Rhein-Pfalz Kreis Ganz oben auf der chinesischen Mauer

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Schifferstadt. Zwei Wochen haben 14 Schüler und drei Lehrer der Realschule plus im Paul-von-Denis-Schulzentrum Schifferstadt gerade im chinesischen Qingdao verbracht. Viele Vorurteile haben die Deutschen dort über Bord geworfen und sind in eine ganz andere Welt eingetaucht, berichten sie.

„Ganz oben auf der chinesischen Mauer zu stehen, das werde ich wohl nie vergessen“, schwärmt Kaytlin. Die 15-Jährige war mit 13 Mitschülern und drei Lehrern zum Schüleraustausch in der chinesischen Millionenstadt Qingdao. Mit ihren Gastgeschwistern besuchten die Neuntklässler dort die Schule und bekamen einen Eindruck vom Leben und Lernen in einer völlig anderen Kultur. Unvorbereitet sind die Schüler nicht nach Asien gereist. Denn in der für den Schüleraustausch gegründeten China AG unter Leitung von Andreas Backhaus haben sie sich lange mit Land und Leuten beschäftigt. Für die Schule war es bereits die zweite Reise nach China, für den Sport- und Biologie-Lehrer jedoch die erste. „Viele Vorurteile sind komplett über den Haufen geworfen worden“, sagt er nun. Vor allem beim Essen: „Es gab nie Frühlingsrollen, Reis gab es selten. Und es standen weder Hund noch Katze auf der Speisekarte.“ Dennoch waren gerade die kulinarischen Vorlieben der Chinesen für die deutschen Gäste gewöhnungsbedürftig. Für den 14-jährigen Florian etwa war das selbst geschlachtete Hühnchen eine Herausforderung. „Ich hatte es morgens noch gefüttert.“ Und Dana bekam einmal Hühnerfüße vorgesetzt. So richtig eklig fand es die 15-Jährige nicht. „Aber es war ein bisschen komisch.“ Schon bei ihrer Ankunft waren die Schüler beeindruckt. Qingdao ist eine Metropole mit mehr als sieben Millionen Einwohnern. „Es war gigantisch“, erzählt der 16-jährige Christian. „Ich hab’s mir nicht so groß vorgestellt.“ Und das galt wohl auch für die Schule dort. „Dort gehen 50 bis 60 Schüler in eine Klasse. Aber die Klassenräume sind nicht größer als unsere“, erklärt Carola Renner, Lehrerin für Sport und Erdkunde. Rund 2600 Jungen und Mädchen besuchen dort die Schule. „Es ist eine ganz andere Welt, eine ganz andere Sichtweise von Erziehung und Schule“, sagt Konrektor Roland Meinhardt. „Der Fleiß, das Engagement für die Schule, Schule wichtig zu nehmen, ist etwas, wo wir selber dran arbeiten könnten“, hat er festgestellt. Seiner Kollegin Renner hat es die Herzlichkeit der Menschen angetan. Ebenso wie ihre Offenheit. So sollten zwar politische Themen nicht angesprochen werden. Im privaten Gespräch habe man es aber doch getan. „Und wir haben aus unserer Sicht auch ehrliche Antworten erhalten.“ Qingdao war bis 1914 deutsche Kolonie. Bis heute sind einige deutsche Bauten erhalten. Auch eine Straße gibt es, in der deutsche Produkte erhältlich sind – Töpfe etwa, Schokolade oder auch Spülschwämme, wie Roland Meinhardt belustigt festgestellt hat. Die Deutschen seien dort gut angesehen, berichtet Carola Renner. Als Europäer sei man dort etwas Besonderes, erklärt die Pädagogin. Vor allem der 14-jährige Leon hat das zu spüren bekommen. Wenn er mit seinem Lockenkopf in der Schule auftauchte, wollten viele chinesischen Schüler Fotos mit ihm machen. „Mich hats nicht gestört“, sagt er lachend. Neben dem langen Schulalltag mit seiner Disziplin und Strenge haben die Deutschen auch viel erlebt. Sie haben chinesische Masken bemalt, Glücksknoten geknüpft, Tai Chi gelernt und zum Abschluss Peking erkundet. Die Eindrücke werden die Schüler in einer Präsentation für die Mitschüler aufbereiten. In zwei Jahren steht der nächste Austausch an. Im Sommer 2015 sollen zunächst die Chinesen nach Schifferstadt kommen – für sie eine ganz andere Welt. (sud)

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