Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Geplantes Neubaugebiet: „Eine Fülle an Problemen“

Bohrungen zur Nutzung von Erdwärme als Haus-Heizung – das wurde auch schon in einem Laumersheimer Baugebiet praktiziert.
Bohrungen zur Nutzung von Erdwärme als Haus-Heizung – das wurde auch schon in einem Laumersheimer Baugebiet praktiziert.

Wie das geplante Neubaugebiet „Zwischen Hauptstraße und Böhler Straße“ energetisch sinnvoll erschlossen werden könnte, hat sich der Dannstadt-Schauernheimer Rat am Dienstag erläutern lassen. Er braucht aber noch mehr Informationen. Die Verwaltung ist skeptisch. Sie stuft das Gebiet als schwierig ein, und die Zeit drängt.

„Ich bekomme fast täglich Bauvoranfragen“, hob Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) die große Nachfrage nach neuem Wohnraum hervor. Bei dem geplanten Neubaugebiet müsse geprüft werden, wie sich Klimaschutz wirtschaftlich sinnvoll umsetzen lässt. Dazu habe die Verwaltung – nicht zuletzt auf Drängen der Fraktionen von CDU und Grünen – die Energieagentur Rheinland-Pfalz kontaktiert, die Kommunen diesbezüglich kostenlos berät.

Deren Referent für Dezentrale Wärmeversorgung und Integrierte Energiekonzepte, Paul Ngahan, zufolge kommt es bei Neubaugebieten darauf an, den Wärmebedarf der Gebäude zu minimieren, den CO2-Ausstoß möglichst geringzuhalten und erneuerbare Energie zu nutzen – zum Stromerzeugen, Heizen und Kühlen. Eine attraktive Möglichkeit hierfür stelle die kalte Nahwärme dar.

Technische Probleme verhindern Frage-Antwort-Dialog

Dieses Modell erläuterte Thomas Giel von der Hochschule Mainz. Die benötigte Energie werde aus einer Kombination von Flächenkollektoren an der Erdoberflächen und Erdwärmesonden gewonnen, die bis zu 100 Meter tief in den Boden gebohrt werden. Die neuen Wohnhäuser werden über eine Ringleitung an dieses Sondennetz angeschlossen. „Das ist eine der wirtschaftlichsten und nachhaltigsten Möglichkeiten, ein Neubaugebiet zu erschließen“, sagte der Experte.

Technische Schwierigkeiten bei der Videoübertragung der Fachvorträge ins Zentrum Alte Schule, wo die Ratsmitglieder den Ausführungen lauschten, verhinderten jedoch einen Frage-Antwort-Dialog. Ohnehin hatten die Politiker schon im Vorfeld einen derart umfangreichen Fragenkatalog erstellt, dass die Ortsbürgermeisterin und die Experten einen weiteren Termin am 24. März vorschlugen, bei dem ein Praxisworkshop die noch ausstehenden Antworten liefern soll. Zudem will Winkelmann drei Angebote für das Erstellen eines Energiekonzepts für das Neubaugebiet einholen. Über diese soll der Rat dann in einer Sondersitzung entscheiden, die sie noch im März einberufen möchte.

Veränderungssperre verlängert

Denn die Zeit drängt: Ebenfalls am Dienstag verlängerte das Gremium die Veränderungssperre für Grundstücke in der Hauptstraße, die für die Zufahrt zum Neubaugebiet nötig sind. Diese Sperre könnte der Rat nächstes Jahr allenfalls noch ein Mal verlängern, spätestens im April 2023 muss der Bebauungsplan aber fertig sein. Sonst würde die Sperre auslaufen und private Bauherren könnten nicht mehr davon abgehalten werden, auf den betreffenden Grundstücken Häuser errichten.

Nun dauerten aber das Erstellen und Auswerten eines Energiekonzepts einige Monate, gab Bauabteilungsleiter Bernd Ziegler von der Verwaltung zu bedenken. Selbst wenn alles optimal liefe, könnte der Bebauungsplan gerade noch rechtzeitig fertiggestellt werden. Nur laufe bei solchen Projekten nie alles optimal. Vielmehr noch: „Wir stufen es mittlerweile als schwierig ein, dieses Neubaugebiet zu vollziehen“, warnte er. Nach seinen Angaben ergeben sich aus dem Lärmschutzgutachten erhebliche Probleme. Für den Denkmalschutz seien Grabungen erforderlich, mitunter auf Privatgelände, was zu Rechtsstreitigkeiten führe. Daneben gebe es viele Einwände im Geruchsgutachten. „Wir haben eine Fülle an Problemen“, erklärte er. Nicht zuletzt fasse der Bundesgesetzgeber schon die Klimaschutzvorgaben für Neubauten immer strikter.

SPD: Klimafreundlichere Modelle als kalte Nahwärme möglich

Marc Hauck (FDP) warnte vor Beschlüssen, die die Vermarktung der Baugrundstücke beeinträchtigen. Elmar Burkhardt (CDU) hielt ein tragfähiges Konzept für alternativlos. Es könne die Vermarktung sogar fördern. Ralf Klein (Grüne) sah in einem Energiekonzept eher „eine Lösung in vielerlei Hinsicht“ als ein Problem. Zumal die übrigen Schwierigkeiten anscheinend deutlich größer seien. Uwe Schölles (SPD) hob hervor, dass kalte Nahwärme bereits ein seit Jahren bewährtes Konzept sei. Es gebe inzwischen aber auch andere ausgereifte und klimafreundliche Modelle.

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