs, kommen immer weit in der Champions League. Ich bin mir sicher: Wenn es ein Elfmeterschießen gegeben hätte, das hätten wir gewonnen, weil die Kroaten erfahrener sind. Wie viel haben Sie von dem Spiel überhaupt mitbekommen? Fast alles. Das Personal hat ein bisschen mehr gearbeitet und hat dafür auch ein bisschen mehr Geld bekommen. (lacht) Was trauen Sie der kroatischen Mannschaft im Endspiel zu? Selbstverständlich den Titel. Da habe ich keinen Zweifel. Wir haben einfach mehr Erfahrung. Pogba, Griezman und Co. werden schon sehen. 1998 stand Kroatien schon mal im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Damals noch mit Davor Suker und Co. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften? Der dritte Platz vor 20 Jahren war für unser Land wie eine Befreiung. Der Krieg war noch nicht lange vorbei, die Wunden waren noch frisch. Wir hatten damals schon tolle Fußballer. Aber die Spieler von heute haben mehr Siegermentalität. Luka Modric zum Beispiel hat schon viermal mit Real Madrid die Champions League gewonnen. Am Sonntag ist das Finale Frankreich gegen Kroatien. Auf was dürfen sich die Gäste der Beachbar freuen? Es gibt auf jeden Fall 100 Liter Freibier – egal, wie’s ausgeht. Das habe ich mit meinem Brauereilieferanten schon besprochen. Und vielleicht auch noch ein paar Flaschen Sliwowitz. (lacht) Im Lokal und draußen werden insgesamt sechs Bildschirme hängen. Niemand wird etwas verpassen. Und wie geht’s aus? Nach 120 Minuten steht es 1:1. Ivan Perisic und Kylian Mbappé schießen die Tore. Und im Elfmeterschießen sind die Kroaten kaltschnäuziger. Frankreich wird in vier Jahren Weltmeister. | Interview: Christian Treptow