Rhein-Pfalz Kreis
Grüner Wicht, tanzende Mehlsäcke: Fußgönheimer Spielkreis zeigt „Rumpelstilzchen“
Stroh zu Gold hat er gesponnen und der jungen Frau wirklich aus der Patsche geholfen. Aber muss dieses Rumpelstilzchen unbedingt das Kind wollen? Der Fußgönheimer Spielkreis hat sich dem Grimm’schen Märchen angenommen und am Dienstag und Mittwoch eine gelungene Mischung aus Schauspiel, Orchester und Gesang im Palatinum präsentiert.
Die schwarz-rote Harlekinmütze auf dem Kopf, das Gesicht grün geschminkt – ihr Neugeborenes sieht eine junge Mutter wohl eher ungern bei einer solchen Gestalt. Und doch: Das Rumpelstilzchen will das Kind der Königin. So war es schließlich vereinbart. Klara Jutt füllte die Rolle des agilen Männchens wahrlich gekonnt aus.
Das Märchenspiel des Spielkreises unter der Leitung von Bine Stoll konnte sich sehen lassen. Es gab viele Momente zum Schmunzeln, angefangen bei den vier Pagen, die nicht nur betont langsam, sondern genauso tollpatschig einher kamen und mit flapsigen Sprüchen das Publikum für sich einnahmen. Das durfte immer wieder durch Zurufe oder Mitsingen aktiv am Geschehen teilnehmen.
Sein Tagtraum wird dem Müller zum Verhängnis
Aber noch zur Erinnerung – worum es eigentlich geht: Die Schatzkammer des Königs ist leer. Daher sucht die Hofmarschallin jede Gelegenheit, um an Gold zu kommen. Da kommt ihr ein Müller, der verbotenerweise ein Nickerchen auf einem goldenen Stein macht, gerade recht. Der hat von seinen Mehlsäcken geträumt, die in Wirklichkeit allerliebst tanzend über die Bühne gehüpft waren. Um sich vor dem Gefängnis zu retten, behauptet er, seine Tochter könne Gold spinnen – was aber nicht stimmt. Für Rumpelstilzchen mit seinem Zauberspruch sind das nur „Kinkerlitzchen“. Aber: Alles hat seinen Preis. Zunächst nimmt das eine gute Wende, da der König in Müllerstochter Ida die Frau seines Herzens findet. Es kommt, wie es kommen muss, als niemand mehr daran denkt, taucht Rumpelstilzchen wieder auf, um die Entlohnung für seine Hilfe beim Spinnen zu fordern: das erste Kind des Königspaares.
Die Darsteller füllen gleich mehrere Rollen aus
Mit den liebevoll geschneiderten Kostümen, wie die der Waldtiere, und den aufwendig geschminkten Figuren, hatte das Theater nicht nur fürs Auge etwas zu bieten. Mit ihrer Gesangseinlage setzte Frauke Domgörgen einen weiteren Höhepunkt. Obwohl die Darsteller zwischen Orchester, das ebenfalls von der Kreismusikschule kam, und Bühne mehrere Rollen ausfüllten, klappten die Einsätze reibungslos. Und dass sich die humorvoll vorgetragenen Vorführungen zwischenzeitlich herumgesprochen haben, bewiesen die voll besetzten Ränge.
Zwei Wochen nach den Sommerferien erhielten die Kinder und Jugendlichen ihre Texte und trafen sich kurz danach noch einmal. Sechs Wochen später ging es zu einer einwöchigen Freizeit auf die Starkenburg bei Heppenheim, wo Rollen, Texte, Kostüme, Gesang und Orchester im Zusammenspiel ausprobiert wurden. Bei 92 Teilnehmern schon ein größeres Unternehmen, „mit Hilfe der Großen aber kein Problem“, berichtet die Neuhofenerin. „Die neuen Kinder erhalten Paten und fühlen sich von Anfang an wohl.“