Rhein-Pfalz Kreis
Gartenjahr 2021: Experten ziehen gemischte Bilanz
„Der Aufenthalt am Abend war problematisch“, antwortet Gerhard Hoffmann, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Harthausen, auf die Frage, wie das Gartenjahr 2021 war. Er spielt damit auf die Schnaken an, die den 71-Jährigen aus dem Garten vertrieben haben. Gartenfreunde hatten dieses Jahr je nach Lage ihres Grundstücks nicht nur mit den kleinen, surrenden Quälgeistern zu kämpfen, sondern waren auch mit anderen Herausforderungen konfrontiert.
„Wasser gab es über die Maßen. Die Natur hat es gebraucht, aber für manches Obst und Gemüse war das unschön“, sagt Ralf Gaggermeier. Der 58-Jährige ist Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Heiligenstein. Er berichtet von Fäulnis und Pilzkrankheiten – nicht nur im Weinbau. „Auf den Streuobstwiesen nahe des Rheins haben wir wegen des Hoch- und Druckwassers fünf Kirsch- und Zwetschgenbäume verloren“, sagt der Heiligensteiner. Sein Kollege aus Waldsee, Edgar Weick, erzählt, dass das Hoch- und Druckwasser vier Bäume gekostet habe – Birne, Apfel und Kirsche. Weick macht auch deutlich, dass der Niederschlag für die Natur wunderbar war, aber der Grundwasserspiegel noch nicht gestiegen sei. Dafür seien die Wintermonate entscheidend. Laut Ralf Gaggermeier war 2021 das „schlechteste Sonnenjahr“ seit zwölf Jahren. Er hat mit seiner Solaranlage den Überblick und „eher wenige“ Sonnenstunden gezählt. „Die Pflanzen hatten es dadurch bei der Photosynthese schwerer“, sagt der Gartenbauexperte.
Im feuchten und verregneten Sommer wurden auch einige Tomaten in Mitleidenschaft gezogen – die Braunfäule machte sich breit. Wer die Pflanzen vor dem Regen schützen konnte, hatte Glück. Edgar Weick wusste sich auch bei den Karotten zu helfen. Der 61-Jährige pflanzte sie in kleine Dämme, sodass sie gerade und gleichmäßig wuchsen.
In Dämmen fanden sich auch die Spargel in Dudenhofen. Gerhard Birkle, Vorsitzender des örtlichen Spargel- und Gartenbauvereins, sagt, dass es im Frühjahr zu kalt für die Pflanzen war. Die Erntemenge sei zwar geringer, aber die örtlichen Landwirte trotzdem zufrieden gewesen, berichtet der 71-Jährige.
Als „gut“ bezeichnet Gerhard Hoffmann die Apfelernte. Frostnächte im Mai hätten ihn dagegen Zwetschgen und Mirabellen gekostet. Bei den Beerenfrüchten erzielte er durch die Temperaturen dagegen ein „wirklich gutes Ergebnis“. Edgar Weick berichtet auch, dass sich Zwiebeln im Waldseer Sandboden „wunderbar“ entwickelt hätten. Normalerweise müssen wir viel gießen, aber das war dieses Jahr nicht notwendig, so der 61-Jährige. Ralf Gaggermeier erzählt: „Zur Streuobstwiese bin ich all die Jahre immer 20 Mal gefahren, um die Fässer zum Gießen aufzufüllen. Dieses Jahr war das nicht notwendig.“
Mit Humor nahmen die Gartenbauexperten, dass der Regen natürlich auch das Unkraut sprießen ließ. „Früher hätte man sich dafür schämen müssen, wenn man mit dem Jäten nicht hinterherkommt. Heute spricht man von ,Wildkräutern’ und ,naturbelassenen Gärten’“, scherzt Gerhard Birkle. Er und seine Kollegen bezeichnen das Gartenjahr 2021 deshalb als „sehr gut bis gut mit gewissen Einschränkungen“.
