Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Grünstreifen zwischen Mutterstadt und Fußgönheim zurückgeschnitten: Platt gemacht

Zu massiv sei die Gemeindeverwaltung beim Rückschnitt vorgegangen, meint Udo Gauer.
Zu massiv sei die Gemeindeverwaltung beim Rückschnitt vorgegangen, meint Udo Gauer. Foto: Gauer/frei

Ein üppig bewachsener Grünstreifen zwischen Mutterstadt und Fußgönheim ist jüngst ziemlich zurückgeschnitten worden. Udo Gauer aus Schauernheim empört es, wie radikal die Arbeiter der Mutterstadter Verwaltung dabei vorgingen: „Das war unnötig“. Das Bauamt sieht das anders.

Udo Gauer mag die Natur, jeden Tag ist er draußen, spaziert mit seinem Hund auf den Feldwegen zwischen seinem Heimatort Schauernheim, Fußgönheim und Mutterstadt. Dort gibt es noch ein paar Streifen, in der die Natur sprießen kann, wie sie möchte, und Tiere wie Mäuse, Hasen, Vögel und Insekten sich zurückziehen können. Etwa entlang des Floßbachs oder an einem den Bach querenden Weg. Und genau an diesem Grünstreifen auf Mutterstadter Gemarkung ist es passiert: Bäume wurden gefällt und Hecken entfernt. Als Udo Gauer vergangene Woche auf seiner morgendlichen Tour dort unterwegs war, traute er seinen Augen nicht. „Es ist unglaublich, in Zeiten des Artensterbens geht die Gemeinde Mutterstadt hin und macht eines der wenigen Rückzugsgebiete für Vögel und Kleinsäuger auf Gemeindegebiet platt“, empörte er sich. Auf einer Länge von etwa 100 Metern seien rund 15 bis 20 Bäume gefällt, andere seien gestutzt worden. Der einst gut bewachsene Grünstreifen sehe nun jämmerlich ausgedünnt aus.

Wuchernde Brombeerhecken

Eine Nachfrage bei der Mutterstadter Gemeindeverwaltung, genauer beim stellvertretenden Bauamtsleiter Stefan Bummel, schafft schnell Klarheit. Alles habe seine Richtigkeit, gibt er Auskunft – und das an diesem Tag nicht das erste Mal, denn ein weiterer Bürger habe sich schon gemeldet. Auch diesem wurde erklärt: Die Grünarbeiten seien notwendig gewesen, um einen optimalen Rückzugsraum für Kleintiere und Insekten zu schaffen.

Denn: „Über Jahre haben sich an dieser Stelle Rosen-, aber vor allem Brombeerhecken ausgebreitet und Bereiche stark überwachsen“, sagt Bummel. Brombeerhecken seien sehr invasiv, sie wucherten unkontrolliert – „da hat sich eine meterlange, tiefe und undurchdringliche Wand gebildet, worin sich Tiere kaum zurückziehen können“. Von den Bäumen seien nur jene gefällt worden, die krank oder bereits abgestorben waren, erläutert er weiter. Ein Teil davon läge in der Mitte des Grünstreifens als Rückzugsorte für Tiere.

Okay von Naturschutzbehörde

Solch ein Beschnitt von Grünstreifen nennt der Fachmann „auf Stock setzen“ und sieht – das gibt Bummel zu – erst einmal radikal aus. Aber es sei eine Methode, die auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland empfehle. Der Rückschnitt – und daran halte sich die Gemeinde strikt – müsse aber außerhalb der Brutzeit geschehen. „Darum führen wir solche Arbeiten nur von Oktober bis Ende Februar durch“, sagt der stellvertretende Bauamtsleiter. Außerdem habe sich die Gemeinde in der Sache mit der Unteren Naturschutzbehörde beraten, die das Vorgehen ebenfalls empfohlen und abgesegnet habe. „Schon im Frühjahr wird es dort wieder grünen, und dann können auch Pflanzen wachsen, die die Hecken bisher zurückgedrängt haben“, tröstet Bummel. Und dann fühlen sich vielleicht sogar mehr Tiere dort wohl.

Udo Gauer überzeugt das nicht und er bleibt bei seiner Ansicht: „Hier war es unnötig, so massiv Bäume und Sträucher zurückzuschneiden. Die Argumente sind nach meiner Meinung Ausreden.“ Schneidarbeiden entlang von Fahrwegen, Bachläufen oder Gräben wie am Fußgönheimer Weg im Mutterstadter Feld seien noch nachvollziehbar, „aber bei dieser Gebüschfläche nicht“, sagt er.

Besagter Grünstreifen liegt am Feldweg zwischen Mutterstadt und Fußgönheim.
Besagter Grünstreifen liegt am Feldweg zwischen Mutterstadt und Fußgönheim. Screenshot: Google Maps
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