Bobenheim-Roxheim
Geschlossene Gemeindebücherei stellt Medienpakete zum Abholen zusammen
Lesefutter für meine Lieben und mich habe ich als berufstätige Mutter bislang auf altmodische Art besorgt: Am Samstagmittag nach dem Wochenendeinkauf flitzte ich hektisch in die Bücherei und räumte auf gut Glück die Regale ab. War der Korb voll, begann die Auslese nach dem ersten Eindruck: Blick auf den Einband, die ersten Seiten überfliegen, spüren, ob das Buch gut in der Hand liegt, und – ganz ehrlich – kurz dran schnuppern, da Bibliotheksbücher durch viele Hände wandern.
Bei der elektronischen Recherche dagegen muss ich eine Geduldsprobe bestehen. Ich klicke die Rubrik der Neuerwerbungen an. Das System registriert, dass die Anfrage ungewöhnlich lang dauert, dann erscheint auf dem Bildschirm: „Keine Verbindung zur Datenbank möglich.“ Nicht nur ich bin in der Krise überlastet, auch das Internet.
1400 Ausleihen am letzten Tag vor der Schließung
Ich lege eine kreative Pause ein, koche dem Nachwuchs schon wieder Spaghetti und freue mich, als ich endlich in der Datenbank bin und bei mehr als 200 Treffern die Qual der Wahl habe. Doch zu früh gefreut: Bei fast jedem zweiten Eintrag steht in Rot der Vermerk: entliehen. Von Irene Masih, Leiterin der Gemeindebücherei Bobenheim-Roxheim, erfahre ich, dass am letzten Öffnungstag vor der Corona-Krise Mitte März fast 1400 Medien ausgeliehen wurden – ganz schön viel angesichts von 1051 Mitgliedern.
Ich optimiere meine Strategie und fahnde in der erweiterten Suche nach der Mediengruppe „Schöne Literatur“. Auf 50 Seiten erwarten mich 499 Treffer: Gedichte, Märchen, Sagen, Aphorismen, Balladen ... Ich bin schon am Gähnen, als ich entdecke, dass sich das Suchergebnis eingrenzen lässt: Bereits entliehene Medien kann ich wegklicken und mir ein Erscheinungsjahr wünschen. Ich wähle das Jahr 2019 und finde überschaubare 17 Titel. Der Roman „Anfang Sommer – alles offen“ von Franka Bloom gefällt mir auf Anhieb, weil die Romanheldin durch Europa reist, was ich selbst in Corona-Zeiten nur auf dem Papier darf.
Wer Glück hat, ergattert einen E-Book-Reader
Da mein Reservoir an positivem Denken in der Krise aufgebraucht wurde, stöbere ich mit dem Suchbegriff „Glück“ in der Sachbuchrubrik. Und bestelle mir des Dalai Lamas Regeln des Glücks sowie ein Kochbuch mit Rezepten, die glücklich machen sollen. Buchstäblich Glück habe ich mit dem E-Book-Reader: Ganze zwei tragbare Lesegeräte verleiht die Bücherei, und eines davon hat auf mich gewartet. Ich bestelle ihn und dazu noch einen elektronischen Krimi, um zu testen, ob ich das Zeug zur papierlosen Leseratte habe. Mein E-Krimi scheint ein Ladenhüter zu sein, denn der Bereich der elektronischen Medien ist fast vollständig abgegrast.
Jetzt ist der Nachwuchs an der Reihe, er benötigt dringend Lesestoffnachschub. Laut Datenbank sind 498 Medien für Kinder und Jugendliche verfügbar. Sollten die Schulen bis Sommer zu bleiben, müsste das reichen, denke ich und ordere mal einen Stapel Simpson-Comics. In der Hoffnung auf mehr Ordnung im Kinderzimmer bestelle ich „Das kleine Ferkel, das immer aufräumen wollte“.
Nicht schaden kann ein halbes Dutzend Schülerhilfen vom Dudenverlag. Vom Jugendsachbuch „Extrembasteln“, das ausgefallene Experimente vorstellt, lasse ich sicherheitshalber die Finger. Schade, dass sämtliche Tonies vergriffen sind. So ein würfelförmiges Tonabspielgerät für Kinder fehlt uns noch. Je nachdem, welche Figur auf dem Würfel steht, ertönt eine passende Geschichte.
Auch Überraschungspakete sind möglich
Meine Bestellliste ist komplett und wandert per E-Mail an Irene Masih im Homeoffice. Wie versprochen lässt sie von ihrem Kollegen Bernhard Eckardt anderntags das Medienpaket zusammenstellen, und ich kann es zum verabredeten Zeitpunkt in der Gemeindebücherei im Pfalzring abholen. Auf Wunsch stellen die Mitarbeiter übrigens auch Überraschungspakete mit Büchern, Zeitschriften, CDs, DVDs, Brett- und Konsolenspielen zusammen.
Als Einzige laufe ich über den Kurpfalzplatz und greife mir im Vorraum die gut gefüllte Box. Durch die verschlossene Tür ruft mir Bernhard Eckardt zu, dass ich heute die 20. Abholerin sei. Bei Normalbetrieb gäbe es doppelt so viele Nutzer. Langeweile hat der Bibliothekar trotzdem nicht, weil er die Medien nun selber aus den Regalen heraussuchen muss.
Servicezeiten der Gemeindebücherei
Medien, die von den Nutzern der Bobenheim-Roxheimer Gemeindebücherei bestellt, verbucht, sortiert und bereitgestellt wurden, können im Pfalzring 39a dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 11 bis 13 Uhr abgeholt werden. Die Medien werden bis zur Wiederöffnung der Bücherei verlängert, Säumnisgebühren entfallen. Das Angebot umfasst laut Gemeinde auch 55.000 digitale Medien, die über das Portal metropolbib.de heruntergeladen oder gestreamt werden können. Außerdem sei der Zugriff auf rund 7000 Zeitungen und Zeitschriften sowie die Datenbanken Brockhaus und Munzinger möglich.
Nähere Informationen dazu gibt das Büchereiteam per E-Mail an gemeindebuecherei@bobenheim-roxheim.de, über die Homepage www.bobenheim-roxheim.de/buch oder telefonisch unter 06239 6100 jeweils am Montag, Dienstag, und Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr.