Rhein-Pfalz Kreis Gemeinderat zieht Tretboot-Antrag zurück
Einstimmig, aber mit einigem Bedauern hat der Gemeinderat von Bobenheim-Roxheim den Antrag auf Genehmigung einer Steganlage mit Tretbootverleih am Altrhein zurückgenommen. Für Unmut sorgte die Absage der Behörde, obwohl die Gemeinde für 12.000 Euro ein Umweltgutachten hat erstellen lassen.
„Das hätten wir uns sparen können“, sagte Erster Beigeordneter Frank Peter (CDU) in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Um zu vermeiden, dass unnötig Geld ausgegeben wird, sei bei einem Ortstermin mit den Behörden extra darüber gesprochen worden, unter welchen Bedingungen der Betrieb einer Tretbootanlage möglich wäre, sagte Peter. Zur Erinnerung: Am 21. Juli 2016 hatten sich Vertreter der Gemeinde mit den Wasserbehörden und Gutachtern getroffen. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass ein Tretbootverleih möglich werde, sobald eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt sei, heißt es in der Sitzungsvorlage. Bei Naturschutzverbänden stieß das Vorhaben auf Gegenwehr (wir berichteten). Im Frühjahr wurde der Tretbootverleih dann von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd abgelehnt. Als Grund wurde genannt, dass sich der geplante Standort in einem Vogelschutz-, FFH- und Landschaftsschutzgebiet befinde. Schon damals hatte sich Beigeordneter Peter überrascht gezeigt, weil man doch mit der SGD vorher gesprochen und andere Signale empfangen hatte. Nachdem die Behörde weitere Gespräche im Mai dieses Jahres abgelehnt hat, stimmte der Gemeinderat nun dem Vorschlag von Peter zu, den Antrag nicht weiter zu verfolgen. So hafte dem Projekt später keine negative Entscheidung an, falls es die Gemeinde in ein paar Jahren noch einmal mit einer Genehmigung versuchen wolle. Bürgermeister Michael Müller (SPD) deutete am Donnerstag an, dass sich seit den Vorgesprächen zum Tretbootverleih die handelnden Personen in der SGD geändert hätten. CDU-Fraktionsvorsitzende Sylvia Lobocki sagte, dass der Großteil der christdemokratischen Ratsmitglieder die Entscheidung bedauere. Ihr Kollege Michael Remmele sagte: „Das sollte kein Spaßbetrieb werden, sondern die Natur vor Ort erlebbar machen.“ Er sei enttäuscht, dass Umweltschützer das einfach abgelehnt und die Behördenvertreter nicht Wort gehalten hätten. Es werde immer schwieriger, neue Ideen umzusetzen, da es oft und schnell viele grundsätzliche Bedenken gebe. Remmele ist Mitglied im fraktionsübergreifenden Arbeitskreis Tourismus der Gemeinde. Dieser hat unter anderem die Aufwertung der Altrheinanlage zu Freizeitzwecken im Sinn und die Errichtung einer Steganlage mit Tretbootverleih vor zwei Jahren empfohlen. Bürgermeister Müller stimmte Remmele zu. Auch für ihn selbst sei das Projekt eine Herzensangelegenheit gewesen. Ursula Reinhart (fraktionslos) begrüßte hingegen die Entscheidung. Sie habe schon damals bei der ersten Abstimmung gegen die Tretboote votiert. „Ich bin sehr froh, dass die SGD das Vorhaben aus Naturschutzgründen abgelehnt hat“, sagte sie.