WALDSEE RHEINPFALZ Plus Artikel FSJ in der Pfarrei: Tiefer Glaube und Kirchenkritik

Hilft auch tatkräftig im Pfarrheim, wenn nötig: Michael Schnell.
Hilft auch tatkräftig im Pfarrheim, wenn nötig: Michael Schnell.

Michael Schnell macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Pfarrei Heiliger Christophorus in Waldsee. Danach will der 21-Jährige Theologie studieren. Pfarrer werden will er nicht – zumindest so lange die Kirche nicht einiges ändert.

Michael Schnell ist einer, der sich engagieren möchte, einer der immer unterwegs ist und dem es nie langweilig wird. Eigentlich ist es eher ein Freiwilliges Soziales Halbes Jahr, das er derzeit in der Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee absolviert, denn ursprünglich hätte er schon im April damit anfangen wollen, doch dann kam Corona und so wurde es Mitte August, bis er seine Stelle antreten konnte.

Der erste Eindruck des 21-Jährigen: „Ich fühle mich wohl hier. Es gibt nette Leute, viele Messdiener und ich wurde sehr nett empfangen“. Er hat schon eine Fortbildung für Messdiener-Gruppenleitung vorbereitet. Auch bei der Vorbereitung des Religionsunterrichtes hat er mitgeholfen. Ansonsten schnuppert er in den Alltag im Pfarrbüro mit hinein, geht mit den Seelsorgern in die Kitas und hilft auch bei der Büroarbeit. Besonders gut gefallen hat ihm die Messdienerwanderung von Otterstadt nach Speyer. Dabei seien viele schöne Gespräche geführt worden und er hat den Messdienern viel über den Speyerer Dom erzählen können.

Glauben in der Gemeinschaft

Aufgewachsen ist Michael Schnell in Germersheim. Seit seiner Kommunion ist er Messdiener und seit elf Jahren Mitglied der katholischen jungen Gemeinde (KJG). Außerdem engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender im Stadtverband der Jungen Union in Germersheim. Inzwischen ist er mit seiner Familie nach Heiligenstein umgezogen.

„Jugendliche sehen ihre Kirche nicht in der Amtskirche“, sagt er aus eigener Erfahrung. „Sie finden Glauben in der Gemeinschaft und das sollte man stärken.“ Und genau das möchte er auch zu seinem Beruf machen und Pastoralreferent werden. Wenn es möglich ist, möchte er schon im kommenden Sommersemester mit dem Theologie-Studium beginnen, spätestens aber zum Wintersemester.

Priester würde er schon auch gerne werden, aber ganz sicher nicht unter den aktuellen Bedingungen. Solange katholische Priester nicht heiraten dürfen, ist das keine Option für Michael Schnell, denn er möchte später eine eigene Familie gründen, liiert ist er schon. Und noch etwas stört ihn gewaltig: „Priester sollten nicht den größten Teil ihrer Arbeitszeit für Verwaltung einsetzten müssen. Dafür gibt’s Verwalter.“ Als Pastoralreferent hätte er da mehr Zeit für Seelsorge. Kirche muss sich wandeln und mit der Zeit gehen, fordert Schnell. Männer und Frauen müssten gleichsam zu Priestern geweiht werden dürften, das Laienpriestertum müsse gestärkt werden.

Selbstreflexion lernen

Michael Schnell steht zu der Kritik an der Amtskirche, ist aber auch selbstkritisch. Sein Ziel für das Freiwillige Soziale Jahr ist es, selbstreflektierter zu werden und auch herauszufinden, was andere an ihm stört. „Ich brauche vielleicht auch eine Bestätigung oder eine Abschreckung“, sagt er schmunzelnd. Aber nach Abschreckung sieht es nicht aus.

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