Dannstadt-Schauernheim
Graffitikünstler macht den Banksy: Liebe durch die Pusteblume
In der linken Hälfte des Wandbildes kniet vor hellgrünem Hintergrund ein Mädchen auf einer Wiese. In der einen Hand hält sie ein Schild mit der Botschaft: „Love ist the answer“ (Liebe ist die Antwort), in der anderen eine Pusteblume. Das Mädchen bläst hinein, aber statt Samen steigen rote Herzen in die Luft auf. Wo die Herzen hinfliegen, weiß die Pustende nicht.
In ihrem Rücken auf der rechten Bildhälfte ein zweites Mädchen auf Zehenspitzen mit einem Schirm. Die Herzen regnen von oben herab, das Mädchen scheint sich jedoch gegen die Herzen abzuschirmen. „Es braucht sie nicht“, sagt Gabriela Hilf, Initiatorin und Sponsorin des Kunstprojekts am Dannstadter Marktplatz. Es habe den Tanz, Lebendigkeit und Lebensfreude bereits in sich, erläutert sie weiter. Daher seien die Herzen für die Menschen, die sie nötiger haben. Und die zu Boden fallenden seien für Mutter Erde, die ebenso Aufmerksamkeit von uns Menschen brauche.
Raum für Interpretation
Selbst als Waisenkind aufgewachsen, habe sie in Ihrem Leben die Fähigkeit entwickelt, ganz viel Liebe zu geben, sagt die Reiki-Lehrerin, Meditationstrainerin und Mutter von vier erwachsenen Kindern über sich. Daher finde sie sich in diesem Kunstwerk, angelehnt an den britischen Streetart-Künstler Banksy, wieder. „Es repräsentiert für mich bedingungslose Liebe“ verdeutlicht sie und bekennt: „Ich bin ein großer Fan von Banksy.“
Banksy steht als Synonym für einen Kunstschaffenden, vermutlich aus Bristol, die oder der bemüht ist, den bürgerlichen Namen sowie die wahre Identität geheim zu halten. Fasziniert zeigt sich Hilf davon, dass Banksy mit seinen Werken jedem Raum für eine eigene Interpretation ließe und sich jeder dabei etwas Passendes herausnehmen könne.
Das Objekt, dessen zehn Meter lange Wand an den Marktplatz angrenzt und nun bemalt ist, gehört der 64-Jährigen. Sie ist auch Vorsitzende des Vereins Wunderbar und Schiedsfrau der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. In diesem Ehrenamt habe sie schon oft erlebt, dass Menschen einsam und depressiv sind, oder sich über den Nachbarn ärgern. Aber auch, dass sie sich wieder miteinander versöhnen. Dass die Betrachtung des neuen Murals helfen könne, Ärger loszulassen, wieder zum Frieden zu finden, dabei Freude erlebt sowie Liebe empfangen und geteilt werden kann, ist ihre Hoffnung. Auch, dass es vom „Dorf“ angenommen wird.
Künstlerisch umgesetzt hat Hilfs Idee der aus Dallas stammende Graffiti-Artist Rick Riojas, nicht ohne ein bisschen Eigenpersönlichkeit unterzubringen. „Leute kommen mit Vorstellungen zu mir und ich versuche, sie in meinem Stil umzusetzen“, definiert er seine Vorgehensweise. Schon als 15-Jähriger habe er mit Graffiti begonnen, seit mehr als 20 Jahren betreibe er ein eigenes Tattoo-Studio in Mannheim.
„Aktion für die Kunst“
Dort hat er bereits etliche Wände besprüht, jüngst im Mannheimer Stadtteil Schönau. Zuvor habe er eine lange Graffiti-Pause gehabt, der Wiedereinstieg sei ihm jedoch leicht gefallen. „Inzwischen habe ich Vertrauen auf mein Können“, erzählt der 52-Jährige schmunzelnd.
Es dürfen gerne große Wände bei ihm sein, ganz nach dem Motto „je größer desto besser“. Während der Arbeit mit der Spraydose sei er meist entspannt, hinterher jedoch oft „geflasht“ von dem durch ihn Geschaffenen. „Toll, wenn man sich immer wieder selbst überraschen kann“, beschreibt er dieses für ihn großartige Gefühl. Positiv eingestellt ist er auch gegenüber der künftigen Pandemieentwicklung. „Bald wird alles wieder gut“, ist er überzeugt.
Nach dem Lockdown wird er sich auch wieder verstärkt dem Tätowieren widmen. Das Dannstadter Projekt hat ihm viel Spaß gemacht und er ist, ebenso wie seine Auftraggeberin Gabriela Hilf, sehr zufrieden mit dem Ergebnis seiner dreistündigen Arbeit. Und sicher ist für ihn auch: „Es war eine schöne Aktion für die Kunst.“