Verein(t) in der Region RHEINPFALZ Plus Artikel Frohgesinnt durch eineinhalb Jahrhunderte: Der MGV Mutterstadt wird 150

Frohgesinnte bei Probe mit Chorleiterin Angelika Grothe (rechts) und Achim Scheuermann.
Frohgesinnte bei Probe mit Chorleiterin Angelika Grothe (rechts) und Achim Scheuermann.

Zwei Weltkriege, Corona, Mitgliederschwund – trotz Krisen steht der MGV 1873 Frohsinn Mutterstadt auch 150 Jahre nach seiner Gründung mit zwei aktiven Chören immer noch gut da. Das soll gefeiert werden. Der 284 Mitglieder starke Verein startet mit prima Voraussetzungen ins Jubiläumsjahr.

„Wir sind froh, dass unsere Vorfahren die Strukturen so gelegt haben, dass wir einen Blick in die Zukunft wagen dürfen.“ In den Worten von Gerold Magin stecken Dankbarkeit und Anerkennung für die Vereinsarbeit vorangegangener Generationen. Magin ist der fünfte Vorsitzende des am 1. Juli 1873 von 21 Mitgliedern gegründeten Vereins seit der Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1950. Von Anbeginn als reiner Männerchor konzipiert, hatte 1981 eine Satzungsänderung schließlich den Weg für weitere Chorgattungen und Musikgruppen frei gemacht. „Wir wollen auch singen“, habe es während einer Sängerfahrt nach Porta Westfalica von Seiten der Sängerfrauen geheißen, erinnert sich Manfred Hahn, der heute stellvertretender Vorsitzender ist und seit 45 Jahren in verschiedenen Vorstandspositionen ehrenamtlich den Chor unterstützt. Das habe 1988 zur Gründung eines zusätzlichen Frauenchors geführt.

Um jüngere Sängerinnen und Sänger zu gewinnen und sich moderner, auch englischsprachiger Chormusik zu öffnen, wurde 1994 unter der Leitung von Frank Montillon ein dritter, sogenannter „Projektchor“ aus der Taufe gehoben. Inzwischen trägt dieser den Namen „Cantamus“, steht unter der Leitung von Achim Scheuermann (52), umfasst 31 Sängerinnen und Sänger zwischen 15 und 79 Jahren und ein Repertoire von Gospel über Balladen und Schlager bis hin zur Popmusik. Um das Stimmvolumen zu erhöhen, wurden 2016 Männer- und Frauenchor zusammengeführt. „Es erschien sinnvoller, einen großen, leistungsstarken gemischten Chor zu haben“, erklärt Magin. Der heutige „Gemischte Chor“ wird seit 2022 von Angelika Grothe (58) geleitet und besteht aus 42 Singenden mit einer Altersspanne von 42 bis 85 Jahren. Interpretiert werden vierstimmig moderne, gut singbare Kompositionen. Magin (70) und Hahn (69) singen jahrzehntelang in beiden Chören mit. „Weil es uns immer Spaß gemacht hat“, sagen sie. Schmunzelnd bezeichnen sie sich als „jung gebliebene Oldies“ oder „altersmäßig in guter Gesellschaft mit Roland Kaiser, Peter Maffay oder Udo Lindenberg“.

„Mit jungen Menschen zusammen zu kommen, hält uns jung“, sind die beiden Bässe überzeugt. Die eigene Stimmlage sei „mal Bass, mal Bässer“, scherzt Manfred Hahn und berichtet dann weiter, dass beide Chöre grundsätzlich stimmlich gut ausgeglichen seien. Dies sei nach wie vor auch trotz Corona so. „Wir sind gut durch die Corona-Zeit gekommen“, bestätigt Magin. Man habe viel gemacht, die Sänger informiert, auf die Situation hingewiesen und bei Laune gehalten. Sitzungen hätten virtuell und Chorproben, sobald es wieder möglich war, in der Walderholung stattgefunden. Generell ist der Vereinsführung die Einbindung der Mitglieder in den Verein und die Information wichtig. Mehrmals im Jahr erscheint eine „Frohsinn-Info“, es existiert eine WhatsApp-Gruppe, an Ehrentagen gibt es ein Ständchen oder einen Besuch, und es werden gemeinsame Radtouren, Ausflüge, Wanderungen oder Theaterbesuche veranstaltet.

Neben dem sozialen Auftrag innerhalb des Vereins wird auch der kulturelle Auftrag in der Gemeinde hochgehalten. Kulturarbeit leistet der Verein bei seinen Konzerten und musikalischen Veranstaltungen. Als absolute Höhepunkte in der Vereinsgeschichte gelten die fünf Konzerte in der Rundsporthalle in den 80er-Jahren mit über 1000 Besuchern oder die vier Konzerte im Autohaus Oster ab dem Jahr 2002, zwei große Benefizkonzerte 2011 und 2014 mit insgesamt 15.000 Euro Erlös sowie 2019 das rauschende Jubiläumskonzert „Fly me to the moon – Zwischen Himmel und Erde“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Cantamus.

Im Sinne der Dorfgemeinschaft richtet der MGV Frohsinn Waldfeste aus oder ist bei der Kerwe dabei. Ein angemessenes Freizeitangebot ist dem zwölfköpfigen Vorstand ein ebenso bedeutsames Ziel wie ein hohes Leistungsniveau der Chöre. Regelmäßig werden daher Stimmbildungskurse mit fremden Chorleitern oder Sängern abgehalten oder Fortbildungen des Chorverbands Pfalz besucht. „Das tut jeder Stimme gut“, sind sich die beiden Vorsitzenden sicher. Und sie sind zufrieden. Eine Alterszunahme und ein gewisser Schwund seien Realität, aber man versuche, dies aufzufangen. „Wir können uns in der Chorlandschaft noch gut gegen das Chorsterben behaupten“, sagt Hahn. Gerold Magin, auch Träger der Ehrenamtsnadel Rheinland-Pfalz, hat einen Wunsch für die Zukunft: „Dass wir weiterhin gut über die Zeit kommen, mit genügend Sängern und guten Chorleitern und Leuten, die den Verein organisieren.“ Mit einem guten Jubiläumsjahr soll auch der Start in eine erfolgreiche nächste Dekade folgen. Willkommen im Verein und einer „Gemeinschaft, die trägt“ seien jederzeit singfreudige Neulinge.

Termine

27. Januar: Eröffnung des Jubiläumsjahrs ab 19 Uhr in der Neuen Pforte; 26. Februar: Ehrungsmatinee; 20./21. Mai: Waldfest; 5. November: Festkonzert 150 Jahre MGV Frohsinn. Weitere Infos: www.frohsinn-mutterstadt.de.

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