Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Frust bei Schwimmern: Personalmangel bei den Kreisbäder hat Folgen

Weil für den Außenbereich im Heidespaß eine Aufsicht gebraucht wird, schließt das Hallenbad früher. Es fehlt Personal.
Weil für den Außenbereich im Heidespaß eine Aufsicht gebraucht wird, schließt das Hallenbad früher. Es fehlt Personal.

Um 18 Uhr schließt das Kreisbad Heidespaß in Maxdorf. Das ist neu und ärgert so manchen Kreisbürger, der nach Feierabend schwimmen gehen möchte. Dem Kreis fehlen Mitarbeiter – die Situation könnte sich noch verschärfen.

„Die neuen Öffnungszeiten des Kreisbades Heidespaß sind kein Spaß, sondern ein Schlag ins Gesicht aller Berufstätigen“, schreibt eine Leserin aus Maxdorf. Nach Feierabend im Schwimmbad seine Bahnen zu ziehen, sei so für viele unmöglich geworden. Und: „Da erst um 13 Uhr geöffnet wird, kann man nicht mal die Mittagspause im Homeoffice nutzen.“ Wie der Maxdorferin wird es auch anderen gehen, die sich für 240 Euro eine Jahreskarte gekauft haben. „Mir sind tägliche Schwimmer bekannt, die jetzt nur noch am Wochenende schwimmen gehen können, wenn das Bad mit Familien gefüllt ist“, berichtet sie. In der Tat ist es so, dass das Heidespaß bis vor wenigen Wochen noch drei Mal in der Woche bis 21.30 Uhr auf hatte.

Den Verantwortlichen in der Kreisverwaltung ist durchaus bewusst, dass die geänderten Öffnungszeiten im Maxdorfer Bad Berufstätige, die abends schwimmen gehen möchten, einschränken. „Das tut uns leid, aber unser Hauptproblem ist, dass uns Personal fehlt – Mitarbeiter, die am Beckenrand stehen und aufpassen, dass nichts passiert“, sagt Heribert Werner, der die Abteilung Schule, Kultur und Sport im Kreishaus leitet.

Fachkräfte fehlen

Viele Schwimmbäder haben derzeit mit Personalmangel zu kämpfen. „Wie in vielen anderen Berufen auch, ist es schwierig Fachkräfte zu finden“, sagt Michael Schreiner. Er ist Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister und arbeitet im Felsenland Badeparadies in Dahn. Dazu komme der demografische Wandel. „Viele Kollegen gehen in den Ruhestand, junge Leute kommen kaum nach.“ Samstag, Sonntag und an den Feiertagen arbeiten, wenn andere frei haben und Freizeit genießen, das wollten viele nicht. Die Work-Life-Balance stehe heutzutage im Vordergrund. Dabei kann Schreiner für seinen Beruf nur werben. „Man steht ja nicht nur am Beckenrand und führt Aufsicht. Schwimmmeister leiten die Organisation im Schwimmbad, sie gestalten das Animationsprogramm wie Aquajogging, sie geben Schwimmkurse, sie betreuen die technische Anlage“, beschreibt er die abwechslungsreiche Arbeit. Man trage Verantwortung. Und man habe mit Menschen zu tun. „Ich mache es seit 40 Jahren und es macht mir immer noch Spaß.“ Schreiner lehrt zudem an der Berufsschule in Trier und freut sich über jeden, der den Beruf erlernen möchte. Genug freie Stellen gibt es jedenfalls.

„Für das Kreisbad Maxdorf ist seit einiger Zeit eine Vollzeitstelle ,Fachangestellte*r für Bäderbetriebe’ ausgeschrieben, leider hat sich bis jetzt noch niemand dafür beworben. Eine Mitarbeiterin ist zudem momentan noch längerfristig erkrankt“, sagt Simone Riedel, Werners Stellvertreterin und Leiterin des Bäderreferats. Wie also den Personalmangel verwalten? Lösungen wurden gesucht. „Seit Öffnung des Freibads in Maxdorf Mitte Mai müssen wir zur Beaufsichtigung des Außenbeckens eine Person pro Schicht zusätzlich einplanen. Um das Bad an sieben Tagen die Woche öffnen zu können, haben wir uns entschieden, dafür werktags um 18 Uhr für den öffentlichen Badebetrieb zu schließen, zumal wir noch drei weitere Bäder betreiben, die werktags an einigen Abenden länger geöffnet sind“, sagt Riedel. Die Alternative wäre gewesen, einen Tag das Bad ganz zu schließen. „Besonders wichtig ist uns jedoch, dass Schulen und Vereine täglich die Möglichkeit haben, zu trainieren. Es ist wichtig, dass Kinder schwimmen lernen“, sagt Heribert Werner. Das sei auch der Grund, warum der Kreis noch vier Bäder unterhalte. Der Freizeitgedanke stehe erst an zweiter Stelle.

Ausweichen nach Mutterstadt

240 Euro – ganz genau wie die Maxdorferin schreibt, kostet eine Jahreskarte für Erwachsene. Und Simone Riedel und Heribert Werner können den Wunsch nachvollziehen, dass Inhaber diese Karte dann auch gerne nutzen möchten. Sie verweisen deshalb auf das rund 13 Kilometer von Maxdorf entfernte Aquabella. Das hat dienstags, mittwochs und donnerstags bis 21.30 Uhr offen. Auch in Schifferstadt gibt es drei Mal in der Woche Abendschwimmzeiten. Die Jahreskarten gelten Riedel zufolge für alle vier Kreisbäder.

Auch wenn 240 Euro manchem als stattliche Summe erscheinen – über die Eintrittsgelder lassen sich Bäder nicht finanzieren. Heribert Werner zufolge sind die vier Einrichtungen schon immer Zuschussbetriebe. Er rechnet mit rund drei Millionen Euro, die der Kreis im Jahr in seine vier Kreisbäder steckt. Das meiste in die beiden größten in Maxdorf und Mutterstadt. „Uns ist deshalb auch sehr daran gelegen, dass sie in Betrieb sind und genutzt werden können – aber ganz ehrlich – wenn weitere Bäderangestellte ausfallen, werden wir nochmals an den Öffnungszeiten schrauben müssen.“ Jetzt schon laufe der Betrieb nur mit Hilfe von Freiwilligen und Aushilfen. „Wir wollen auch noch mal an die Sportvereine herantreten, mit der Frage, ob sie uns unterstützen können“, sagt Werner. Einige Sportler hätten die passende Qualifikation für einen Einsatz am Becken.

Simone Riedel wirbt für Bewerbungen – vor allem von Ausbildungswilligen. „Auf unserer Homepage haben wir veröffentlicht, welches Personal wir für unsere Kreisbäder suchen und bieten Ausbildungsplätze. Auch Aushilfen können sich melden.“ Wer das machen möchte, müsse mindestens 18 Jahre alt sein und einen Erste-Hilfe-Nachweis sowie das Deutsche Rettungsabzeichen Silber haben. Beide Nachweise dürfen nicht älter als zwei Jahre sein. „Es wäre wirklich toll, wenn sich jemand bewerben möchte“, betont Werner noch einmal. Schließlich solle das Heidespaß, aber auch die anderen Bäder den Gästen Spaß machen – auch was die Öffnungszeiten anbelangt.

Kontakt

Zu den Stellenausschreibungen geht es über www.rhein-pfalz-kreis.de. Wer auf Schwimmbäder drückt, findet dort einen Button, der zu den Ausschreibungen führt.

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