Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Gibt es das noch? Geschichten rund um alte Waschzuber

Eine Antiquität aus der DDR hat Brigitte Knopf.
Eine Antiquität aus der DDR hat Brigitte Knopf.

Er war der Klassiker in früheren, oft sehr minimalistisch ausgestatteten Haushalten – der Waschzuber. Diesen haben wir für unsere Serie „Gibt es das noch?“ gesucht. Einige RHEINPFALZ-Leser erinnerten sich oder haben noch einen solchen. Und alle berichten, was für ein wahres Multitalent die Zinkwanne ist. Gedacht war sie zum Wäschewaschen, tatsächlich benutzt wurde sie aber für Vieles andere.

Gusseiserner Pool

Wer hat das schon – einen gusseisernen, tannengrünen „Swimmingpool“ mit goldenen Füßen? Brigitte Knopf aus Maxdorf hat einen solchen auf ihrer Terrasse stehen. Zugegeben, es ist eine kleine Variante – und wirklich schwimmen kann man darin nicht. Für die 64-Jährige ist ihre Badewanne dennoch ein kleiner Luxus – auch wenn sie „Made in GDR“ ist, also aus der ehemaligen DDR stammt. Für 80 Euro hat sie die frei stehende Badewanne vor etwa acht Jahren in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) von privat erworben, in die Pfalz transportiert, die hellblaue Außenseite in terrassentauglichem Grün gestrichen und zur Krönung noch die wunderschön geschwungenen Füße golden angemalt. All das hat sich wirklich gelohnt für die kleine, aber feine Erfrischung im Sommer. Und sollte es mal zu kühl werden, könnte sie den „Pool“ sogar beheizen – den passenden Ofen, in dem Wasser in einem Tank mit Feuer erhitzt werden kann, den hat sie auch. Doch das bleibt Theorie, denn das gute Stück ist – im Gegensatz zur Badewanne – nur Deko.

Tränen nach dem Bad

Ein kleines Paradies auf Erden war für die damals dreijährige Brigitte Frech der Waschzuber beim allwöchentlichen Badetag. Dann wurde die Zinkwanne auf den Küchentisch gestellt, mit warmem Wasser gefüllt – und die Kleine konnte vergnügt darin planschen. „Das gefiel mir damals so gut, dass ich immer fürchterlich geweint habe, als das Bad zu Ende war“, erzählt die heute 66-jährige Ludwigshafenerin und muss lachen. Später hatte die Familie dann eine Badewanne, in der sie und ihre zwei Geschwister gebadet wurden. Ob dieser Waschzuber noch existiert, das weiß Brigitte Frech nicht mehr. „Aber es gibt so einen noch bei uns in der Gartenanlage.“ Sie seien eben sehr praktisch, diese Zuber. Kinder können darin baden, Wäsche wurde darin gewaschen – „und später dienten sie auch als Blumenkübel“, sagt sie.

Grauer Allrounder

Wie vielseitig nutzbar so eine Wanne war, das weiß auch Stefan Schmitz aus Rheinzabern. Er schickt uns ein Foto aus dem Jahr 1963/64, auf dem er und drei Nachbarskinder quietschvergnügt planschen und sich abkühlen. „Eigentlich wurde in dem Zuber in einer gemeinsamen Waschküche immer die Wäsche gewaschen, und manchmal wurden sogar Forellen vor dem Umsetzen in einen Teich zwischengelagert. Aber im Sommer war er auch oft unser kleiner Swimmingpool“, erzählt der 60-Jährige. Schwimmbäder oder Badeseen gab damals noch nicht so viele. „Schwimmen habe ich in der Lauter gelernt, erst später ist unser Vater mit uns an den Baggersee gefahren.“ Die Zinkwanne, die gibt es sogar noch. Stefan Schmitz hat sie vor dem Sperrmüll gerettet, „da hängen doch zu viele Erinnerungen dran“. Und das gute Stück ist nach all den Jahrzehnten noch intakt. So steht der Zuber derzeit im Keller. „Und vielleicht baden ja bald wieder kleine Kinder darin“, sagt er. Zu den Badefreunden von damals hat er sogar noch Kontakt – so ein Bad verbindet auf Lebenszeit.

Idylle auf dem Bauernhof

Der kleine Blondschopf im Waschzuber, der vergnügt in die Sonne blinzelt – das ist Dietmar Ihrig als Zweijähriger. „Das Bild entstand in Mutterstadt auf einem Bauernhof im Jahr 1954 oder 55“, erzählt er. Damals lebte seine Familie dort – „in sehr einfachen Verhältnissen“. Zwei Zimmer habe es gegeben, und im Schlafzimmer habe eine Schwengelpumpe gestanden, per Muskelkraft wurde so das Wasser gepumpt. „Als Kind war das aber dennoch für mich eine idyllische Zeit“, erzählt Dietmar Ihrig, der heute in Böhl-Iggelheim lebt. Auch wenn es für seine Eltern bestimmt nicht einfach gewesen sei.

Sommer auf dem Balkon

Auch Matthias Danninger hat noch ein Foto von sich als kleiner Zweijähriger – vergnügt planschend im Zuber. Und auch er erinnert sich: „Das Leben damals war einfach, und man musste mit wenig auskommen.“ Das Foto zeigt ihn im Sommer auf dem Balkon in der Ludwigshafener Schützenstraße, wo seine Familie in den 1950er-Jahren lebte. „Mangels vorhandenen Bades gingen meine Eltern samstags ins Badehaus. Eine Toilette befand sich außerhalb der Wohnung auf halber Etage im Treppenhaus. Ich glaube, sie wurde von zwei Parteien benutzt“, schreibt er. Als seine vier Geschwister auf die Welt kamen, baute die Familie in Mundenheim ein Haus – mit Bad. „Gebadet wurde aber nur samstags, erst der Vater, dann die Mutter und die Kinder.“ Bis heute weiß er es zu schätzen, in seine eigene Dusche zu treten und ohne weiteres Zutun heißes Wasser genießen zu können.

Doppeltes Vergnügen

„Wie wir im Krieg zu diesem Luxus gekommen sind, das kann ich mir gar nicht erklären“, sagt Gerhard Horn aus Oggersheim. Er hat ein Foto, auf dem seine ältere Schwester und er jeweils in einem Zuber stehen und sich in der Sommerhitze nass spritzen. Er vermutet, dass der zweite einem Nachbar gehörte. Damals lebte er mit seiner Familie in Kaiserslautern, sein Vater wurde während seines Arbeitsdienstes dorthin versetzt. Das sommerliche Badevergnügen war einer der wenigen schönen Momente in den Kriegsjahren um 1943, „denn eigentlich haben wir mehr im Keller gesessen wegen der Fliegerangriffe“, erzählt Gerhard Horn, der 1938 geboren wurde. Mehr Erinnerungen als das Badevergnügen auf dem Foto hat er an den alten Waschzuber nicht mehr. „Gebadet haben wir in der Wohnung in einer langen Badewanne“, sagt er. Doch aus dem Wasserhahn kam nur kaltes Wasser. Darum habe auf dem Herd immer ein Behältnis gestanden, in dem das Wasser ständig erhitzt wurde. „Wir sagten Schiff dazu“, erzählt Gerhard Horn. Mit dem Wasser wurde Geschirr gespült oder es wurde zum Waschen verwendet.

Alle Sechse

An den „Großwaschtag“, bei dem der Zuber zum Einsatz kam, daran kann sich Traudel Dippel aus Ludwigshafen auch noch erinnern. Einmal wurde die Schmutzwäsche gereinigt und einmal in der Woche auch alle sechs Kinder gebadet – nacheinander. „Ein Badezimmer gab es damals noch nicht“, erzählt sie. Ihr Foto von den planschenden Kindern hängt stets sichtbar an ihrer Pinnwand.

Kühle nach Sonnenbad

Was die Kleinen können, können ausgewachsene junge Mädchen erst recht, wie das Bild von Margit Kalsch aus Ludwigshafen beweist: Sie hat uns ein Foto aus den 1980er-Jahren geschickt. „Damals war Bräune angesagt, darum habe ich mich oft im Garten gesonnt und bin dann in die Wanne zur Erfrischung gestiegen. Tja, was man alles so gemacht hat als man jung war“, schreibt sie.

Oase für Blumen

Gleich acht Zinkwannen in vielen Variationen hat Birgit Furch aus Oppau. Und in allen „sonnen“ sich nur Schönheiten, wie etwa die Datura auf dem Foto. Die fast mannshohe Blume ist besser unter der Bezeichnung Engelstrompete bekannt und thront im Vorgarten von Birgit Furch in einer der vielen Zinkwannen. „Vor 20 Jahren habe ich damit begonnen, diese zu sammeln“, erzählt die 58-Jährige. Sie hat sie vom Sperrmüll gerettet oder von Bekannten geschenkt bekommen. „Ich mag das nostalgische Design“, sagt sie. Mit Blumen bepflanzt habe alles ein besonderes Flair – und passt wunderbar in ihren Vorgarten, wo noch andere alte Utensilien zwischen Blumen ihren Platz haben. Aber auch im Schrebergarten von Familie Fuchs beherbergen die alten Wannen das Grün. Früher hatten auch ihre mittlerweile erwachsenen Kinder viel Spaß mit den Wannen, heute gehören sie ganz allein den Pflanzen. Die alten Badezuber eigneten sich ganz wunderbar zum Bepflanzen, man müsse nur in den Boden Löcher hineinbohren, damit sich kein Wasser unten staut, erklärt die Oppauerin. Übrigens: Noch hat sie Platz für weitere Zuber. Und über einen würde sie sich besonders freuen: „Es gibt Zinkwannen mit einer Rückenlehne, eine solche hätte ich gern noch“, sagt sie. Vielleicht hat ein RHEINPFALZ-Leser eine solche abzugeben.

Zwischenstation fürs Grün

Auch bei Beate Biebinger werden die Zinkwannen bepflanzt und zieren ihren Garten. Als sie und ihr Mann das Haus ihrer Eltern in Ruchheim 1995 übernommen haben, standen drei dieser alten Waschzuber im Keller. „Bei uns heißen sie Brenk, sie gehörten meinem Großvater“, erzählt sie und vermutet, dass die alten Stücke in den 1950ern oder 60ern angeschafft wurden. Für was die Wannen benutzt wurden, weiß sie nicht. Wahrscheinlich für allerlei Praktisches. Und das ist noch heute so: „Wenn wir irgendwo Pflanzen sehen, für die wir erst einmal keinen Platz im Garten haben, dann werden sie in die Brenk gepflanzt“, erzählt Beate Biebinger. Und diese Zwischenlösung sieht immer recht hübsch aus, wie ihr Foto beweist.

Erst Wäsche, dann Bad

Eva-Maria Hettich weiß sehr wohl, wofür die alte Zinkwanne damals benutzt wurde: „Für die Wäsche“, erinnert sie sich. Aber natürlich auch für eine Erfrischung im Sommer, wie ihr Kinderfoto aus dem Jahr 1961/62 beweist. „Da war ich etwa eineinhalb Jahre alt, es entstand im Hof in Schöllbronn (Kreis Karlsruhe), wo wir damals wohnten“, erzählt sie, die 1960 geboren wurde. Heute wohnt sie in der Gartenstadt. Und ihre Kinder planschten schon in einem aufblasbaren Planschbecken.

Wanne im Ruhestand

Gabriela Hilfs alte Badewanne begleitet sie schon seit ihren Kindertagen. Es ist ein „ausgewachsener“ Waschzuber, der „ursprünglich zuerst in Heidelberg in einer kleinen Wohnung stand und dort samstags als Badewanne und montags als Waschzuber diente“. Die Dannstadterin erinnert sich noch gut: „In den 1950er-Jahren war samstags der Badetag: Erst badete der Vater, dann die Mutter und dann das Kind. Meist im gleichen Wasser, wenn das Kind Glück hatte, wurde noch etwas heißes Wasser nachgeschüttet.“

In den 1970er-Jahren stand die Wanne im Schrebergarten im Neuenheimer Feld bei Heidelberg. „Wir Städter verbrachten jedes Wochenende mit Gemüseanbau, aber auch mit Relaxen auf dem Rasen, und wir Kinder tobten im Sommer im kalten Wasser in der alten Zinkwanne“, erzählt sie weiter. Inzwischen sind Wanne und Besitzerin nach Dannstadt gezogen – und wieder toben Kinder auf dem Rasen, es sind Gabriela Hilfs Enkelkinder Alessio und Marlon sowie deren Freunde. Aber nur neben dem Zuber, „denn die heutigen Wasserspielzeuge locken mehr, als die alte Wanne; sie ist jetzt im Ruhestand“, schreibt sie und ergänzt: „Aber vielleicht wird sie demnächst als Kräutergarten einen neuen Zweck erfüllen …“

Schon Kriegsjahre überlebt

Unverwüstlich ist die Zinkwanne von Frank und Sonja Ritzhaupt aus Ludwigshafen, denn sie ist nicht nur alt, sondern hat auch schon viel mitgemacht. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass meine Großmutter vor vielen Jahrzehnten ihre Schmutzwäsche mit der Hand in der Metallwanne gewaschen hat“, erzählt Frank Ritzhaupt und erinnert sich weiter: „Ich war damals noch ein kleiner Junge und es waren schöne, unbeschwerte Zeiten.“

Selbst als später eine Waschmaschine angeschafft wurde, hatte der Zuber noch nicht ausgedient. So wurden zum Beispiel darin Pflanzen für den Garten gewässert. „Laut meines Vaters gab es die Wanne schon zu Kriegszeiten, und trotz vieler Kriegsschäden am Gebäude hat sie diese Zeit und viele Jahrzehnte unbeschädigt überstanden“, erzählt der Ludwigshafener, der den Zuber immer noch in Ehren hält. Er steht bei den Ritzhaupts in einem Raum für Gartenutensilien und wird auch noch benutzt. Das Ehepaar ist stolz auf dieses alte Teil: „So eine Qualität gibt es heute leider nicht mehr.“

Wollte gar nicht mehr raus aus der Wanne: die damals dreijährige Brigitte Frech.
Wollte gar nicht mehr raus aus der Wanne: die damals dreijährige Brigitte Frech.
Zu seinen Badefreunden von damals hat Stefan Schmitz immer noch Kontakt.
Zu seinen Badefreunden von damals hat Stefan Schmitz immer noch Kontakt.
Dietmar Ihrig planschend als Zweijähriger.
Dietmar Ihrig planschend als Zweijähriger.
Brenk nennt Beate Biebinger ihre Zinkwanne.
Brenk nennt Beate Biebinger ihre Zinkwanne.
In Birgit Furchs Zinkwanne thront eine Engelstrompete, sie hat acht Zuber.
In Birgit Furchs Zinkwanne thront eine Engelstrompete, sie hat acht Zuber.
Frank Ritzhaupts Zuber hat schon den Krieg überlebt.
Frank Ritzhaupts Zuber hat schon den Krieg überlebt.
Eva-Maria Hettich als Eineinhalbjährige in ihrem kleinen „Swimmingpool“.
Eva-Maria Hettich als Eineinhalbjährige in ihrem kleinen »Swimmingpool«.
In jungen Jahren hat sich Margit Kalsch im Zuber nach dem Sonnen abgekühlt.
In jungen Jahren hat sich Margit Kalsch im Zuber nach dem Sonnen abgekühlt.
Die Zinkwanne von Gabriela Hilf begleitet sie ihr Leben lang.
Die Zinkwanne von Gabriela Hilf begleitet sie ihr Leben lang.
Kleiner Luxus in schweren Zeiten – Rainer Horn mit seiner Schwester beim Planschen.
Kleiner Luxus in schweren Zeiten – Rainer Horn mit seiner Schwester beim Planschen.
Traudel Dippel hält das Bild mit den planschenden Geschwistern in Ehren.
Traudel Dippel hält das Bild mit den planschenden Geschwistern in Ehren.
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