Rhein-Pfalz Kreis Gesellig und gut fürs Gehirn

Mal ist Pik Trumpf, mal spielt einer einen Grand. Erwin Wagner, Gerhard Czech und Otto Schoninger (von links vorne) spielen mont
Mal ist Pik Trumpf, mal spielt einer einen Grand. Erwin Wagner, Gerhard Czech und Otto Schoninger (von links vorne) spielen montags Skat. Der Geldeinsatz sorgt für den nötigen Ernst.

Draußen ist das schönste Sommerwetter, und der Weiher des Bobenheimer Angelsportvereins (ASV) liegt an diesem Nachmittag da wie gemalt. Doch elf Herren verziehen sich lieber ins Innere der Gaststätte Fischerheim. Da haben sie mehr Platz, und plötzlich aufkommender Wind weht ihnen nicht die Karten weg. Jeden Montag gegen 16 Uhr treffen sich die Männer zum Skatspielen, und das zum Teil schon seit Jahrzehnten.

Einer nach dem anderen legt unaufgefordert und fast wortlos 1,50 Euro Startgebühr in eine Schachtel. Die 16,50 Euro werden am Ende an die besten drei Spieler des Nachmittags ausbezahlt. Dass es um ein bisschen Geld geht, sei wichtig für den nötigen Ernst, sagt Klaus Schubert von den Bobenheim-Roxheimer Skatfreunden. Er ist einer der wenigen in der Gruppe, die die Anfänge mitbekommen haben. Damals in den 70er- oder 80er-Jahren, als der Bobenheim-Roxheimer Gabelstaplerhersteller Lansing noch existierte und neben diversen Sportgruppen eine Skatgruppe unterhielt. „Dann wurde Lansing 1990 von Linde übernommen und später nach Frankreich verkauft, und wie das so ist, irgendwann gab es die Firma nicht mehr“, erzählt Schubert, der aus Berlin stammt und 1965 in die Pfalz kam. Geblieben aber sind die ohne Vereinsstruktur organisierten Skatfreunde, auch wenn ihre Mitglieder nicht mehr dieselben wie damals sind und man sich früher in einer anderen Gaststätte getroffen hat. Gerhard Czech ist mit fast 86 Jahren der Älteste in der Runde und schon lange dabei. Franz Kissel ist ebenfalls über 80 und spielt seit 65 Jahren Skat, zum Beispiel in einem Wormser Verein. „Über 70 sind die meisten hier“, meint er und bedauert, dass die meisten jungen Leute das Kartenspiel Skat nicht beherrschen. Für sich selbst freut er sich: „Das ist gerade im Seniorenalter gut fürs Gehirn.“ Nur wenn an den drei Tischen die Karten gerade gemischt und ausgegeben werden, lassen sich die Spieler auf die Fragen der RHEINPFALZ ein. Ansonsten konzentriert man sich, weil Skat Kopfrechnen und Merkfähigkeit erfordert. Wie das den Männern im von Gabi Spangenmacher geführten ASV-Lokal in Fleisch und Blut übergegangen ist, sieht man schon daran, dass ein Spiel mitunter weniger als eine Minute dauert. Da fallen die Karten so schnell, dass es dem ungeübten Zuschauer schwindelig werden kann. „Ich spiele einen Grand!“ – „Pik ist Trumpf.“ – „Ich wollte mein As noch heimbringen.“ Wenig mehr als solche Sätze lassen die Männer vernehmen. Privat miteinander befreundet sind die meisten nicht. Wolfgang Runde ist zum ersten Mal da, weil er das Skatspielen in den vergangenen Jahren doch vermisst hat. Er erinnert sich gern an seine Jugend: „Mit 15 sind wir nach der Schule immer noch eine Stunde im Klassensaal geblieben, um Skat zu spielen.“ Hat er Sorge, dass er nach 20 Jahren Abstinenz mit den „Profis“ im ASV-Heim nicht mithalten kann? Runde schüttelt den Kopf und grinst. „Skat ist wie Radfahren, das verlernt man nicht.“ Klaus Schubert kann sich nicht daran erinnern, dass hier jemals gemeutert wurde, weil jemand schlecht gespielt hat. „Wir haben außerdem alle Verständnis dafür, wenn man sich in das Spiel nach langer Zeit wieder reinwurschteln muss.“ Schubert und die anderen wären froh, wenn es mehr Zuwachs nach Art von Wolfgang Runde gäbe. Denn: „Die Spieler sterben langsam aus.“ Kontakt Wer sich den Skatfreunden Bobenheim-Roxheim anschließen oder in die Runde hineinschnuppern möchte, kann sich an Klaus Schubert, Telefon 06239 7748, wenden oder einfach montags ab 15.45 Uhr im Fischerheim des ASV Bobenheim vorbeischauen.

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